1.
Bur­kina Faso, nie­mand weiß so genau, wo das Land über­haupt liegt. Nie­mand weiß, wie groß es ist und nie­mand weiß auch nur annä­hernd, was die Beson­der­heiten des Landes sind. Des­wegen zunächst die hard facts, die auf keiner Kar­tei­karte fehlen dürfen: Bur­kina Faso heißt seit 1984 Bur­kina Faso. Die Haupt­stadt der ehe­ma­ligen fran­zö­si­schen Kolonie heißt – Ach­tung – Ouag­adougou. In Bur­kina Faso leben knapp 17 Mil­lionen Men­schen auf 274.200 km². Das Land ist damit größer als das Ver­ei­nigte König­reich. Nach­bar­länder sind unter anderem: Mali, die Elfen­bein­küste und Ghana. In Bur­kina Faso leben außerdem über 60 Volks­gruppen. Die Hälfte der Bevöl­ke­rung sind Mossis. Und nun noch eine kleine Reise in die Kli­ma­kunde des Landes: Der Norden liegt in der tro­ckenen Sahel-Zone, im Zen­trum herrscht Savan­nen­klima mit einer kurzen Regen­zeit, im Süden herrscht feuchtes Tro­pen­klima. Gold ist das dritt­wich­tigste Export­pro­dukt des Landes, für immer auf Platz Eins: Baum­wolle. Für einen Euro bekommt man 656 Franc de la Com­mu­n­auté Finan­cière d’Afrique. Puh.

2.
Für Bur­kina Faso, das noch nie an einer Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft teil­ge­nommen hat, ist das Errei­chen des Finals im Afrika-Cup 2013 der größte sport­liche Erfolg des Landes. Im neunten Anlauf erreichte die Natio­nal­mann­schaft durch ein Elf­me­ter­schießen gegen Nach­bar­land Ghana das End­spiel. 1998 wurde Bur­kina Faso Vierter. Man schei­terte im Semi­fi­nale gegen Ägypten mit 0:2. Aus­ge­rechnet im eigenen Land.

3.
Für Bur­kina Faso hätte das Halb­fi­nale nicht dra­ma­ti­scher laufen können. Der tune­si­sche Schieds­richter Slim Jedidi hatte, so stark sein Name ist, einen raben­schwarzen Tag. In der 13. Minute bekam Ghana einen unbe­rech­tigten Elf­meter zuge­spro­chen, den die Aus­wahl zur 1:0 Füh­rung nutzte. Bur­kina Fasos Jona­than Pitroipa, ehe­ma­liger Ham­burger Streich­holz­ki­cker, wurde kurz vor Ende der Ver­län­ge­rung im Straf­raum regel­widrig zu Fall gebracht. Kein Grund für den Schieds­richter auf den Punkt zu zeigen. Er ent­schied: Schwalbe und Gelb-Rot für Pitroipa, der somit für das Finale gesperrt wäre. Bur­kina Faso legte gegen die Sperre Beschwerde ein, Jedidi wurde sus­pen­diert, Ende offen.

4.
Der erste grö­ßere Erfolg gelang der Natio­nal­mann­schaft mit dem wohl männ­lichsten Spitz­namen aller Zeiten (die Hengste“) unter der Ägide des wel­ten­bum­melnden deut­schen Trai­ners Otto Pfister. 1978 konnte sich Bur­kina Faso, damals noch Ober­volta, erst­mals für den Afrika Cup qua­li­fi­zieren. Anschlie­ßend ver­ließ Pfister Ober­volta und trai­nierte, das nur am Rande, den Senegal, die Elfen­bein­küste, Zaire, Ghana, Ban­gla­desch, Saudi-Araben, Zamalek Kairo, CS Sfa­xien, Al Nejmeh, al-Masry, Togo, Al-Mer­rikh Khartum, Kamerun und Tri­nidad und Tobago. Pfister war übri­gens nicht der ein­zige deut­sche Trainer der bur­ki­ni­schen Natio­nalelf. Zwi­schen 1988 und 1990 schwang ein gewisser Heinz-Peter Über­jahn das Zepter.

5.
Bur­kina Faso trägt die zur­zeit wohl roman­tischste Bezeich­nung für eine Fuß­ball­na­tion im Namen: Das Land der unbe­stech­li­chen Men­schen. Wie weit die Wellen des Wett­skan­dals auch schlagen mögen, Bur­kina Faso errei­chen sie nicht. Da kann man auch schon mal dar­über hin­weg­sehen, dass Trainer Paul Put 2006 als Trainer des bel­gi­schen Ex-Erst­li­gisten Excel­sior Mou­scron ent­lassen wurde, weil er am Wett­skandal betei­ligt war. Put gab anschlie­ßend zu, mani­pu­liert zu haben, jedoch von der Mafia mit Feu­er­waffen bedroht worden zu sein. Der Mann kann den der­zei­tigen Erfolg richtig ein­ordnen und erklärte welt­män­nisch: Heute bist du der König, und schon morgen kannst du ein Stück Scheiße sein.“

6.
Abdoul Karim Yoda bur­ki­ni­sche Wur­zeln er hat. Für den FC Sion im Ein­satz er ist, doch nie­mals genug Talent für die Natio­nal­mann­schaft er bisher gehabt. Viel zu lernen er noch hat, bis Erfolg haben er wird. Ob er noch zu Hengsten es schaffen? Geduld haben, dann sehen du wirst.

7.
Ein ziem­li­ches Kuriosum ist die Hymne Bur­kina Fasos. Geschrieben wurde sie näm­lich vom frü­heren Prä­si­denten des Landes, Thomas Sakara. Sakara schrieb das schöne Stück mit dem Namen Une Seul Nuit“ im Jahre 1984, als aus Ober­volta Bur­kina Faso wurde. Uns gefällt die Idee, einer vom Staats­ober­haupt geschrie­benen Hymne sehr. Viel­leicht auch ein Modell für Deutsch­land? Wir denken schon.

8.
Für einen Auf­reger in der an Auf­re­gern eher armen Welt des Cle­ricus Cup“ sorgte 2008 ein bur­ki­ni­scher Geist­li­cher. Bei der Fuß­ball­meis­ter­schaft des Vati­kans spielen geist­liche Kol­legs aus aller Welt gegen­ein­ander. Was sich prin­zi­piell nach einer eher fairen Ange­le­gen­heit anhört. Auf Blut­grät­schen, Kopf­nüsse und Vinnie-Jones-Gedächtnis-Griffe in des Geg­ners geist­liche Hoden wartet der geneigte Zuschauer ver­ge­bens. Schade eigent­lich. Aber nur ste­rile Fair­ness gibt es bei keinem Fuß­ball­tur­nier der Welt. Auch beim Cle­ricus Cup“ nicht, wie ange­spro­chener Geist­li­cher aus Bur­kina Faso bewies. Der war näm­lich mit einer Schieds­richter-Ent­schei­dung derart unzu­frieden, dass er sein Trikot auszog und es in Rich­tung des Refe­rees warf. Der Schiri ver­wies den sün­digen Bruder dar­aufhin des Feldes, wor­aufhin der Geist­liche den Schiri so unflätig belei­digte, dass das Spiel abge­bro­chen und sein Team des Tur­niers ver­wiesen wurde.

9.
Rekord­na­tio­nal­spieler von Bur­kina Faso ist übri­gens ein Mann, der in Deutsch­land kein Unbe­kannter ist. Allas­sane Ouédraogo spielte ins­ge­samt 62 Mal für die bur­ki­ni­sche Natio­nal­mann­schaft und schoss dabei drei Tore. Hier­zu­lande kennt man ihn, weil er seit 2000 für deut­sche Klubs die Stiefel schnürt. Zunächst spielte der Mit­tel­feld­mann beim 1. FC Köln, wech­selte dann zu Rot-Weiß Ober­hausen, nach Koblenz, zu Essen und zurück nach Köln, zur For­tuna. Seit 2012 kickt der bur­ki­ni­sche Rekord­mann bei einem rhein­land-pfäl­zi­schen Ober­li­gisten, dessen Name klingt, als hätte man abge­lau­fene Buch­sta­ben­suppe zu Mittag gegessen: SpVgg EGC Wirges.

10.
Zum Abschluss ein Video, das die bur­ki­ni­sche Natio­nal­mann­schaft für den Afrika Cup 2010 drehte. Und damit kur­zer­hand bewies, dass die Kom­bi­na­tion von Fuß­ball und Musik nicht zwangs­läufig fürch­ter­lich schief­gehen muss. Auch wenn man hier­zu­lande den Glauben daran wahr­schein­lich schon unwi­der­rufbar ver­loren hat. Die Locker­heit eines Jona­than Pitroipa vor dem Mikrofon sollte jedem der Far Away in America“-nuschelnden Natio­nal­spieler von 1994 die Scha­mes­röte ins Gesicht treten lassen. In diesem Sinne: On va gagner, les eta­lons…