Herr Dech­eiver, wo erwi­schen wir Sie gerade?

Harry Dech­eiver: Ach, ich bin ein­fach bei mir zu Hause. Heute Mittag haben Sie mich schon im Super­markt ange­rufen. 



Wir hatten gehofft, Sie in Ihrer Video­thek anzu­treffen. Haben Sie die noch? 

Harry Dech­eiver: Nein, die habe ich vor zwei­ein­halb Jahren ver­kauft. Ich arbeite jetzt für eine Firma im Bereich Per­so­nal­ma­nage­ment. 

Wie kamen Sie denn damals zum Ver­leih­ge­schäft? Sind Sie Film­freund?

Harry Dech­eiver: Ich nicht so sehr, aber meine Frau. Wegen ihr haben wir nach meiner Fuß­ball­kar­riere mit der Video­thek ange­fangen. Zehn Jahre lief das sehr gut. Dann haben wir genau zur rich­tigen Zeit ver­kauft. 

Für den SC Frei­burg erzielten Sie 17 Tore in 41 Bun­des­li­ga­spielen. Welche Erin­ne­rungen haben Sie an die zwei Jahre?

Harry Dech­eiver: Frei­burg war super, vor allem das erste Jahr. Sport­lich haben wir ein Ries­en­er­gebnis erreicht, und auch zum Leben ist Frei­burg keine fal­sche Stadt. Ich kam im Oktober 1995 mit Alain Sutter und Nikola Jur­cevic, Frei­burg war 17. – und dann star­teten wir einen rich­tigen Lauf. Gegen was für Klubs wir damals hin­ter­ein­ander gewonnen haben: Stutt­gart, Frank­furt, Bayern, Bremen und Köln! Wir spielten guten Fuß­ball, richtig frivol … wie sagt man das auf Deutsch? Kreativ!

Am Wochen­ende spielt Frei­burg in Lever­kusen. Im Dezember 1995 erzielten Sie dort ein ganz wich­tiges Tor …

Harry Dech­eiver: …da haben wir 1:0 gewonnen! Eine Flanke von rechts, ich traf per Volley . 

Für die Fans waren Sie nur der Knipser““. Fragen wir den Experten: Was ist denn das Wich­tigste vor dem Kasten?

Harry Dech­eiver: Die Ruhe. Der gute Stürmer behält immer die Über­sicht, wenn er zum Abschluss kommt. Ich habe mich immer vorher ent­schieden, was ich mache, nie ein­fach drauf­ge­knallt. 

Frei­burgs neuer Knipser heißt Papiss Demba Cissé.

Harry Dech­eiver: Er ist ein total anderer Spie­lertyp. Er ist viel schneller als ich. Ich war eher ein rich­tiger Straf­raum­spieler, mit dem Rücken zum Tor immer anspielbar. Er ist bei Kon­tern gefähr­li­cher. 

Die Fans haben Sie auch wegen Ihrer Mähne geliebt. Gibt es die noch?

Harry Dech­eiver: Nein, die ist nicht mehr da. Man wird ja älter, die wilden Haare sind weg.

Als ehe­ma­liger Video­the­ken­be­sitzer müssen Sie uns zum Abschluss noch Ihren Lieb­lings­film ver­raten.

Harry Dech­eiver: Der Pate, ganz klar. Ein Super­film. Marlon Brando ist mein Mann.