Seite 2: „Es gab einen Krieg“

Fünf Jahre litt der schnelle, aber recht ein­di­men­sio­nale Stürmer bei Real im Schatten von Cris­tiano Ronaldo, für den er seinen Platz auf dem linken Flügel auf­geben musste. Immer wieder beschwerte Bale sich beim Klub­chef Flo­ren­tino Perez. Der noto­ri­sche Spieler-Ver­steher Gian­carlo Ance­lotti hat dem Internet-Portal Il Napo­lista“ anver­traut, wie er Bale einmal wegen einer ego­is­ti­schen Ein­lage vom Platz befohlen habe, und es gab einen Krieg“. Ein halbes Jahr später war Ance­lotti seinen Trai­nerjob los.

Bale ist kein Anführer

Sein Nach-Nach­folger Zine­dine Zidane soll bei Perez auf einen Ver­kauf des eigen­sin­nigen Stür­mers gedrängt haben, aber der Prä­si­dent schickte lieber Ronaldo weg. Worauf Zidane im ver­gan­genen Sommer kurz nach dem Hat­trick in der Cham­pions League zurück­trat. Bale war der ein­zige Madrider, der ihm keinen Abschieds­gruß wid­mete. Zidane hatte sich seinen Unmut zuge­zogen, weil Bale im Kiewer Finale gegen den FC Liver­pool nicht für die Startelf nomi­niert worden war. Als er Monate später gefragt wurde, wer der bes­sere Trainer sei, Zidane oder der neu rekru­tierte Julen Lope­tegui – lau­tete die viel­sa­gende Ant­wort: Ich bin mir nicht sicher, ob ich darauf ant­worten möchte.“

Ronaldo ist weg, aber Bale immer noch kein Anführer. Unter San­tiago Solari, dem Nach­folger des glück­losen Lope­tegui, ist Karim Ben­zema im Angriff gesetzt, es folgt Vaz­quez. Selbst Vini­cius Junior, ein 18 Jahre alter Bra­si­lianer, der zunächst nur für die zweite Mann­schaft vor­ge­sehen war, steht in der internen Rang­liste vor ihm. Bale saß zuletzt drei Spiele in Folge von Beginn an auf der Ersatz­bank.

Solari för­dert die Ruhe

Seine Reak­tion lässt wenig Raum für Inter­pre­ta­tion. Kameras fingen Bale ein, wie er demons­trativ gähnte. Sein spätes Tor im Derby bei Atle­tico beging der 29-Jäh­rige mit einer Cortes de manga, wie die Spa­nier das Schlagen der linken Hand in die rechte Arm­beuge bei gleich­zeitig nach oben schnel­lender Faust nennen. Es folgte das seltsam zele­brierte Siegtor gegen Levante, das Har­monie sug­ge­rie­rende Film­chen im Klub-TV und die Frage an den Trainer, ob er mit Bale schon über die jüngsten Ver­wer­fungen gespro­chen habe. Ich weiß schon, dass ihr euch alle dafür inter­es­siert“, sprach Solari am Tag vor dem Cla­sico gegen Barça. Aber das gehört zu unserer Pri­vat­sphäre.“