Tony Adams, sind Sie über­rascht, dass Eng­land ins Vier­tel­fi­nale ein­ge­zogen ist?
Einer­seits hätte ich das vorab nicht gedacht. Rooney war gesperrt, Lam­pard fiel aus. Und die Stim­mung unter den Ver­blie­benen war mies. Es gab viele Grüpp­chen, Chelsea hier, Arsenal da. Hinzu kamen die Vor­würfe gegen Terry, der in einem Liga­spiel Anton Fer­di­nand ras­sis­tisch belei­digt haben soll. Mit sol­chen Vor­ge­schichten kann man eigent­lich nicht erfolg­reich spielen.

Natio­nal­trainer Roy Hodgson nahm Terry trotzdem mit, ließ aber Anton Fer­di­nands Bruder Rio zu Hause.
Sicher, man kann ihm man­gelndes Fin­ger­spit­zen­ge­fühl vor­werfen. Aber man kann ihn auch als einen Trainer alter Schule sehen. Er ent­scheidet unter rein sport­li­chen Gesichts­punkten.

Warum sind Sie ande­rer­seits nun doch nicht über­rascht vom Vier­tel­fi­nal­einzug?
Eng­land ist oft mit großen Ambi­tionen in ein Tur­nier gegangen. Ich erin­nere mich noch an die EM 1996 im eigenen Land. Wir waren uns sicher, dass wir 30 Jahre nach dem Gewinn der WM wieder ganz oben stehen würden. Dann kam das Halb­fi­nale, das Elf­me­ter­schießen – und wie mein Kol­lege Gary Lineker mal so schön sagte: Am Ende gewinnen immer die Deut­schen.

Und diesmal wird es anders kommen?
Kann gut sein, dass es wieder so kommt. Die Deut­schen sind bis­lang die stärksten bei dieser EM. Zu Eng­land: Die Erwar­tungen waren nie geringer. Aber das bedeutet auch weniger Druck. Bei uns heißt es: Nied­rige Erwar­tungen sind eine Form des Glücks.

Sie können auch gleich­gültig machen.

Da kennen Sie Roy Hodgson schlecht. Er hat seinen Spie­lern ein­ge­bläut, dass sie sich rein­hängen sollen bis an die Schmerz­grenze. Er gehört, wie gesagt, zur alten Schule und fasst den Fuß­ball immer noch so auf, wie er in Eng­land vor 20, 30 Jahren war: sehr phy­sisch, sehr ein­satz­freudig, sehr kampf­be­tont.

Genau Ihr Stil!
Natür­lich mag ich das. Aber ich weiß nicht, ob es reicht.

Wie läuft es heute gegen Ita­lien?

Die Ita­liener spielen zwar nicht so kon­se­quent wie die Deut­schen oder die Spa­nier. Aber sie sind wahr­schein­lich die mental stärkste Mann­schaft im gesamten Teil­neh­mer­feld. Buffon, De Rossi, Pirlo – die sind Welt­meister, die kennen keine Angst. Ein Rie­sen­vor­teil.

Wovor haben die Eng­länder denn Angst?

Drei Mal dürfen Sie raten.

Vor einem Elf­me­ter­schießen?
Der Kan­didat hat 100 Punkte!