Die Hoff­nung stirbt zuletzt? Wahr­schein­lich starb sie für Zhou Erli, als auch seiner Tochter nie­mand mehr helfen konnte. 2014 waren der Farmer aus der Inneren Mon­golei und das vier­jäh­rige Kind in ein Kin­der­kran­ken­haus von Peking gelangt. Zhou Yang klagte über Schmerzen im Ver­dau­ungs­trakt. Die Dia­gnose: Krebs. Doch die not­wen­dige Che­mo­the­rapie blieb ohne Erfolg. Und so lernte ihr Vater einen Ver­treter der Quan­jian Group kennen.

Weit­rei­chende Ver­bin­dung

Der Name der Quan­jian Group dürfte auch auf den ersten Gehalts­ab­rech­nungen von Anthony Modeste gestanden haben. Schließ­lich gehörte dem Phar­ma­un­ter­nehmen bis vor kurzem der chi­ne­si­sche Fuß­ball­klub Tianjin Quan­jian. Dorthin hatte es Kölns Stürmer Modeste vor ein­ein­halb Jahren für eine Fabel­summe von etwa 30 Mil­lionen Euro gezogen. Nun ist der Stürmer zurück im Rhein­land. Weil Tianjin Quan­jian seine Gehälter über Monate nicht aus­be­zahlt haben soll, sahen sich Modeste und seine Berater im Recht, und wech­selten zurück zum Geiß­bock­heim.

Fei­er­lich stellten im November die Ver­eins­ver­ant­wort­li­chen den ver­lo­renen Sohn seinen Fans vor, spra­chen von einem Fünf­jah­res­ver­trag, warnten aber auch, dass der Wechsel noch gar nicht durch“ sei. Denn ob der eigen­hän­dige Wechsel juris­tisch ein­wand­frei wäre, müsse sich noch her­aus­stellen. Aber viel­leicht würden die Chi­nesen ja gar keine Ansprüche stellen. Schließ­lich hatte doch Ex-Bun­des­kanz­ler­kan­didat Martin Schulz per­sön­lich mit dem chi­ne­si­schen Besitzer gespro­chen und ihn davon über­zeugt, dass Modeste in Köln besser auf­ge­hoben ist als in China“. Doch die Lage ist spä­testen seit Jah­res­wechsel wesent­lich kom­pli­zierter geworden.

18 Fest­nahmen

Denn in den ver­gan­genen Tagen schnappten in Tianjin 18 Mal die Hand­schellen zu. Die Polizei nahm nicht nur Klub­be­sitzer und Unter­neh­mens­chef Shu Yuhui fest, son­dern auch eine Reihe seiner Top-Manager.

Alles hatte an Weih­nachten begonnen, als zwei Reporter aus Peking die Geschichte von Zhou Erli ver­öf­fent­lichten. Jenem mon­go­li­schen Farmer, dessen Tochter scheinbar unheilbar krank im Kin­der­kran­ken­haus der Haupt­stadt lag. Und die Reporter erzählten davon, wie Zhou an die Medi­ka­mente der Quan­jian Group geriet. Jenem Unter­nehmen, das sein Geld unter anderem durch den Ver­kauf tra­di­tio­neller chi­ne­si­scher Medizin ver­dient. Dessen Reichtum aber auf dem Ver­kauf von non-ioni­schen Damen­binden und Mas­sage-Ein­le­ge­sohlen beruht. Ein Unter­nehmen, das mitt­ler­weile auch frag­wür­dige Feu­er­the­ra­pien zur bes­seren Durch­blu­tung durch­führt, wir­kungs­lose Gesund­heits­li­köre ver­kauft und eben einen Fuß­ball­klub in der ersten chi­ne­si­schen Liga besitzt.

Win­diges Geschäfts­mo­dell

Und trotzdem kaufte Zhou Erli in seiner Not für umge­rechnet 650 Euro ein Krebs­me­di­ka­ment der Quan­jian Group, holte seine Tochter zurück nach Hause – und hoffte. Wenige Monate später starb seine Tochter an den Meta­stasen, die sich überall im Körper aus­ge­breitet hatten. Die Medi­ka­mente, ein Pulver, das Erli mit Wasser ver­dünnen sollte, waren wir­kungslos geblieben. Das Pro­blem: Die Quan­jian Group soll trotzdem mit der Hei­lung des Kindes geworben haben, der Vater klagte, und die chi­ne­si­sche Justiz ermit­telte. Kurz darauf fand sie neben wir­kungs­losen Medi­ka­menten auch ein in China ver­bo­tenes Struk­tur­ver­triebs­netz­werk – und schon klickten die Hand­schellen in Tianjin.

Das Pro­blem für den 1. FC Köln: Der Ex-Klub von Anthony Modeste steht seit dieser Woche unter staat­li­cher Füh­rung. Angeb­lich soll ein neuer Investor gefunden werden, um den Verein nicht auf­lösen zu müssen und das Ansehen der 1. Liga zu wahren in einem Land, in dem sich alles um das gewahrte Ansehen dreht. Einen neuen Namen hat das Team bereits. Und so muss der 1. FC Köln nun abwarten, ob sich die neue Füh­rung von Tianjin Tianhai für Anthony Modeste inter­es­siert – oder vor­erst ganz andere Pro­bleme hat.

Muss Köln vor den CAS?

In der Zwi­schen­zeit sam­meln sie im Rhein­land Unter­lagen, um nöti­gen­falls vor dem Sport­ge­richtshof CAS zu bestehen und auch nach dem 31. Januar, dem Ende der Mel­dungs­frist, eine Lösung für Modeste finden zu können. Es steht zu befürchten, dass sich der Wechsel des Fran­zosen für die Kölner noch zu einer bit­teren Pille ent­wi­ckelt.