3. Liga, Stutt­gart, Deutsch­land: Waldau-Sta­dion, 2. August 2008, 5870 Zuschauer

Die neu for­mierte 3. Liga beschreitet einen schmalen Grat zwi­schen durch­pro­fes­sio­na­li­siertem Unter­hal­tungs­be­trieb und fami­liärem Ambi­ente, soweit unter­klas­siger Fuß­ball ein sol­ches noch zulässt. Pate steht der DFB mit seinem Anfor­de­rungs­ka­talog, der in der Praxis bereits erste Aus­wir­kungen zeigt. Beim ersten Heim­spiel in Stutt­gart ver­missten einige ihren ange­stammten Platz: Die gut 30 Jahre alten Holz­bänke auf der Haupt­tri­büne mussten in der Som­mer­pause blauen Scha­len­sitzen wei­chen. Die Video­über­wa­chungs­an­lage war ein­satz­be­reit, die Arrest­zellen dagegen – Über­gangs­lö­sung für die vor­ge­schrie­bene Poli­zei­wache – waren zwar von der Stadt bestellt worden, aber nicht recht­zeitig auf der Waldau auf­ge­taucht. Der Grund: ein Lie­fer­eng­pass des öster­rei­chi­schen Her­stel­lers. So wäre die Partie zur Über­ra­schung man­cher Experten (Gäs­te­trainer Nor­bert Meier: »Ich hätte nie gedacht, dass wegen feh­lender Arrest­zellen ein Spiel ver­legt werden muss.«) fast zum Aus­wärts­spiel für beide Teams geworden. Statt­dessen wurden unter Hoch­druck Ersatz­con­tainer umge­baut, so dass die Spiel­erlaubnis schließ­lich doch noch erteilt werden konnte. Womit das »Hor­ror­sze­nario« (Kickers-Manager Cast) einer Spiel­ver­le­gung in die Arena auf der anderen Neckar­seite letzt­lich ver­hin­dert wurde.



Die Con­tainer dienten als Polizei-Ein­satz­leit­stelle, etwaige Gewalt­täter wären direkt in umlie­gende Reviere abtrans­por­tiert worden – von beson­deren Vor­komm­nissen jedoch keine Spur. So freuten sich die Stutt­garter auf ein Duell zweier Tra­di­ti­ons­mann­schaften, wäh­rend die Gäs­te­kurve die Spiel­un­ter­bre­chungen auf­grund am Boden lie­gender Kickers-Spieler nutzte (»Hühner, Schweine, Süd­ver­eine«), immerhin aber dem Besuch eines Old-School-Sta­dions etwas abge­winnen konnte. Der Heim­vor­teil hielt sich auf­grund der stimm­ge­wal­tigen Über­le­gen­heit der über 1000 Mit­ge­reisten in über­schau­baren Grenzen. Die beiden Teams suchten infolge ihrer jewei­ligen Nie­der­lagen im ersten Spiel nach Ori­en­tie­rung auch in sport­li­cher Hin­sicht. Dem druck­vollen Beginn der Gast­geber setzten die For­tunen mit Erfolg ihre rei­fere Spiel­an­lage, Schnel­lig­keit und Kopf­ball­stärke ent­gegen und erzielten nach Kon­fu­sionen in der Stutt­garter Hin­ter­mann­schaft durch Lawarée und Sahin die Treffer zum ver­dienten Aus­wärts­sieg, der vom Anhang auf den Hin­ter­tor­zäunen auch gebüh­rend gefeiert wurde.

Den Kickers-Ver­ant­wort­li­chen standen hin­terher die Sor­gen­falten auf der Stirn, und das nicht allein aus sport­li­chen Gründen. Der eigent­liche Sta­di­on­umbau steht in Deger­loch noch bevor, wenn die Haupt­tri­büne im Winter auf die gefor­derten 2000 Sitz­plätze auf­ge­rüstet werden soll. Im ungüns­tigsten Fall hat das einen über­gangs­weisen Umzug für die kom­plette Rück­runde zur Folge, und zwar in besagte Spiel­stätte des unge­liebten Nach­barn, in der sich sei­ner­zeit auch beide Bun­des­li­ga­ab­stiege der Blauen voll­zogen – auf­grund man­gelnder Spiel­ge­neh­mi­gung des Kickers-Platzes für die höchste Spiel­klasse. Und so besangen einige Fans bis kurz vor Son­nen­un­ter­gang die Arena, in die sie nicht aus­wei­chen wollen. Auch das ist die 3. Liga