Für seinen Wahl­aufruf hätte sich Ronald­inho keinen effek­ti­veren Zeit­punkt aus­su­chen können: Unmit­telbar vor dem ersten Durch­gang der Prä­si­dent­schafts­wahlen in Bra­si­lien ver­öf­fent­lichte der ehe­ma­lige Welt­fuß­baller und Welt­meister von 2002 in den sozialen Netz­werken eine klare Bot­schaft: Für ein bes­seres Bra­si­lien“, schrieb Ronald­inho seinen 18 Mil­lionen Fol­lo­wern bei Twitter. Für Sicher­heit und jemanden, der uns die Freude zurück­bringt.“ Er habe sich ent­schieden, in Bra­si­lien zu leben und wolle ein bes­seres Bra­si­lien für alle.“

Gar­niert hat Ronald­inho die Bot­schaft mit einem Foto, auf dem er ein bra­si­lia­ni­sches Natio­nal­trikot mit der Nummer 17 trägt, der Nummer des rechts­po­pu­lis­ti­schen Kan­di­daten Jair Bol­so­naro. Seitdem ist in Bra­si­lien eine Debatte über Ronald­inhos offene Sym­pa­thie für den hoch umstrit­tenen Kan­di­daten ent­brannt.

Lieber einen toten als einen schwulen Sohn“

Bol­so­naro führt vor der Stich­wahl am 28. Oktober die Umfragen an. Für seine Gegner ist er ein Faschist. Bol­so­naro sym­pa­thi­siert offen mit der bru­talen bra­si­lia­ni­schen Mili­tär­dik­tatur des ver­gan­genen Jahr­hun­derts, hätte lieber einen toten als einen schwulen Sohn“, warf einer linken Par­la­men­ta­rierin vor, zu häss­lich zu sein, um ver­ge­wal­tigt zu werden und schloss die Mög­lich­keit aus, dass sich seine alle­samt eben­falls in der Politik tätigen Söhne in eine afro­bra­si­lia­ni­sche Frau ver­lieben könnten. Sie seien schließ­lich gut erzogen“. Im Wahl­kampf ver­sucht er zwar diese Aus­sagen abzu­fe­dern, doch vor allem seine offene Sym­pa­thie mit den bru­talen Fol­ter­prak­tiken der Dik­tatur werfen ihm seine Gegner vor.

Der FC Bar­ce­lona geht nun offenbar auf Distanz zu Ronald­inho. Zwar erklärte ein Klub­spre­cher, der Verein habe noch keine Ent­schei­dung dar­über gefällt, ob der ehe­ma­lige Welt­klas­se­fuß­baller seinen Status als Klub­bot­schafter ver­liere, aber was der Verein bis­lang über Bol­so­naro gehört habe, ent­spreche nicht den demo­kra­ti­schen Werten des kata­la­ni­schen Spit­zen­klubs.

Zugleich gelte es aber auch, das Recht von Ronald­inho auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung zu respek­tieren. Mit seiner enormen Prä­senz in den sozialen Netz­werken gilt Ronald­inho als ein­fluss­rei­cher Influ­encer. Diesen Markt­zu­gang will der Klub, mit dem Ronald­inho 2006 die Cham­pions League gewinnne konnte, offenbar nicht ohne wei­teres ver­lieren.