Irgendwas liegt beim eng­li­schen Dritt­li­gisten Preston North End mächtig im Argen. Am ver­gan­genen Wochen­ende kam heraus, dass acht Spieler den Verein bis zum Sai­son­be­ginn zu ver­lassen haben. Sie wurden nicht im Vier-Augen-Gespräch dar­über infor­miert, son­dern mit fol­gender SMS dazu auf­ge­for­dert: Junge, du bist einer von acht Spie­lern, von denen ich erwarte, dass sie bis Sai­son­be­ginn den Klub ver­lassen haben. Ihr nehmt bis dahin an einer spe­zi­ellen Sai­son­vor­be­rei­tung teil, seid aber vom Trai­ning der ersten Mann­schaft aus­ge­schlossen. Nähere Infor­ma­tionen schicke ich zu. Du kannst dich ab nun jeder­zeit mit mög­li­chen neuen Arbeit­ge­bern treffen. Ich will davor aber bitte über solche Treffen infor­miert werden. Betrete nicht das Trai­nings­ge­lände des Klubs und reise nicht ins Aus­land. Es kann sein, dass du am glei­chen Tag noch zu einem Transfer-Gespräch berufen wirst. Bis dahin halte dich bitte an den Vor­be­rei­tungs­plan, der dir aus­ge­hän­digt wurde. GW“ GW soll die SMS irgend­wann Frei­tag­nacht geschrieben haben. GW steht für Graham Westley. GW ist Trainer von Preston North End und ein außer­or­dent­lich harter Hund, heißt es. Schon Ende der ver­gan­genen Saison hatte er 14 Spieler ent­lassen und sieben wei­tere auf die Trans­fer­liste gesetzt. Wer daran zwei­felt, dass Preston North End bei dieser Ent­las­sungs­flut noch elf Spieler im Kader hat, sollte wissen: GW kauft auch gerne ein. Angeb­lich hat er zwi­schen­zeit­lich zwölf neue Spieler ver­pflichtet. Bezüg­lich der SMS-Ent­las­sung machen sich die Blogger vor­nehm­lich über GWs Abkür­zungen lustig. Im eng­li­schen Ori­ginal ver­wendet GW für die Worte before you“ etwa die Abkür­zung b4 u“. Und, nun ja, wer b4 u“ schreibt, schreibt viel­leicht auch ROFL“ – und ziem­lich sicher LOL“. Die eng­li­sche Presse indes inter­es­siert der U17-Sprech nicht, sie echauf­fiert sich viel­mehr über die Art und Weise der Ent­las­sung. Nun darf man sich ein wenig über die Hys­terie wun­dern, denn der Fuß­ball im All­ge­meinen und die Insel im Spe­zi­ellen kennt solch gro­teske Ent­las­sungs­sze­na­rien zu genüge. Erin­nern wir uns nur an Martin Jol, zwi­schen 2004 und 2007 Trainer bei Tot­tenham Hot­spur. Dem Nie­der­länder wurde im Oktober 2007 wäh­rend des Uefa-Cup-Spiels gegen den FC Getafe gekün­digt. Inter­es­sante Fuß­note: Jol wurde erst nach der Partie offi­ziell dar­über in Kenntnis gesetzt, obwohl sich bereits im Laufe der zweiten Halb­zeit das Gerücht über seine Kün­di­gung im Sta­dion ver­breitet hatte. Der Guar­dian“ berich­tete aller­dings später, dass Jol schon wäh­rend des Spiels davon Wind bekam, weil er auf dem Handy des Ersatz­spie­lers die Mel­dung über seine Kün­di­gung erspähte. Demü­ti­gung für Fort­ge­schrit­tene. Nach dem Spiel tobte Jol ver­ständ­li­cher­weise durch das Büro des Vor­standes. Dieser hatte keine wirk­lich guten Argu­mente, er hatte sich schließ­lich in den Monaten zuvor meh­rere Fehl­tritte geleistet. Der Klub hatte etwa im August mit Trainer Juande Ramos ver­han­delt. Dum­mer­weise wurden die Vor­stands­herren dabei beob­achtet. Doch auch in anderen Län­dern ist der Fuß­ball erbar­mungslos und unper­sön­lich. In Ita­lien ereilte Trainer Daniele Carassai vom ita­lie­ni­schen Dritt­li­gisten Pia­cenza Calcio im Februar 2003 seine Ent­las­sung eben­falls per SMS. Caras­sais Ver­wun­de­rung war beson­ders groß, schließ­lich war er erst zwei Wochen zuvor ein­ge­stellt worden. Pia­cenzas Prä­si­dent sah aller­dings keinen Grund, sich für diese Art der Kün­di­gung zu ent­schul­digen. Im Gegen­teil. Wenig später sagte er: Ich dachte, dies sei eine beson­ders freund­liche Art, ihm seine Ent­las­sung mit­zu­teilen.“ Auch im Büro­kratie-Vor­zei­ge­land Deutsch­land läuft nicht immer alles so, wie sich die Form­blatt-Erfinder das einst vor­ge­stellt haben. Erken­schwicks Trainer Stefan Blank erhielt etwa seine Kün­di­gung im Mai 2011 per E‑Mail. Über­flüssig, könnte man meinen, schließ­lich wollte er zum Sai­son­ende eh kün­digen. Betroffen machen auch Erin­ne­rungen an die Ent­las­sungen von Arie van Lent oder Toni Schu­ma­cher. Über die Ent­las­sung des Nie­der­län­ders wurde einst zehn Minuten vor Ende einer Partie beraten, in der 82. Minute wurde der Manager infor­miert, in der 90. Minute schließ­lich Arie van Lent. Schu­ma­cher indes wurde als Trainer von For­tuna Köln schon in der Halb­zeit geschasst. Geld­geber Jean Löring tauchte bei einem Spiel gegen Waldhof Mann­heim (Halb­zeit­stand 0:2) wütend in der Kabine auf und schnaubte: Raus hier! Du hast hier nichts mehr zu sagen.“ Später recht­fer­tigte sich Löring: Ich als Verein musste doch reagieren.“ Und auch bei Fried­helm Funkel fand die Kün­di­gung gar nicht ordent­lich statt: Der Trainer erfuhr im April 2012 von seiner Kün­di­gung bei Ale­mannia Aachen per Telefon. Wir mussten etwas unter­nehmen. Die Ten­denz der letzten Spiele war ein­fach zu negativ“, sagte Aachens Sport­di­rektor Erik Meijer damals. Funkel empörte sich: Es ist stillos, dass es am Telefon geschieht. Ich kenne das hier so nicht.“ Denn eigent­lich ist das eine Sache, die Deut­sche bis dahin nur aus der Ferne kannten. Aus Afrika oder Asien zum Bei­spiel. Win­fried Schäfer bekam seine Frei­stel­lung als kame­ru­ni­scher Natio­nal­trainer einst zuge­faxt. Michael Feich­ten­beiner erhielt beim malai­ischen Haupt­stadt­klub Sel­angor MPPJ seine Ent­las­sung per SMS. Das Absurde: Er hatte den Verein zunächst vor dem Abstieg gerettet und danach an die Tabel­len­spitze der natio­nalen Liga geführt. Das Manage­ment von Sel­angor teilte ihm aller­dings mit, dass man eine Taktik-Umstel­lung beschlossen habe und Feich­ten­beiner nicht zutraue, diese dem Team zu ver­mit­teln. Fuß­ball, du rie­siger Schlund, du großes Hai­fisch­be­cken, du gie­rige Bestie. Doch natür­lich geht es immer weiter. Selbst bei Preston North End. Der erste der acht SMS-Opfer hat sogar schon einen neuen Verein gefunden: Paul Parry ‎wurde von Shrews­bury Town ver­pflichtet. Ein anderer, Richard Wright, ehe­mals Natio­nal­tor­wart Eng­lands, hatte indes schon wenige Tage vor GWs Rund­um­schlag reagiert. Er kün­digte seinen Ein­jah­res­ver­trag bereits eine Woche nach der Unter­zeich­nung. Als Grund gab er Heimweh an.