Seite 2: Kohfeldt: „Bastian, holt den Pokal“

Haben Sie regel­mäßig Kon­takt mit ihm?
Ich bin regel­mäßig im Weser­sta­dion. Und wenn man sich nach einem Spiel mal sieht, schnackt man ein biss­chen mit­ein­ander. Wir haben ihn auch zum Halb­fi­nale des Nie­der­sach­sen­po­kals ein­ge­laden. Flo­rian konnte damals nicht, weil er ein Aus­wärts­spiel in Mün­chen hatte. Aber er hat zu mir gesagt: Bas­tian, gewinnt das Halb­fi­nale, holt den Pokal. Und am besten zieht ihr als Los dann Werder.“

Umso schöner, dass er offenbar pro­phe­ti­sche Kräfte besitzt. Hat er sich nach der Aus­lo­sung gemeldet?
Wir haben direkt danach tele­fo­niert. Er meinte, er freut sich darauf und hat mich an seinen Flachs vor ein paar Monaten erin­nert. Aber das Tele­fonat war wirk­lich kurz, weil bei uns im Ver­eins­heim gerade Aus­nah­me­zu­stand war. Wir ver­stehen uns bes­tens, aber heute Abend sind es 90 Minuten Riva­lität.

Nicht zuletzt, weil Del­men­horst und Bremen Nach­bar­städte sind.
Des­wegen haben wir als Verein auch gesagt: Das ist ein Jahr­hun­dert­spiel. Der SV Werder Bremen ist über 100 Jahre alt. Und uns gibt es – mit kurzer Unter­bre­chung – auch schon ganz lange. Aber es hat noch nie ein Pflicht­spiel zwi­schen den beiden Klubs gegeben. Man fährt aus Bremen raus und kommt nach Del­men­horst rein. Ich hoffe, wir kommen mit unserem Mann­schaftsbus noch ver­nünftig durch zum Weser­sta­dion, wenn über 10.000 Del­men­horster nach Bremen fahren.

Sie haben die Unter­bre­chung bereits ange­spro­chen: Atlas Del­men­horst hat in den Neun­zi­gern in der damals dritt­klas­sigen Regio­nal­liga gespielt. Aber der Haupt­sponsor stieg aus und 2002 hat der Verein Insol­venz ange­meldet. Zehn Jahre später wurde aus dem Nach­fol­ge­verein der SV Atlas Del­men­horst neu gegründet. Sie waren am Neu­an­fang betei­ligt. Wie haben Sie den Verein seit 2012 wieder auf­ge­päp­pelt?
Mit ganz viel Kraft. Und manchmal wusste man gar nicht, wo man die her­holt. Ich selbst mache das alles zu hun­dert Pro­zent ehren­amt­lich, ich gebe sogar noch etwas finan­zi­elle Unter­stüt­zung aus meiner Selbst­stän­dig­keit dazu. Keiner von uns Ver­ant­wort­li­chen ver­dient damit Geld. Mein bester Kumpel Tammo Renken hatte die Idee der Neu­grün­dung schon 2009. Wir beide haben das ange­packt und meh­rere Unter­stützer dazu­ge­wonnen, die gesagt haben: Wenn ihr das macht, dann gebe ich ein paar Euro oder helfe euch ehren­amt­lich.“ Wir haben viele kleine Beträge auf­ge­trieben durch ein­zelne Gönner. Heute sind es knapp achtzig klei­nere Spon­soren, die uns unter­stützen, dar­unter viele Hand­werks­firmen.

Aber keinen großen Sponsor?
Einen etwas grö­ßeren Haupt­sponsor haben wir. Aber keinen Riesen, der Beträge im sechs­stel­ligen Bereich zur Ver­fü­gung stellt. Den gibt es in Del­men­horst auch gar nicht. Von der Stadt Del­men­horst würden wir uns manchmal etwas mehr Unter­stüt­zung wün­schen. Aber vor dem Hin­ter­grund, dass der Verein schon einmal pleite war, müssen wir denen zunächst natür­lich Nach­hal­tig­keit beweisen. Del­men­horst ist eine sozial schwache Stadt zwi­schen Bremen und Olden­burg, die nicht den besten Ruf hat. Aber durch uns, durch den Fuß­ball, sind in den letzten Jahren auch viele posi­tive Schlag­zeilen über die Stadt dazu­ge­kommen.