Bas­tian Fuhrken, hätten Sie sich ein bes­seres Los als den SV Werder Bremen für die erste Runde im DFB-Pokal vor­stellen können?
Wir haben uns einen Tra­di­ti­ons­klub aus der Bun­des­liga gewünscht und einen der ältesten bekommen. Werder Bremen ist natür­lich ein per­fektes Los. Dass wir das Spiel dann noch mit einem vollen Weser­sta­dion ver­golden können, das hätte ich nie gedacht.

Der Aus­tra­gungsort war lange unge­wiss. Wie kam es letzt­end­lich dazu, dass im Weser­sta­dion gespielt wird?
Vor der Aus­lo­sung muss man für den DFB gewisse Unter­lagen aus­füllen und drei mög­liche Spiel­orte vor­schlagen. Da unser Sta­dion noch nicht einmal regio­nal­li­ga­taug­lich ist, habe ich noch Olden­burg und das Bremer Weser­sta­dion ange­geben. Beim letzten war mir aber schon ein biss­chen mulmig im Bauch, weil ich dachte: Boah, diese große Kiste, ob wir da wirk­lich spielen können.“ Dass es letzt­lich wirk­lich das Weser­sta­dion geworden ist, liegt daran, dass der DFB in der Spiel­ord­nung einen Zusatz hat: Wenn die beiden Mann­schaften, die auf­ein­ander treffen, zufällig die gleiche Spiel­stätte ange­geben haben, kann dem auch statt­ge­geben werden.

So kam es dann ja auch.
Genau. Wenn man als Ama­teur­verein so ein großes Los zieht, weiß man nicht, was auf einen zukommt. Man freut sich und feiert ein ganzes Wochen­ende durch. Wenn man dann die ersten Unter­lagen vom DFB bekommt und diese 110 Seiten durch­liest, weiß man auf der vierten Seite: Es wird der Horror, das zu orga­ni­sieren.

Heute Abend gibt es die Beloh­nung dafür. Was dürfen wir im Weser­sta­dion erwarten?
Eine geballte Power von den Rängen. Wir erwarten eine volle Hütte, eine Stim­mung, die wir als Ober­li­gist gar nicht kennen. 4.000 Zuschauer hatten wir mal bei einem Rele­ga­ti­ons­spiel. Das war Rekord. Und jetzt kommt da noch ne Null hinter.

Sie haben kürz­lich mit der Mann­schaft eine Füh­rung durch das Sta­dion gemacht. Worauf freuen Sie sich beson­ders?
Für mich sind die Flut­licht­masten im Weser­sta­dion die schönsten in ganz Deutsch­land. Ich werde beim Spiel natür­lich unten auf der Bank sitzen. Für mich ist das noch ganz weit weg. Das selbst am Rasen zu erleben – das wird mich brutal treffen. Ich habe vor kurzem noch mit Flo­rian Koh­feldt gespro­chen. Er ist auch Del­men­horster, wir kennen uns durch unseren ehe­ma­ligen Hei­mat­verein, den TV Jahn Del­men­horst.

Haben Sie regel­mäßig Kon­takt mit ihm?
Ich bin regel­mäßig im Weser­sta­dion. Und wenn man sich nach einem Spiel mal sieht, schnackt man ein biss­chen mit­ein­ander. Wir haben ihn auch zum Halb­fi­nale des Nie­der­sach­sen­po­kals ein­ge­laden. Flo­rian konnte damals nicht, weil er ein Aus­wärts­spiel in Mün­chen hatte. Aber er hat zu mir gesagt: Bas­tian, gewinnt das Halb­fi­nale, holt den Pokal. Und am besten zieht ihr als Los dann Werder.“

Umso schöner, dass er offenbar pro­phe­ti­sche Kräfte besitzt. Hat er sich nach der Aus­lo­sung gemeldet?
Wir haben direkt danach tele­fo­niert. Er meinte, er freut sich darauf und hat mich an seinen Flachs vor ein paar Monaten erin­nert. Aber das Tele­fonat war wirk­lich kurz, weil bei uns im Ver­eins­heim gerade Aus­nah­me­zu­stand war. Wir ver­stehen uns bes­tens, aber heute Abend sind es 90 Minuten Riva­lität.

Nicht zuletzt, weil Del­men­horst und Bremen Nach­bar­städte sind.
Des­wegen haben wir als Verein auch gesagt: Das ist ein Jahr­hun­dert­spiel. Der SV Werder Bremen ist über 100 Jahre alt. Und uns gibt es – mit kurzer Unter­bre­chung – auch schon ganz lange. Aber es hat noch nie ein Pflicht­spiel zwi­schen den beiden Klubs gegeben. Man fährt aus Bremen raus und kommt nach Del­men­horst rein. Ich hoffe, wir kommen mit unserem Mann­schaftsbus noch ver­nünftig durch zum Weser­sta­dion, wenn über 10.000 Del­men­horster nach Bremen fahren.

Sie haben die Unter­bre­chung bereits ange­spro­chen: Atlas Del­men­horst hat in den Neun­zi­gern in der damals dritt­klas­sigen Regio­nal­liga gespielt. Aber der Haupt­sponsor stieg aus und 2002 hat der Verein Insol­venz ange­meldet. Zehn Jahre später wurde aus dem Nach­fol­ge­verein der SV Atlas Del­men­horst neu gegründet. Sie waren am Neu­an­fang betei­ligt. Wie haben Sie den Verein seit 2012 wieder auf­ge­päp­pelt?
Mit ganz viel Kraft. Und manchmal wusste man gar nicht, wo man die her­holt. Ich selbst mache das alles zu hun­dert Pro­zent ehren­amt­lich, ich gebe sogar noch etwas finan­zi­elle Unter­stüt­zung aus meiner Selbst­stän­dig­keit dazu. Keiner von uns Ver­ant­wort­li­chen ver­dient damit Geld. Mein bester Kumpel Tammo Renken hatte die Idee der Neu­grün­dung schon 2009. Wir beide haben das ange­packt und meh­rere Unter­stützer dazu­ge­wonnen, die gesagt haben: Wenn ihr das macht, dann gebe ich ein paar Euro oder helfe euch ehren­amt­lich.“ Wir haben viele kleine Beträge auf­ge­trieben durch ein­zelne Gönner. Heute sind es knapp achtzig klei­nere Spon­soren, die uns unter­stützen, dar­unter viele Hand­werks­firmen.

Aber keinen großen Sponsor?
Einen etwas grö­ßeren Haupt­sponsor haben wir. Aber keinen Riesen, der Beträge im sechs­stel­ligen Bereich zur Ver­fü­gung stellt. Den gibt es in Del­men­horst auch gar nicht. Von der Stadt Del­men­horst würden wir uns manchmal etwas mehr Unter­stüt­zung wün­schen. Aber vor dem Hin­ter­grund, dass der Verein schon einmal pleite war, müssen wir denen zunächst natür­lich Nach­hal­tig­keit beweisen. Del­men­horst ist eine sozial schwache Stadt zwi­schen Bremen und Olden­burg, die nicht den besten Ruf hat. Aber durch uns, durch den Fuß­ball, sind in den letzten Jahren auch viele posi­tive Schlag­zeilen über die Stadt dazu­ge­kommen.

Stimmt es, dass es beim Neu­an­fang Per­so­nal­mangel gab?
Ja, das stimmt. Man braucht für eine Ver­eins­grün­dung sieben Per­sonen. Die hatten wir auch zusammen, aber wir hatten keinen Pro­to­koll­führer. Bei uns in der Ver­eins­kneipe saß gerade jemand am Tresen. Und dem haben wir gesagt: Sieh zu, dass du hier­her­kommst, du musst Pro­to­koll schreiben!“ (lacht)

Seit der Neu­grün­dung ist Atlas viermal auf­ge­stiegen und spielt jetzt die dritte Ober­li­ga­saison. Eine rasante Ent­wick­lung.
Man kann das gar nicht so wirk­lich begreifen, was wir in sieben Jahren geschafft haben. Selbst beim Auf­stiegs­spiel zur Kreis­liga hatten wir 2.000 Zuschauer im Sta­dion. Wir hätten nicht gedacht, dass wir so schnell in die Ober­liga auf­steigen, geschweige denn, den Nie­der­sach­sen­pokal gewinnen. Ich glaube, wir haben jetzt auch den Letzten davon über­zeugt, dass wir das alles wirk­lich ernst meinen. Und dass wir noch lange nicht satt sind.

Jetzt spielt der Verein sogar um den DFB-Pokal mit. Was bedeutet Ihnen das?
Das ist die Bestä­ti­gung und der Dank für die ganze ehren­amt­liche Arbeit. Ich freue mich, das mit der Mann­schaft und dem ganzen Verein genießen zu können. Aber wenn es so kommt, wie alle erwarten, und Werder locker durch­mar­schiert, steht für uns bald schon wieder der Ober­liga-Alltag an.

Glauben Sie denn, dass es so kommen wird?
Mein großer Wunsch ist es, dass wir ein Tor schießen. Dafür müssen wir alles geben, auch von den Rängen. Der Rest liegt an Werder. Und wenn die es nicht schaffen, in neunzig Minuten ein Tor gegen uns zu machen, gewinnen wir.