War­nung: Legen Sie bitte schon mal Ihren Finger auf die Tas­tatur. Am besten gleich alle zehn. Denn dann können Sie schneller das Wort Voll­idiot“ schreiben. Oder Polemik“. Oder Rie­sen­quatsch“. Oder meinen ganz per­sön­li­chen Lieb­lings­vor­wurf in der nach unten offenen Auf­re­ger­skala: Das ist Bild­ni­veau“. Denn jetzt kommt eine Mei­nung – und die sind heut­zu­tage im Fuß­ball nicht immer gerne gesehen. 

Rudi hält den Fuß­ball am Leben

Fragen Sie mal Rudi Völler, der sich am Wochen­ende kri­tisch über das vor­zei­tige und selbst­ge­wählte Kar­rie­re­ende von Ex-HSV-Profi Mar­cell Jansen geäu­ßert hat. Wer wie Jansen im Alter von 29 Jahren ohne erkenn­baren Grund seine Kar­riere beende, der könne den Fuß­ball nie geliebt haben, sagte Völler in die Kameras des Aktu­ellen Sport­studio“. Man kann von dieser Aus­sage halten, was man möchte. Wahr­schein­lich ist sie sogar hane­bü­chen, denn Mar­cell Jansen hatte sehr wohl seine ganz per­sön­li­chen Gründe, sich im Leben neuen Auf­gaben zuzu­wenden (keinen Ver­trag, keine Lust mehr auf das Fuß­ball­ge­schäft, neue Pläne). Und doch ist Völ­lers Aus­sage wichtig: Denn sie bewirkte, dass nun eifrig dis­ku­tiert wird. Über die Kom­mer­zia­li­sie­rung, das dre­ckige Geschäft und die Liebe zum Fuß­ball über­haupt. Man müsste Rudi Völler dafür um den Hals fallen, denn er hält den Fuß­ball mit am Leben. 

Wäh­rend sich offenbar alle anderen Liga­prot­ago­nisten zu dem Thema weg­ge­duckt haben, hat Völler das gesagt, was er denkt. Er wird gewusst haben, dass sich im Anschluss daran keine Schul­ter­klopfer vor seinem Büro auf­reihen werden. Ganz im Gegen­teil. Regel­mäßig kas­siert der Ex-Welt­klas­se­stürmer für seine Ver­bal­vor­stöße mediale Prügel. Dabei geht es oft nicht mehr um den Inhalt, son­dern um den Vor­wurf, dass Völler sich zu oft zu allem mög­li­chen vor ein Mikro stellt und los­redet. Aber warum eigent­lich?

Wollen wir Sätze aus der Phra­sen­stanze?

Denn Völ­lers Äuße­rungen sind im Kern doch genau das, was wir alle uns eigent­lich von Spie­lern, Trai­nern und Mana­gern wün­schen. Eine eigene Mei­nung. Und eben nicht nicht das zu sagen, was einem der Pressesprecher/​Berater/​Werbepartner oder der all­ge­meine Tenor geraten hätte. Sie sind der Farb­klecks auf der Rau­fa­ser­ta­pete namens Bun­des­liga.

Es ist schi­zo­phren, denn einer­seits wün­schen wir uns alle, dass die Liga­prot­ago­nisten sich benehmen wie nor­male Men­schen. Also auch Fehler machen, Schwach­sinn reden und sich manchmal daneben benehmen. Aber das ganze Tohu­wa­bohu, das nun nach Aus­sagen wie der von Völler auf­kommt, führt leider eher dazu, dass die Prot­ago­nisten des Fuß­balls nur noch Sätze aus der Phra­sen­stanze daher­plap­pern, jedes Gespräch zum Field-Inter­view wird und wir irgend­wann ein­schlafen. 

Des­wegen sollte man Rudi Völler ermu­tigen, nie­mals auf­zu­hören, seine Gedanken in die Kameras der Welt zu sagen. Und man sollte allen Fuß­bal­lern zurufen, es ihm gleich­zutun. Weil ihre Mei­nungen wichtig sind für eine offene Dis­kus­sion über Inhalte. Und nicht über Per­sonen. Denn sonst spre­chen wir irgend­wann nur noch über die schlei­chende His­pa­ni­sie­rung des FC Bayern durch Pep Guar­diola. Und das wäre dann nun wirk­lich Polemik. Oder sogar Bild­ni­veau.