Kevin-Prince Boateng
In diesem Spiel kann man sich unsterb­lich machen“, trom­pe­tete Kevin-Prince Boateng im Vor­lauf des Derbys, und was soll man sagen: KPB ist ein Mann der Tat und machte sich tat­säch­lich direkt unsterb­lich. Aller­dings nicht etwa durch einen Sieg­treffer per Fall­rück­zieher mit Moon­walk-Anlauf oder dadurch, dass er Kevin Groß­kreutz eine neue Frisur grätschte, son­dern dum­mer­weise durch einen beim Stande von 0:1 ver­schos­senen Elf­meter. Dieser Fehl­schuss macht Boateng nun zum aller­ersten Spieler, der in der Bun­des­li­ga­ge­schichte für Schalke einen Elfer im Revier­derby ver­bal­lerte – so hatte sich das Boateng sicher­lich nicht vor­ge­stellt, als er von der Unsterb­lich­keit sprach.

Hen­rikh Mkhi­ta­ryan
So sehr das alle Schalker schmerzen mag, aber Dort­mund war in diesem Derby ein wenig besser. Vor allem, so machte es den Anschein, wollten die Borussen den Sieg ein­fach mehr. Exem­pla­risch dafür steht Hen­rikh Mkhi­ta­ryans Vor­ar­beit zum 3:1. Dort­munds Jahr­hun­dert­ar­me­nier legte vor seinem Assist einen Solo­lauf hin, der derart lang war, dass selbst For­rest Gump die Puste aus­ge­gangen wäre. Fast 70 Meter schleppte Mkhi­ta­ryan den Ball über den Platz, was an diesem Tag wahr­schein­lich die längste Strecke war, die ein Dort­munder am Stück durch die Arena laufen durfte, ohne dabei von Schal­kern bedrängt zu werden. Am Ende seines Solos legte er quer, Blaszc­zy­kowski netzte ein, der Der­by­sieg war per­fekt. So ein­fach ist das manchmal.

Mame Diouf
Eben­falls in den Geschichts­bü­chern der Liga ver­ewigt hat sich am Wochen­ende Han­no­vers Mame Diouf. Der Sene­ga­lese schaffte näm­lich das Kunst­stück, nach nur 12 Minuten mit Gelb-Rot vom Platz zu fliegen – die schnellste Ampel­karte der Liga­ge­schichte. Leider gibt es kein Gerät, mit dem sich zusätz­lich die Dumm­heit eines Platz­ver­weises messen lässt – eine Art Dumm­heits-Uhr sozu­sagen – aber auch ohne eine solche ver­muten wir, dass Dioufs Gelb-Rote nicht nur die schnellste son­dern auch die dümmste der Geschichte war. Inner­halb von zwei Minuten erst Gelb wegen Meckerns und dann wegen einer Schwalbe zu sehen, ist schon wirk­lich die ganz große Kunst der Eselei. Auch wenn die Schwalbe zumin­dest umstritten war – Dümmer ange­stellt hat sich zuvor wahr­schein­lich nur Jürgen Milski beim Recht­schreib­test.

Mar­celo
Was genau Han­no­vers Mar­celo Schiri Stieler an Schimpf­ti­raden ent­ge­gen­spie, wird leider sein Geheimnis bleiben, aber es sah wahr­lich nicht so aus, als würde Han­no­vers Ver­tei­diger mit dem Referee nett über das Wetter reden oder den flotten Schnitt der Schiri-Uni­form mit lobenden Worten ver­sehen. Die Sam­mer­sche Wut, mit der Mar­celo auf Schiri Stieler los­ging, war aller­dings auch irgendwie nach­voll­ziehbar. Kurz zuvor hatte 96 näm­lich das 1:4 gegen Hof­fen­heim geschluckt, nach einem klaren Foul des Tor­schützen Roberto Fir­mino an Mar­celo. Was das ohnehin bro­delnde 96-Fass zum über­laufen brachte und den Bra­si­lianer dazu ver­an­lasste, Stieler eine wahr­schein­lich jen­seits aller Sprach­grenzen funk­tio­nie­rende Unflä­tig­keit ent­ge­gen­zu­sam­mern, die ihm Rot ein­brachte. Was dem Bra­si­lianer immerhin die Mög­lich­keit ver­schaffte, in den Kata­komben mit Mame Diouf über den gemein­samen Lieb­lings­film zu reden: Dumm & Dümmer“.

Kai Herd­ling
Auf der anderen Seite fei­erte Hof­fen­heims Kai Herd­ling sein Tor­debüt in der Liga – mit sage und schreibe 29 Jahren. Nach­wuchs­ar­beit, das wurde wieder einmal deut­lich, wird in Hof­fen­heim nach wie vor groß geschrieben und wei­terhin auf inno­va­tiven Wegen ver­folgt, wes­wegen auch hoff­nungs­volle End­zwan­ziger in Zuzen­hausen geför­dert und gefor­dert und tat­säch­lich noch zu Bun­des­li­ga­spie­lern geformt werden. Herd­lings Kopf­ball zum 2:0 war wirk­lich schul­buch­mäßig, genau in den Winkel und zum genau rich­tigen Zeit­punkt. Aber mal was anderes: Wann ist in Hof­fen­heim eigent­lich das nächste Sich­tungs­trai­ning für hoff­nungs­volle Nach­wuchs­ta­lente? Und wo können wir uns anmelden?

Shinji Oka­zaki
Das 11FREUNDE-Sah­ne­häub­chen in Blatt­gold und Mar­zipan“ geht diese Woche an Shinji Oka­zaki. Der im Körper eines Fuß­bal­lers gefan­gene Dau­er­läufer fiel in seinen bis­he­rigen Mainzer Arbeits­tagen weniger durch Sah­ne­tore auf, son­dern viel eher durch sein duracell­ha­sen­ar­tiges Lauf­pensum. Vor dem Tor war der Japaner bisher aller­dings in etwa so gefähr­lich wie ein, um im Bild zu bleiben, Hase vor der Schlange. Kein gutes Zeugnis für einen Stürmer. Scheint sich auch Oka­zaki gedacht zu haben und lupfte des­halb einen lange Pass aus vollem Lauf über Braun­schweigs Keeper Davari in die Maschen. Ein Tor, gefühl­voller als eine Best-of-Platte von Barry White.

André Hahn
Ety­mo­lo­gisch nach­weisen können wir es leider nicht, aber wir sind uns sicher, dass wegen sol­cher Tore wie jenem von Augs­burgs André Hahn am Samstag gegen Lever­kusen, einst das schöne Verb wemmsen“ erfunden wurde. Einen gut und gerne fünfzig Meter langen Pass von Tobias Werner wemmste Hahn näm­lich volley ins Toreck – so kom­pro­miss- und humorlos wie Arnold Schwar­zen­egger in Ter­mi­nator 2“. Wir haben die Szene meh­rere Male im Redak­ti­ons­in­nenhof nach­ge­stellt, mussten aber nach fünf gezerrten Kreuz­bän­dern und etwa zwanzig epi­schen Luft­lö­chern geschlagen und gede­mü­tigt auf­geben. 50-Meter-Vol­ley­ab­nahmen über­lassen wir lieber den Profis.

Josip Drmic
Nürn­berg ist, neben Frei­burg, so ein biss­chen das Sor­gen­kind der Liga. Nachdem die Franken unver­hofft unten rein­ge­rutscht sind haben sie vor kurzem den Trainer gewech­selt und nun einen Mann an der Sei­ten­linie stehen, der aus­sieht wie eine Mischung aus Nick Nolte und Gary Busey. Was Nürn­bergs neuer Trainer neben seiner anspre­chenden Optik sonst noch so draufhat, können wir noch nicht beur­teilen, dass die Franken aber nicht noch tiefer in den Keller gerutscht sind, liegt vor allem an Josip Drmic, der bereits am ver­gan­genen Spieltag den 1:1‑Ausgleich in Frank­furt mar­kierte und nun im Spiel gegen Stutt­gart erneut den Treffer zum 1:1 erzielte. Unser Tipp also an den neuen Trainer: Ein­fach immer Drmic spielen lassen. Nach dem Gesetz der Serie müssten mit diesem Kniff noch 24 1:1‑Unentschieden hin­zu­kommen, was für den Klas­sen­er­halt rei­chen sollte. Und viel­leicht für die Tor­jä­ger­ka­none für Drmic.

Icica Olic
Ivica Olic begeis­tert uns immer wieder. Der Mann gehört schon zum älteren Eisen in der Wolfs­burger VW-Gold­schmiede und ist trotzdem immer noch einer der Besten. Nicht nur in Sachen Ein­satz ist der Kroate ein Vor­bild für die oft lethar­gisch wir­kenden Diegos des VfL, Olic ist auch fuß­bal­le­risch ein abso­luter Könner. Das 1:0 legte er Maxi­mi­lian Arnold per Hacke auf, das 2:0 machte er direkt selber. Vor, zwi­schen und nach diesen Sah­ne­stü­cken lief Olic noch einen gefühlten Halb­ma­ra­thon und rackerte mehr als ein durch­schnitt­li­cher Acker­gaul. Und der VfL steht plötz­lich oben drin.

Oliver Bau­mann
Wer diese Rubrik regel­mäßig liest, der wird wissen, dass Häme so etwas wie unser Treib­stoff ist. Aller­dings gibt es oft­mals eine Art Spott-Grenze, jen­seits derer die Häme in Mit­leid umschwingt und man als Schrei­ber­ling geneigt ist, der Nächs­ten­liebe halber auf schä­bige Witze zu ver­zichten. Ande­rer­seits: Job ist Job, wes­wegen wir Oliver Bau­manns Vor­stel­lung am Sonntag nicht ein­fach so über­gehen können. Bau­manns Arbeitstag war näm­lich so eine Grenz­erfah­rung, der Frei­burger Keeper, eigent­lich ein for­mi­da­bler Schluss­mann, ver­schul­dete beim 0:3 gegen den HSV alle drei Gegen­tore. Ins­be­son­dere bei den ersten beiden Tref­fern bewies Bau­mann derart wenig Gefühl für räum­liche Tiefe und Abstände, dass man meinen konnte, Karl Dall stünde im Tor der Breis­gauer. Sicht­lich geknickt ent­schul­digte sich der U21-Keeper im Anschluss bei der eigenen Kurve, die freund­li­chen Sozi­al­päd­agogik-Stu­denten, die den Groß­teil der Frei­burger Fans stellen, ver­ziehen dem Schluss­mann mit auf­mun­terndem Applaus. Auch wir sagen: Kopf hoch. Vor allem, wenn ein Gegen­spieler auf einen zurennt.

Oscar Wendt
Im zweiten Sonn­tags­spiel ver­mö­belte die Borussia aus Mön­chen­glad­bach völlig über­for­derte Frank­furter mit 4:1. Wir könnten jetzt die ganzen Fuß­ball-Zucker­bä­cker à la Kruse, Arango oder Herr­mann her­vor­heben, die mit ihren gold­schmie­de­werk­zeug­ar­tigen Füßen die Frank­furter Hin­ter­mann­schaft einmal auf links zogen. Da wir aber davon aus­gehen, dass alle oben genannten Kicker noch des Öfteren in dieser Liste auf­tau­chen werden, erlauben wir uns, den Tor­schützen des 2:1, Oscar Wendt, lobend zu erwähnen. Wendts Tor war nicht das aller­feinste an diesem Nach­mittag, aber sein Dop­pel­pass mit anschlie­ßendem Gewalt­schuss ins kurze Eck passte irgendwie sehr zu diesem Nach­mittag im Dau­er­regen. Ein durch und durch ehr­li­ches Tor.