René Müller, Ihre Bio­gra­phie trägt den Namen Ins linke obere Eck“. Deute ich den Titel richtig, wenn ich annehme, dass das Spiel gegen Bor­deaux das Spiel ihres Lebens war?

René Müller: Das kann man schon so deuten. Das war natür­lich ein ein­ma­liger Höhe­punkt. Es war für viele Men­schen ein High­light, da sich im Zen­tral­sta­dion viele Zuschauer aus der ganzen DDR ver­sam­melt hatten und wenn man dann das Glück hat, den Schluss­punkt dieses Spiel zu setzen, ist das natür­lich etwas Außer­ge­wöhn­li­ches.



Wie oft denken Sie denn noch an dieses Spiel?

René Müller: Kaum. Wenn ich darauf ange­spro­chen werde, dann schon. Aber das Leben geht ja weiter, und man muss jeden Tag ver­su­chen, das linke obere Eck zu treffen. Das gelingt nicht immer, es kann auch mal der Pfosten, die Latte oder ein Tor­wart dazwi­schen stehen.

Also ein sehr dop­pel­deu­tiger Titel. Trotzdem bezieht er sich in erster Linie auf den ent­schei­denden Elf­meter gegen Bor­deaux?

René Müller: Ja, ich habe dar­über lange mit dem Ver­leger gespro­chen, und wir haben uns dann auf diesen Titel geei­nigt, weil er ein­fach am besten gepasst hat.

Sie traten in dieser Zeit oft gegen fran­zö­si­sche Teams an.

René Müller: Mit Frank­reich ver­band mich eine lange Liebe. So ab 1984 habe ich sehr oft gegen fran­zö­si­sche Teams gespielt, sei es mit Lok oder der Natio­nal­mann­schaft. Im Euro­pa­pokal hatten wir ein paar Jahre vorher schon einmal gegen Bor­deaux gespielt und sie aus dem Wett­be­werb geworfen. Wir hatten 3:2 in Bor­deaux gewonnen, zu Hause dann sogar 4:0. Sie haben uns total unter­schätzt, obwohl sie damals eine sen­sa­tio­nelle Mann­schaft waren und einen großen Teil der Euro­pa­meis­ter­mann­schaft stellten. Des­wegen war das Duell von 1987 ein ganz anderes Auf­ein­an­der­treffen. Das Sta­dion in Bor­deaux war inzwi­schen zu einem reinen Fuß­ball­sta­dion umge­baut. Dass wir dann trotzdem dort gewonnen haben, noch nicht einmal unver­dient, hat natür­lich für eine gute Stim­mung gesorgt.

Waren Sie denn so etwas wie der Angst­gegner von Bor­deaux?

René Müller: Deut­sche Mann­schaften waren nie ange­nehm für die Fran­zosen. Wenn man die Geschichte bemüht, zeigt sich, dass sie in Leipzig schon immer den Hin­tern voll bekommen haben. Nicht umsonst steht in Leipzig das Völ­ker­schlacht­denkmal (lacht).

Hat sich die Mann­schaft in den Liga­spielen zwi­schen Hin- und Rück­spiel bewusst geschont?

René Müller: Nein. Wir hatten ja eine ganz ver­wor­rene Vor­be­rei­tung, mit vielen Ver­letzten. Dazu war der Winter sehr unan­ge­nehm, von Januar bis März lag Schnee. Rasen­hei­zungen gab es noch nicht. Wir hatten rie­sige Ver­let­zungs­pro­bleme infolge des langen Win­ters. Die Kader waren nicht so groß wie heute, wir hatten keine 24 Spieler, son­dern mussten mit 15, 16 Spie­lern aus­kommen. Des­wegen haben wir nichts schleifen lassen können. Wir wollten in dieser Saison Meister werden, sind aber knapp geschei­tert. Dafür sind wir Pokal­sieger geworden und haben das Euro­pa­po­kal­end­spiel erreicht.

Konnten Sie danach noch ent­spannt durch Leipzig laufen – oder waren Sie vor Schul­ter­klop­fern nicht mehr sicher?

René Müller: Wir Natio­nal­spieler mussten schon am nächsten Tag um 12 Uhr in der Sport­schule Kien­baum sein, wo sich die Aus­wahl auf das Län­der­spiel gegen die Sowjet­union in Kiew vor­be­rei­tete, obwohl das Spiel erst den Mitt­woch darauf statt­fand. Man hat es uns also nicht gegönnt, mal zwei Tage durch­zu­atmen. Statt­dessen mussten wir mor­gens den Bus besteigen und zur Sport­schule fahren.

Die Feier fiel also flach?

René Müller: Nein, die Feier fiel nicht flach. Wir haben bis 7 Uhr durch­ge­macht. Das haben wir uns ein­fach gegönnt und sind dann ohne Schlaf in den Bus gestiegen. Bernd Stange (Anm.: Natio­nal­trainer der DDR) war dann klug genug, uns in den Wald zu schi­cken, dort sind wir dann spa­zieren gegangen. Aber auf die Idee, uns direkt am nächsten Tag antreten zu lassen, würde nie ein Trainer kommen. So etwas konnte nur eine Sport­füh­rung machen, die mit Fuß­ball nichts am Hut hatte. Eigent­lich lässt man so eine Feier zwei Tage wei­ter­gehen und trifft sich ent­spre­chend später. Dann wäre immer noch genü­gend Zeit gewesen, sich auf das Län­der­spiel vor­zu­be­reiten, aber viele haben es ein­fach ver­standen, uns den Spaß zu ver­derben.

Wie wurden die Lok-Spieler im Kreise der Natio­nal­mann­schaft emp­fangen?

René Müller: Sie müssen wissen, dass die Spieler nicht wie heute in noblen Hotels unter­ge­bracht sind, son­dern in Sport­schulen, zusammen mit anderen Sport­lern wie den Leicht­ath­leten oder den Tur­nern. Spar­ta­ni­sche Zimmer ohne Fern­seher. Man hat sich da abends auf sein Zimmer zurück­ge­zogen und geplau­dert.

Und was haben die Spieler aus Berlin oder Dresden zu Ihnen gesagt?

René Müller: Ob es ehr­lich war oder nicht, weiß man ja nie, aber ich glaube schon, dass viele Spieler uns das gegönnt haben. Andere Spieler haben das wie­derum nicht, aber das ist ja heute auch noch so. Aber das Schlimme war für mich, dass wir direkt am Tag nach dem Bor­deaux-Spiel zur Natio­nal­mann­schaft mussten und dort abends schon wieder Sit­zung hatten. Das war alles ner­vend. Wir hatten keine Gele­gen­heit, Abstand zu gewinnen und das Erlebte zu ver­ar­beiten. Und wir hatten ja einiges zu ver­ar­beiten: diese rie­sige Kulisse. das Sta­dion war unglaub­lich voll, 110.000 Men­schen. Dazu Ver­län­ge­rung und Elf­me­ter­schießen, das zu ver­ar­beiten dauert natür­lich ein paar Tage, und das will man dann natür­lich am liebsten zu Hause machen.

Sie spra­chen gerade die Zuschau­er­zahl an. Offi­ziell werden 73.000 ange­geben, inof­fi­ziell…

René Müller: …das ist natür­lich schwer zu schätzen. Das Zen­tral­sta­dion hatte offi­ziell 95.000 Sitz­plätze, aber es war kein Gang mehr zu sehen, der Umlauf war voller Men­schen. Eine gigan­ti­sche Kulisse, die ich vor- oder nachher nie wieder erlebt habe. Das ist natür­lich unver­gess­lich. Zu den Punkt­spielen kamen ja meist nur um die 15.000 Besu­cher. Das Zen­tral­sta­dion aber war ein Schmelz­tiegel und hat Besu­cher aus der gesamten DDR ange­zogen. Spiele konnten dort auch schnell kippen, im posi­tiven wie im nega­tiven Sinne. Alle großen Spiele waren dort gut besucht, da waren öfter mal 70.000 bist 90.000 Men­schen im Sta­dion. 

Hat Sie diese beson­dere Kulisse ein­ge­schüch­tert oder moti­viert?

René Müller: Große Kulissen moti­vieren immer. Ich habe ein aus­ver­kauftes Zen­tral­sta­dion schon als Kind erlebt, war dort Ball­junge oder habe Vor­spiele bestritten. Das Sta­dion und die inter­na­tio­nalen Spiele dort haben mich schon als Kind geprägt.

Schon nach wenigen Minuten ging Bor­deaux in Füh­rung und hatte damit die Hin­spiel­nie­der­lage aus­ge­gli­chen. Was ging Ihnen da durch den Kopf?

René Müller: Man ist dann natür­lich kurz nie­der­ge­schlagen, dann hält man aber sofort wieder gegen. Das Spiel war offen, es ging hin und her. Wir hätten das Spiel ja auch schon früher ent­scheiden können. Der Held des Spiels war für mich ja mein Kumpel Uwe Zötz­sche, unser linker Ver­tei­diger. In den Jahr­zehnten, in denen ich mit ihm gespielt habe, hat er viel­leicht einen Elf­meter ver­schossen, und das war wäh­rend dieses Spiels. Er hatte einen Nasen­bein­bruch und hat mit blut­über­strömten Trikot durch­ge­spielt. Vor dem Elf­me­ter­schießen haben wir ihn im Mit­tel­kreis über­redet, als einer der ersten fünf Schützen anzu­treten. Trotz des ver­schos­senen Elf­me­ters im Spiel ist dann ange­treten und hat ihn rein­ge­macht. Das sind Geschichten, die ja min­des­tens genauso schön sind wie meine eigene. Ich hatte halt das Glück, den Schluss­punkt setzen zu dürfen.

Haben Sie im Vor­feld Elf­meter trai­niert?

René Müller: Mehr­mals in der Woche haben Uwe Zötz­sche und ich das nach dem Trai­ning trai­niert. Er war sen­sa­tio­nell vom Punkt, konnte in beide Ecken sicher ver­wan­deln und hat sie sogar rein­ge­macht, wenn wir aus­machten, dass ich mich früher bewege. Dass aus­ge­rechnet er im Spiel ver­schossen hatte, war äußert unglück­lich. Dazu der Nasen­bein­bruch und das blu­tige Trikot – man muss heute noch den Hut davor ziehen, dass er dann zum Elf­me­ter­schießen ange­treten ist.

Haben Sie jemals wieder einen Elf­meter geschossen?

René Müller: Ich habe irgend­wann mal bei einem Freund­schafts­spiel einen Elf­meter ver­schossen. Ansonsten habe ich immer gesagt, dass ich zur Ver­fü­gung stehe, wenn sich Feld­spieler nicht sicher fühlen, denn es sollen sich ja die­je­nigen immer die bereit erklären, die sich sicher fühlen.

Was dachten Sie, als sie zum ent­schei­denden Elf­meter antraten?

René Müller: Nichts Beson­deres. Dass ich den Elf­meter davor gehalten habe und wir damit im Vor­teil waren. Aber eigent­lich sollte man sich vor einem Elf­meter keine Gedanken machen. Das hat ja der letzte Schütze von Bor­deaux getan, der gegen mich ver­schossen hat. Das war an seiner Kör­per­sprache zu erkennen. Ich hab mir dann den Ball hin­ge­legt und ver­sucht, die Ecke zu treffen, die ich wollte.

Kamen danach Ange­bote aus West­eu­ropa?

René Müller: Ich stand ja seit 1983 in Kon­takt mit Willi Lemke, um viel­leicht Dieter Bur­denski in Bremen abzu­lösen, der ja so langsam in die Jahre kam. Der DFV (Anm: Deut­scher Fuß­ball­ver­band) hatte einen sol­chen Wechsel aber nicht zuge­lassen. Einen inof­fi­zi­ellen Wechsel haben weder Lemke noch ich ange­strebt, einer­seits wäre man in diesem Fall ein Jahr gesperrt worden, ande­rer­seits wollte ich mich auch nicht ein­fach so aus dem Staub machen, da ich ein Fami­li­en­mensch bin und Lok auch viel zu ver­danken hatte.

Was waren die Lok Leip­zigs beson­deren Eigen­schaften in den 80ern?

René Müller: Wir waren keine Über­mann­schaft, aber eine sehr geschlos­senen Ein­heit. Der Höhe­punkt mit einer Meis­ter­schaft hat zwar gefehlt, aber dafür gab es andere Gründe. Wir haben von 1980 an mit sieben, acht Leuten kon­stant gespielt, so etwas gibt es ja heute gar nicht mehr. Bayern hatte ab den 60er Jahren eine solch gewach­sene Mann­schaft, Glad­bach und der HSV in ihren großen Zeiten. In der Wen­de­zeit wurde das dann ja zum Kauf-Fuß­ball“, die Mann­schaften sind nicht mehr gewachsen. Unsere Stärke war unser Cha­rakter, unsere gute innere Ein­heit, und des­wegen haben wir all die Jahre so erfolg­reich gespielt. Die Mann­schaft war nicht geprägt von Stars, aber von guten Indi­vi­dua­listen, die als Mann­schaft sehr gut funk­tio­niert haben.

Lok galt als Pokal­mann­schaft. Was zeichnet eine Pokal­mann­schaft aus?

René Müller: Naja, in der Meis­ter­schaft waren wir ja immer vorne dabei, wurden Zweiter und Dritter. Ich möchte über die Zeit auch gar nicht mehr reden. Die zehn Meis­ter­schaften des BFC Dynamo gönne ich den Jungs, die sollen sie sich auch ruhig auf die Brust kleben. Der BFC war eine Klas­se­mann­schaft. Aber in den zehn Jahren waren zwei Teams dabei, die den Titel eigent­lich hätten gewinnen müssen. 1988 haben wir den Titel um acht Tore ver­passt, des­wegen stehen wir nun als Pokal­mann­schaft“ in den Büchern. Wir haben viele Spiele für die Natio­nal­mann­schaft abge­stellt, für die U‑21, die Olym­pia­mann­schaft, so dass in Leipzig nur drei, vier Spieler beim Trai­ning waren. Das machen ja auch heute viele Mann­schaften in den Län­der­spiel­wo­chen durch. 1987 waren wir die ein­zige ver­blie­bene DDR-Mann­schaft im Euro­pa­pokal. Wir hatten den Ver­band gebeten, dass Meis­ter­schaft­stop­spiel gegen den BFC um einen Tag zu ver­schieben, um uns vom Hin­spiel in Bor­deaux besser rege­ne­rieren zu können. Das ist uns nicht gewährt worden. In diesen Wochen hatten wir das Hin­spiel in Bor­deaux, am Samstag darauf das Spiel gegen den BFC, am Mitt­woch das Pokal­spiel gegen Dresden – ein Spiel nach dem anderen. In der Meis­ter­schaft haben wir dann Federn lassen müssen, haben uns dafür für das Pokal­end­spiel qua­li­fi­ziert. In dieser Saison sind wir Vize­meister, Pokal­sieger und Euro­pa­po­kal­fi­na­list geworden. Das letzte Quänt­chen Glück hat beim Finale in Athen dann gefehlt, aber es waren ins­ge­samt tolle Jahre, an die ich gerne zurück­denke. Ich bin froh, ein Teil dieser Mann­schaft gewesen sein zu dürfen.

Mit wel­chen Erwar­tung fuhren Sie nach Athen?

René Müller: Zu siegen. Ajax war eine junge, auf­stre­bende Mann­schaft, aber wir hätten auf jeden Fall gewinnen können. Aller­dings waren wir da schon etwas über den Zenit hinaus. Wir hatten viele ver­letzte Stürmer, z.B. Hans Richter, Dieter Kühn oder Hans-Jörg Leitzke, und die Spieler auch nicht mehr richtig fit bekommen. Des­wegen mussten wir im End­spiel impro­vi­sieren. Was Ajax gut gemacht hat, war ein starkes Fore­che­cking in den ersten 20 Minuten, als sie uns früh gestört haben. Das klappte bis zum Tor und dann hätten wir das Spiel drehen müssen, aber das ist uns dann nicht gelungen.

Wie groß war die Ent­täu­schung?

René Müller: Sehr groß.

Haben Sie noch regel­mä­ßigen Kon­takt mit ehe­ma­ligen Mit­spie­lern?

René Müller: Dann und wann. Ich bin wenig in Leipzig, weil ich viel als Trainer unter­wegs bin. Im Rahmen der Buch­vor­stel­lung kam kürz­lich ein Kreis aus ehe­ma­ligen Lok-Spie­lern zusammen, dar­unter einige Spieler aus der Mann­schaft von 1974, die im UEFA-Cup-Halb­fi­nale stand. Das war ein sehr ange­nehmer Abend, nach der Wende ist das ja ein biss­chen ein­ge­schlafen und aus­ein­an­der­ge­driftet.

Wie wurden Sie als Euro­pa­po­kal­helden der DDR bei Ober­liga-Aus­wärts­spielen emp­fangen?

René Müller: Anderen Ver­einen wird nichts gegönnt und wir sind dort eher beschimpft als gefeiert worden.Die Ver­eine liebten sich unter­ein­ander ja nicht, Fan­freund­schaften, wie sie es sie in der Bundes- liga gab, exis­tierten in der DDR nicht. Es zeigte sich ja auch in den letzten 20 Jahren, wie krass die Ost­ver­eine mit­ein­ander umgehen. Der Hass war und ist groß. Die Ober­liga war sehr krass, mit viel Unruhe und viel Hass.

Welche Prämie gab es denn für das Errei­chen des Finals?

René Müller: (lacht) Über Geld redet man nicht, das bekommt man. Es ist so, dass wir vom Ver­band Forumschecks bekommen haben, mit denen man im Inter­shop ein­kaufen konnte. Bar­geld haben wir nicht bekommen. Wir haben bestimmt auch etwas vom Verein bekommen, aber daran kann ich mich gar nicht mehr genau erin­nern.

Ver­folgen Sie Lok heute noch?

René Müller: Ich ver­folge natür­lich den Leip­ziger Fuß­ball, schließ­lich komme ich von dort. Mein Haus steht in Leipzig, meine Familie lebt dort. Ich habe an beiden Ver­einen Inter­esse. Wenn aber beide Ver­eine in zehn Jahren zweimal insol­vent waren, kann nicht viel richtig gemacht worden sein. Lok ist nun von Fans neu­ge­gründet worden. Da ist in den letzten Jahren eine Menge bewegt worden. Ich hoffe nur, dass sie die Ruhe behalten, den Trainer arbeiten lassen und nicht die glei­chen Fehler machen wie die Genera­tion davor. Sollte Lok jetzt in die Regio­nal­liga schaffen, beginnt der Pro­fi­fuß­ball. Dann müssen sich die Stadt und das Umfeld klar für den Verein aus­spre­chen. Mit 3,50 Mark geht das dann nicht mehr.

Sie trai­nieren jetzt den 1. FC Nürn­berg II. Spre­chen Ihre Spieler Sie manchmal auf die Höhe­punkte Ihrer Kar­riere an?

René Müller: Die waren zum Teil ja noch gar nicht geboren und wenn doch, dann haben sie das DDR-Fern­sehen gar nicht schauen können. Das Fern­sehen der DDR reichte unge­fähr bis 80 km hinter der Grenze. In diesem Gebiet wissen die Leute von den Euro­pa­cup­du­ellen und den Län­der­spielen. Dort werde ich auch begrüßt und ange­spro­chen. Aber in Rich­tung Frank­furt oder Köln weiß nie­mand von uns. Ich habe zwar das west­deut­sche Fern­sehen geschaut und mit­be­kommen, was dort seit unge­fähr 1964 im Fuß­ball pas­siert ist, aber die Bun­des­bürger haben ja nicht das Fern­sehen der DDR geschaut. Warum sollten sie mich also darauf anspre­chen? Außerdem soll ich ja als Trainer über­zeugen und nicht wegen irgend­wel­cher Spiele von früher.

Ich ging eher davon aus, dass manche Spieler Ihr Buch gelesen haben und sie des­wegen darauf anspre­chen.

René Müller: Das ist ja ein Buch, dass die Leip­ziger Region betrifft und nicht Nürn­berg oder die ganze Bun­des­re­pu­blik. Die Spieler wissen aber schon, wer ich bin und was ich geleistet habe.

Wie kam es eigent­lich zu diesem Buch?

René Müller: Der Landrat des Kreises Delitzsch meinte zu mir: Du musst was tun. Du wirst 50. Dein erstes Län­der­spiel ist bald 25 Jahre her. Mach das doch!“ Dann saß ich mit dem Ver­leger am Tisch, und ich meinte, dass ich gar nicht der Typ bin, der ein Buch schreiben will. Ich habe mir 10 Tage Bedenk­zeit erbeten und dann gesagt: Ok, ich mach’s“. Aber ich wollte es nicht so machen wie die meisten das tun, son­dern ver­su­chen, es etwas anders zu schreiben – und ich hoffe, das ist mir ganz gut gelungen.