Seite 3: Lass dich bloß nicht fallen auf der Insel

Der ein­zige Deut­sche, der neben Uwe Rösler heute noch hohes Ansehen bei den City-Fans genießt, ist Mau­rizio Gau­dino. 1995 zer­stritt sich der Frank­furter mit seinem Trainer Jupp Heynckes und flüch­tete nach Eng­land. Was ihm viele nicht zuge­traut hätten: Gau­dino erwies sich als lern­fähig. Ich merkte schnell, dass der Fuß­ball ein ganz anderer ist. Vor allem was die Ein­stel­lung zum Zwei­kampf angeht“, sagt er. 

Fuck off! Get up!“

Dabei prägte ihn ein Erlebnis maß­geb­lich. Es ging gegen Shef­field Wed­nesday, Gau­dino hatte sich den Ball erkämpft und wollte Chris Waddle auf engstem Raum aus­spielen. Da trat ihm dieser gegen die Wade. Nichts Schlimmes, es tat kaum weh“, erin­nert sich Gau­dino. Doch er ließ sich fallen. Gau­dino bekam einen Frei­stoß, Waddle die Gelbe Karte. Doch dann spielten sich gro­teske Szenen ab, seine eigenen Mit­spieler beschimpften ihn: Fuck off! Get up!“ Nach dem Spiel saßen die Mann­schaften wie üblich in der Ver­eins­kneipe zusammen. Gau­dino ging zu Waddle, in den Händen zwei Pints, eines reichte er dem Shef­field-Stürmer: Sorry, man!“ Waddle lachte und sagte: Cheers, pal!“ 

Gau­dino erar­bei­tete sich die Aner­ken­nung der Fans und der Mit­spieler. Ich hatte das Glück, dass Rösler schon da war. Er leis­tete Inte­gra­ti­ons­ar­beit“, sagt Gau­dino. Was mich an Rösler am meisten fas­zi­nierte: Er war stets mit­ten­drin. Als ob er schon Jahr­zehnte für diesen Klub spielte.“ Wie sehr Uwe Rösler wirk­lich an City hing, zeigt eine Szene aus dem Film Kickoff with Uwe“. Nach einem Spiel gegen Aston Villa spricht Rösler erst­mals mit Bert Traut­mann. Es läuft nicht mehr so gut für den Stürmer, eine Form­krise im Herbst 1995. Rösler sitzt ein­fach da, gebannt hört er zu, wie der alte weise Mann spricht. Rösler wirkt in diesem Moment wie ein ner­vöser Schüler neben seinem Lehrer. Sorge dich nicht“, ver­sucht Traut­mann den Stürmer zu beru­higen. Du bist immer noch ein guter Spieler.“ Doch Rösler schaut in diesem Moment genau so: voller Sorge. Er ver­sucht zu lächeln. Es gelingt nicht. 

Der Rest war Staunen

Der weise Mann behielt natür­lich recht, nur zwei Wochen später traf Uwe Rösler gegen Not­tingham Forest. Dann, im April 1996, das Spiel gegen Man­chester United, der Rechts­schuss ins lange Eck. Und der Rest war Staunen. Dass Ryan Giggs sechs Minuten später das 3:2 für United erzielte, war in diesem Spiel fast Neben­sache.