Andreas Karow, 1977 stießen Sie aus der eigenen Jugend in den Pro­fi­kader des Ham­burger SV. Eine Mann­schaft, der recht raue Sitten nach­ge­sagt wurden. War es wirk­lich so schlimm?
Mehmet Scholl hat mal über seine ersten Jahre beim FC Bayern gesagt: Es galt das Gesetz des Dschun­gels.“ So war es auch bei mir. Ich kam zwar aus der eigenen Jugend, weil ich aber dank einer Son­der­re­ge­lung nebenbei mein Abitur beenden durfte, hatte ich keine Zeit, an den übli­chen Frei­zeit­ak­ti­vi­täten der ersten Mann­schaft teil­zu­nehmen. Das ließen mich die eta­blierten Spieler spüren.

Inwie­fern?
Ein Spieler – ich werde seinen Namen hier nicht nennen – trat mir einmal brutal von hinten in die Beine, ohne, dass der Ball auch nur in der Nähe gewesen wäre. Ich fiel wochen­lang ver­letzt aus.

Wurde der Spieler dafür zur Rechen­schaft gezogen?
Indi­rekt schon. Als ich wieder fit war, holte mich Trainer Branko Zebec in sein Büro. Andreas“, fragte er mich, bist du Klos­ter­schüler?“ Nein, Trainer“, ant­wor­tete ich. Dann wo ist deine Reak­tion?“, fragte er mich. Von da an wusste ich, wie ich mich im Dschungel zu ver­halten hatte.

Und zwar?
Eine exem­pla­ri­sche Szene: Wenige Wochen später stehen wir nach dem Trai­ning unter der Dusche, als Horst Hru­besch zu unserem Kapitän Peter Nogly sagt: Du blu­test ja am Bein! Wer war das denn?“ Und Nogly: Der Karow.“ Ich lernte also auf die harte Tour.

War es also tat­säch­lich so ein Hauen und Ste­chen?
Grund­sätz­lich gilt meiner Erfah­rung nach: in die 1. Bun­des­liga kommen nur Indi­vi­dua­listen. Damit will ich aber nicht sagen, dass ich eine schlimme Zeit hatte. Im Gegen­teil: ich habe wahn­sinnig viel über das Leben gelernt in meinen zwei Spiel­zeiten beim HSV. Sicher­lich kann ich davon heute in meiner Rolle als Straf­ver­tei­diger pro­fi­tieren.

Welche Mit­spieler haben sich im Umgang mit dem jungen Rookie positiv her­vor­getan?
Da muss ich Caspar Meme­ring nennen. In meinem aller­ersten Spiel als Profi, gegen Borussia Dort­mund 1977/78, pro­du­zierte ich gemeinsam mit Tor­wart Rudi Kargus einen Fehler, Willi Lip­pens nutzte das geschickt aus, ging im Straf­raum zu Boden und Lothar Huber schenkte uns nach 19 Minuten einen Elf­meter ein. Und das im West­fa­len­sta­dion. Ich war natür­lich am Boden zer­stört. Caspar kam zu mir, nahm mich kurz in den Arm und sagte: Alles gut, mein Junge!“ Da ging es mir schon wieder besser.

Der HSV war zu dieser Zeit durch­setzt von starken Füh­rungs­per­sön­lich­keiten. Ange­fangen beim Manager.
Günter Netzer. Der hat in all der Zeit eigent­lich nicht wirk­lich mit mir gespro­chen, machte dafür aber Bekannt­schaft mit meiner Mutter.