Martin Gess­mann, am Don­nerstag und am Freitag trai­nierte Usain Bolt bei Borussia Dort­mund mit, weil er gerne Fuß­ball­profi werden will. Bes­ten­falls bei einem Klub in einer Top-Liga“, wie er selber sagt. Kann ein Welt­klas­sepsrinter mit über 30 Jahren das tat­säch­lich schaffen? Manchmal gibt es wirk­lich so etwas wie einen zweiten Früh­ling im Leben und dazu noch eine neue große Liebe. Win­ston Chur­chill fing mit dem Malen und Schreiben an, als er mit der Politik fertig war – und er bekam für seine Bücher sogar den Nobel­preis. Man muss es ver­mut­lich auch als eine Art The­rapie sehen: Irgendwas Sinn­volles muss der Mensch mit sich anfangen – und dass Kicken besser ist als Dschun­gel­camp, ist doch klar.

Wie man im Trai­ning in Dort­mund sehen konnte, hatte Bolt ziem­liche Pro­bleme mit der Kon­di­tion. Defi­zite gab es auch in der Technik, etwa bei der Ball­an­nahme. Wäre ein Ver­such beim BVB nicht in erster Linie ein PR-Gag? Oder im schlimmsten Fall eine trau­rige Zir­kus­nummer?
Bolt und der BVB könnte mehr sein als ein Medi­en­coup. Der Aus­nahme-Sprinter könnte der Mann­schaft tat­säch­lich helfen …

… in einer Zeit, in der überall nur noch von Taktik und stra­te­gi­scher Dis­zi­plin geredet wird?
Das mag schon sein. Und doch erleben wir inzwi­schen auch, dass die Tak­tik­füchse immer rat­loser drein­bli­cken. Die Zeit der spek­ta­ku­lären Erfolge durch revo­lu­tio­näre Auf­stel­lungen ist längst schon wieder vorbei. Alle haben mental auf­ge­rüstet, überall gibt es eigene Ana­lysten und Nerds, die eigene Sys­teme aus­kno­beln und geg­ne­ri­sche hacken. Wir sind heute an dem Punkt ange­kommen, an dem sich Tak­tiken immer schneller neu­tra­li­sieren. Im Ergebnis sehen wir stau­nend zu, wie die indi­vi­du­elle Qua­lität eines Spie­lers plötz­lich wieder alles ent­schei­dend wird. Das Sturm­trio von Paris St. Ger­main funk­tio­niert genau so. Neymar, Cavani, Mbappé: jeder ist auf seine eigene Art hoch effektiv – ganz simpel, weil sie haken­schla­gend an ihren Gegen­spie­lern vor­bei­kommen, jeder ganz für sich. Ohne die drei wäre die Mann­schaft heute bes­ten­falls Durch­schnitt.

Um einer Spit­zen­mann­schaft wie dem BVB helfen zu können, müsste Usain Bolt also ein Drib­bel­gott sein.
Nein, das muss er nicht. Es reicht voll­kommen aus, wenn er seine alles über­ra­gende Schnel­lig­keit aus­spielt. Aub­ameyang hat in der Hin­sicht schon einen Vor­ge­schmack gegeben. Wenn er seine Gegner über­läuft, wird es immer gefähr­lich, selbst wenn er noch so viele Bälle am Tor vor­bei­schießt. Es reicht fast schon, dass er den Gegner unter Druck setzt: man darf ihn ein­fach nicht laufen lassen.