Seite 4: Saisonabschluss mit minus sieben Punkten

Um 13.30 Uhr tru­deln die ersten Spieler ein. Sie tragen dunkle Anzüge und Kra­watten in den Klub­farben Gelb und Schwarz. Auch Scott Hunter, der Tor­jäger, schlen­dert in Rich­tung Kabine. Das Outfit hat unser Trainer orga­ni­siert“, sagt er. Find ich gut, sieht pro­fes­sio­neller aus.“ Auch der Vor­sit­zende Peter Murphy trägt Anzug. Er ist eine echte Fort-Wil­liam-Legende, der in den Acht­zi­gern aktiv war. Beim viel­zi­tierten 0:0 gegen Stir­ling stand er auf dem Platz. Noch heute ziehen mich Freunde auf, weil ich in der letzten Minute angeb­lich eine große Chance gehabt hätte“, sagt er. Ganz ehr­lich: Ich erin­nere mich nicht!“

Murphy, der heute in Inver­ness als Immo­bi­li­en­makler arbeitet, ärgert sich manchmal über nega­tive Presse und Reporter, die sich über seinen Verein lustig machen. Ande­rer­seits weiß er auch, dass die meisten nicht über sie berichten würden, wenn sie nur Vor­letzter wären. Er sieht es prag­ma­tisch und sagt in einer abge­wan­delten High­lander-Weis­heit: Es muss halt einen geben!“ Einen Besten und einen Schlech­testen.

Es geht um so viel mehr!“

Dann geht es los – und schon nach elf Sekunden liegt der Ball im Tor von Fort. Das kann doch nicht wahr sein! Aber der Schieds­richter ent­scheidet auf Abseits. Danach hält Fort gut mit, ein Klas­sen­un­ter­schied wie sonst ist heute nicht zu erkennen. Das 0:1 fällt durch ein Eigentor, zur Pause steht es nur 0:2. In der zweiten Halb­zeit aber bricht das Team ein, das Spiel endet 0:7. Hunter schlurft ent­täuscht vom Platz, dabei müsste er das alles mitt­ler­weile gewohnt sein. Weißt du, viele Leute denken, es wäre uns egal, wenn wir ver­lieren“, sagt er. Aber das stimmt nicht. Mir geht’s nach Nie­der­lagen richtig beschissen!“ Er zeigt auf sein Trikot, das ein Gegen­spieler im Zwei­kampf zer­rissen hat.

Ja, sein letztes Hemd würde er für Fort geben, aber er könne die Kids auch ver­stehen, die lieber in den Pub gehen, als sich jede Woche zwei­stellig abschlachten zu lassen. Dann nimmt er seinen kleinen Sohn auf den Arm, der sofort wieder runter möchte, auf dem Rasen kicken. Und spä­tes­tens jetzt ahnt man, dass es hier, an diesem viel­leicht schönsten Fuß­ballort der Welt, um viel mehr geht als den Sieg oder die Nie­der­lage. Es geht um Freund­schaft und Familie, um Mut und Herz. Um die letzten Bra­ve­he­arts von Fort Wil­liam. Um die Zukunft. Nie­mand möchte seinen Kin­dern eines Tages sagen, dass der ein­zige Fuß­ball­verein der Stadt starb, weil sie irgend­wann keine Lust mehr hatten.

Zwei Wochen später findet das letzte Sai­son­spiel statt. Es ist die Partie gegen Wick Aca­demy, das Anfang März beim Stand von 1:0 für Fort abge­bro­chen worden war. Es endet 1:5. Fort Wil­liam schließt die Saison mit minus sieben Punkten und 21:245 Toren ab. Die Sun“ ver­öf­fent­licht einen spöt­ti­schen Artikel. Forts Fans for­dern danach via Face­book dazu auf, die Zei­tung zu boy­kot­tieren. Einer schreibt: Der Reporter hat keine Ahnung von Fuß­ball. Ver­gesst doch die Sta­tistik. Es geht darum, dass wir hier raus­gehen und Fuß­ball spielen!“ Peter Murphy, der Vor­sit­zende, ant­wortet: Danke für deinen Sup­port. Du hast Recht. Es geht um so viel mehr!“