11FREUNDE SPE­ZIAL

Dieses Inter­view haben wir im Früh­jahr 2018 geführt, es erschien im 11FREUNDE SPE­ZIAL Die andere Geschichte der WM“. Ihr könnt die Aus­gabe im Shop bestellen.

Cover spezial wm

Bora Milu­ti­novic, welche Mann­schaft trai­nieren Sie im Sommer bei der WM in Russ­land?
Wenn ich das wüsste. Nein, im Ernst. Ich habe seit 2009 keine Mann­schaft mehr trai­niert und genieße gerade mein Leben, so wie es ist. Ich wohne in Katar und gebe dort meine Erfah­rung als Rat­geber mit Hin­blick auf die WM 2022 weiter.

Sie haben mit fünf ver­schie­denen Nationen an fünf Welt­meis­ter­schaften teil­ge­nommen. Ver­spüren Sie über­haupt Lust auf eine sechste?
Auf jeden Fall. Welt­meis­ter­schaften machen süchtig. Also falls jemand Inter­esse hat, ich bin bereit.

Gibt es eine Mann­schaft, die Ihnen gerade beson­ders viel Freude bereitet?
Ich schaue tat­säch­lich noch immer viel Fuß­ball, der Sport wird mich mein ganzes Leben lang nicht los­lassen. Ich bin gespannt, ob es jemandem gelingt, Deutsch­land zu schlagen.

So wie 1986 beim legen­dären Vier­tel­fi­nale von Mon­terrey, als Sie mit Mexiko erst im Elf­me­ter­schießen an der deut­schen Elf schei­terten.
Legendär trifft es ganz gut. Wir waren der Außen­seiter, aber Deutsch­land wirkte müde an diesem Tag. Und das Sta­dion tobte. Mitten in der zweiten Halb­zeit bekam Thomas Bert­hold die Rote Karte, und wir wit­terten unsere Chance. Aber Toni Schu­ma­cher, der Teu­fels­kerl im Tor, hat alles gehalten. In der Ver­län­ge­rung hatten meine Jungs Krämpfe, nichts ging mehr.

Das war dann zu sehen. Selbst im Elf­me­ter­schießen gelang nur ein Tor. Waren Ihre Spieler außerdem zu nervös?
Vor dem Elf­me­ter­schießen hatte ich eher das Gefühl, dass die Deut­schen nervös waren. Eine Nie­der­lage gegen uns wäre für sie eine Bla­mage gewesen. Für uns war das Errei­chen des Vier­tel­fi­nales dagegen ein großer Erfolg. Bis heute ist es das beste Resultat einer mexi­ka­ni­schen Mann­schaft.

Zu Beginn Ihrer Amts­zeit gab es den­noch viel Kritik. Sie waren der erste aus­län­di­sche Trainer seit 20 Jahren. Erschwerte das die Auf­gabe zusätz­lich?
Ach, das war so ein Medi­en­ding. Wenn jemand Natio­nal­trainer eines Landes wird, egal wo, gibt es immer Leute, die das gut finden, und andere, die nicht zufrieden sind. Bevor ich die Natio­nal­mann­schaft über­nahm, hatte ich schon fünf Jahre lang UNAM Pumas in Mexiko trai­niert. Ich kannte also das Land und die Men­ta­lität gut und wusste, worauf ich mich ein­lasse.

Die junge Pumas-Mann­schaft stellte 86 auch das Gerüst der WM-Elf.
Ohne den anderen zu nahe treten zu wollen, aber das war viel­leicht die talen­tier­teste Mann­schaft, die ich je trai­niert habe. Über allen schwebte Hugo San­chez, sein Talent zu über­sehen, war unmög­lich. Was für ein Kerl! Die Welt­kar­riere, die ich ihm pro­phe­zeit hatte, hat er später bei Real Madrid auch gehabt.

Nach der WM bot Ihnen die Regie­rung aus Dank­bar­keit einen mexi­ka­ni­schen Pass an. Sie haben abge­lehnt. Warum?
Weil ich Jugo­slawe bin. Dort bin ich geboren und auf­ge­wachsen. Meine Eltern waren Jugo­slawen, ich bin jugo­sla­wisch erzogen worden, und noch heute fühle ich mich von Kopf bis Fuß als Jugo­slawe. Einen anderen Pass anzu­nehmen, kam für mich nie in Frage.

Es war das reinste Him­mel­fahrts­kom­mando“

Eine über­ra­schende Ant­wort für jemanden, der fünf Spra­chen spricht und auf fast allen Erd­teilen gelebt hat.
Meine Ver­bin­dung zu Mexiko ist auch ohne Pass stark genug. Meine Frau ist Mexi­ka­nerin, meine Tochter auch. Sie wurde 1986 geboren. Ich habe den Orden mit dem azte­ki­schen Adler bekommen, das ist die höchst­mög­liche Aus­zeich­nung, die es in Mexiko für Aus­länder gibt. Mehr kann ich nicht erwarten. Mexiko ist meine zweite Heimat. Dieses Gefühl habe ich auch ohne den Pass.

Nach 14 Jahren in Mexiko nahm Ihre Kar­riere als Wel­ten­bummler Fahrt auf. Die Ver­ant­wort­li­chen von Costa Rica riefen Sie 90 Tage vor der WM in Ita­lien an und …
70, mein Freund, 70! Ich dachte, madre mia, was soll ich in nicht mal drei Monaten bewirken? Es war das reinste Him­mel­fahrts­kom­mando.