Peter Bosz, der Unbe­lehr­bare. Dieser Ruf blieb an ihm haften, nachdem Borussia Dort­mund ihn vor etwas über einem Jahr ent­ließ. Der Nie­der­länder hielt starr an seinem tak­ti­schen System fest, selbst als die meisten Bun­des­liga-Gegner es längst ent­schlüs­selt hatten.

Am Wochen­ende kehrte Bosz in die Bun­des­liga zurück. Er soll Lever­kusen nach einer wan­kel­mü­tigen Hin­runde nach Europa führen. Hat sich der Nie­der­länder in seinem Jahr Pause wei­ter­ent­wi­ckelt, gar seine tak­ti­sche Marsch­route ver­än­dert? Mit­nichten! Bosz bleibt Bosz, auch in Lever­kusen. Hier kommen vier Auf­fäl­lig­keiten aus seinem Debüt gegen Borussia Mön­chen­glad­bach die belegen, dass er den­selben Weg wei­ter­geht wie in Dort­mund.

1.) 4 – 3‑3-System mit Fokus auf Ball­be­sitz­spiel

Den Gegner über das Ball­be­sitz­spiel domi­nieren, nach Ball­ver­lusten sofort aggressiv nach­setzen: das ist der Bosz-Weg. Offen­sive und Risiko statt Zwei­feln und Ver­tei­digen. Bosz lässt ein 4 – 3‑3-System spielen, egal, was kommen mag. Dort­munder Fans können ein Lied davon singen – aller­dings kein beson­ders frohes. In Dort­mund hielt er sehr lange an seinem System fest, auch gegen die Wider­stände der Fans (und der eigenen Ver­tei­diger). 

So glich Lever­ku­sens Her­an­ge­hens­weise im Spiel gegen Mön­chen­glad­bach ver­blüf­fend dem Spiel der Dort­munder aus der Vor­saison. Die Außen­ver­tei­diger rückten weit nach vorne, die Außen­stürmer gingen dafür in die Mitte. Mit Tempo und Wucht stieß das gesamte Mit­tel­feld nach vorne. Nach nicht einmal vier Wochen unter Bosz hat die Lever­ku­sener Mann­schaft den Stil des Trai­ners schon ver­in­ner­licht, die Lauf­wege schienen bereits ein­stu­diert. Ange­sichts von 64% Ball­be­sitz muss man sagen: typisch Bosz, dieses Ball­be­sitz­spiel!

2.) Unge­wohnte Spiel­er­rollen

In Dort­mund frem­delten viele Spieler mit Bosz‘ System. Pro­mi­nen­testes Bei­spiel war Julian Weigl, der nie warm wurde mit seiner Rolle als vor­rü­ckender Sechser. Auch in Lever­kusen spielt so man­cher Akteur auf unge­wohnter Posi­tion. Aller­dings frem­delten nur die wenigsten Spieler mit den neuen Rollen. 

Charles Aran­guiz etwa über­zeugte als aggres­siver Ball­jäger in der Weigl-Posi­tion. Auch Julian Brandt akkli­ma­ti­sierte sich schnell in seiner neuen Rolle als Ver­bin­dungs­spieler auf der Acht. Er bot sich für Zuspiele der Ver­tei­diger an und ver­suchte immer wieder, die Außen­stürmer mit Bällen zu füt­tern. Lars Bender über­zeugte als aggressiv pres­sender Rechts­ver­tei­diger, Kevin Volland war als aus­wei­chender Stürmer sehr prä­sent.

Einzig die Außen­stürmer ließen sich nicht so recht ins Kor­sett des Bosz-Sys­tems pressen. Leon Bailey und Karim Bel­la­rabi wech­selten im Ver­gleich zur Hin­runde die Seiten. Linksfuß Bailey sollte von rechts aus in die Mitte ziehen, Bel­la­rabi sollte als Rechtsfuß von der linken Seite das Gleiche tun. Sie frem­delten mit dieser Rolle, die an Arjen Rob­bens Spiel bei den Bayern erin­nerte. So ver­san­deten viele Angriffe der Lever­ku­sener bei den beiden Außen­stür­mern. Erst in der letzten halben Stunde drückten sie dem Spiel ihren Stempel auf, als sie wieder die Seiten tauschten.