Seite 3: Wie der Verein sich am Leben hält

Am Frei­tag­mittag inspi­ziert Trainer Rus­sell MacMorran den Rasen. Rehe haben neu­lich aufs Feld gekotet, überall lagen Häuf­chen rum. War eine Hei­den­ar­beit, alles sauber zu bekommen“, sagt MacMorran, Tattoo auf dem Unterarm, das Haar ras­pel­kurz. Eigent­lich ist er Ver­kehrs­po­li­zist. Über seine Spieler spricht er nach­sichtig. Sind halt viele Jungs dabei, die nicht mal zwanzig Jahre alt sind. Außerdem ist es doch besser geworden. Wäre nur schön für die Jungs, wenn sie mal gewinnen.“ Wie wird das Spiel gegen Fra­ser­burgh? Phy­sisch! Weißt du, Fra­ser­burgh hat mal gegen die Ran­gers im Pokal gespielt und nur 0:3 ver­loren.“

Der schönste Platz auf der Insel

Vor einem Jahr waren der dama­lige Vor­stand und Trainer drauf und dran, den Verein aus der High­land League abzu­melden. Aber dann über­nahm ein neues Board, zu dem auch MacMorran gehört, das sich für den Ver­bleib in der Spiel­klasse aus­sprach. Was soll eine Ama­teu­ri­sie­rung bringen? Wir hätten die­selben Rei­se­kosten, aber keine Unter­stüt­zung mehr vom schot­ti­schen Fuß­ball­ver­band.“ Auch der wie­derum findet es ganz schön, dass Fort Wil­liam in der Liga geblieben ist. Rod Houston, Geschäfts­führer der High­land League, sagt: Wir brau­chen Fuß­ball im Nord­westen.“ Viel­leicht auch, weil Fort Wil­liam ein Vor­zei­ge­klub der High­lands ist: gast­freund­liche Mit­ar­beiter, gute Gemein­de­ar­beit – und dann dieser male­ri­sche Platz. Für viele ist er der schönste in ganz Groß­bri­tan­nien. Post­kar­ten­motiv und Fan­ta­sy­ku­lisse. Früher wurden hier Filme wie Bra­ve­heart“ und High­lander“ gedreht. Regio­nale Künstler hocken manchmal stun­den­lang mit Ölfarben und Staf­felei vor den Felsen.

Viel­leicht gefällt es dem Ver­band auch, dass die Liga dank Fort Wil­liam oft in den Medien ist. Die BBC dreht gerade eine Doku über die tap­feren Spieler, Sky ist gele­gent­lich vor Ort, in zwei Wochen hat sich einer von der Sun“ ange­kün­digt. Einmal wollte ein bekannter Regis­seur sogar eine Doku-Soap drehen mit dem Titel From worst to first“. Ehe­ma­lige MLS-Spieler sollten Fort Wil­liam ver­stärken und zum Auf­stieg führen. Aber irgend­wann ging den Pro­du­zenten das Geld aus. Besser machte es ein Inde­pen­dent-Fil­me­ma­cher, der die sehens­werte Doku A long way to win­ning“ drehte. Über 50 000 Mal wurde sie im Netz ange­sehen, 2000 Pfund kamen danach an Spen­den­gel­dern zusammen.

So wurde Fort Wil­liam in den ver­gan­genen Jahren welt­be­kannt – und ein beliebtes Ziel für Groundhopper, die natür­lich auch am Samstag gegen Fra­ser­burgh anreisen.

Um 13 Uhr, zwei Stunden vor dem Anpfiff, liegt der Claggan Park noch ruhig und erwar­tungs­voll am Fuße des Ben Nevis, als ein Mann aus einem Auto steigt und ruft: Hopper?“ Er komme aus Wales, sagt er, und hatte in Glasgow zu tun, na, und da sei er halt vier Stunden bis nach Fort Wil­liam gefahren. Ist mein 838. Ground!“, prahlt er und blickt ver­liebt auf das Pan­orama. Schau dir das an!“ Später werden sich noch ein Rumäne, zwei Deut­sche und fünf Eng­länder unter den gut hun­dert Zuschauern tum­meln. Und wenn man einige von ihnen reden hört, klingt es, als hätten sie hier in Fort Wil­liam den Hei­ligen Gral des Welt­fuß­balls ent­deckt.