Beim 1:0 (0:0) in einem dra­ma­ti­schen Finale gegen Nor­wegen in Solna/​Schweden hielt Tor­hü­terin Angerer zwei Straf­stöße (29. und 61.), die ein­ge­wech­selte Mittag erzielte den ent­schei­denden Treffer (49.). Beide sorgten dafür, dass die Tränen der Ent­täu­schung exakt 750 Tage nach dem Vier­tel­final-Aus bei der Heim-WM end­gültig getrocknet sind.

Dieser Titel fühlt sich ganz beson­ders an“

Es war ein Spiel auf Augen­höhe, ein ganz schweres Finale. Es macht mich sehr stolz, was diese junge Mann­schaft wieder geleistet hat“, sagte Bun­des­trai­nerin Neid am ARD-Mikrofon: Dieser Titel fühlt sich ganz beson­ders an.“ Mit Blick auf den ange­kün­digten Tanz mit DFB-Prä­si­demt Niers­bach auf der Party am Abend sagte sie: Ich bin bereit.“ Angerer konnte ihr Glück kaum fassen: Es ist phä­no­menal, dass wir es geschafft haben, ein­fach geil.“

In der Heimat reagierten Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck und Bun­des­kanz­lerin Angela Merkel ver­zückt. Feiern Sie! Und lassen Sie sich feiern! Mit Ihnen freut sich ganz Fuß­ball-Deutsch­land! Mit Ihrer groß­ar­tigen Leis­tung haben Sie einmal mehr gezeigt: Der deut­sche Frau­en­fuß­ball gehört zur Welt­spitze“, schrieb der erste Mann im Staate an die Mann­schaft. Merkel tele­gra­fierte an Neid, das Team des Deut­schen Fuß­ball-Bundes (DFB) habe ein­drucks­voll seine inter­na­tio­nale Klasse mit Fuß­ball auf höchstem Niveau unter Beweis gestellt“ und die Men­schen in unserem Land mit seiner lei­den­schaft­li­chen und kämp­fe­ri­schen Spiel­weise begeis­tert“.

Podolski: Köni­ginnen von Europa“

In die Gra­tu­lanten-Schar der Köni­ginnen von Europa“ (Natio­nal­spieler Lukas Podolski) reihten sich auch Männer-Bun­des­trainer Joa­chim Löw und Team­ma­nager Oliver Bier­hoff ein: Ich freue mich sehr für Silvia Neid, die es wieder allen gezeigt hat“, erklärte Löw, und Bier­hoff ergänzte: Der Titel­ge­winn ist der ver­diente Lohn und bestes Bei­spiel dafür, was man mit unbän­digem Sie­ges­willen und Team­geist alles errei­chen kann.“

Um kurz nach 18 Uhr nahm Angerer, die im kom­pletten Tur­nier nur im Grup­pen­spiel gegen die Nor­we­ge­rinnen (0:1) ein Gegentor kas­siert hatte, aus den Händen von UEFA-Prä­si­dent Michel Pla­tini freu­de­strah­lend den EM-Pokal ent­gegen. Und auch Niers­bach war stolz auf unsere Frauen“. Der DFB-Boss zählte zu den ersten Gra­tu­lanten: Der Titel ist ein toller Erfolg und eine Bestä­ti­gung für den Frau­en­fuß­ball in Deutsch­land. Was das junge Team nach dem Aus­fall vieler Stamm­spie­le­rinnen bei dieser Euro geleistet hat, ver­dient ein Rie­sen­kom­pli­ment.“

Die Mann­schaft schrieb durch den Sieg vor der EM-Rekord­ku­lisse von 41.301 Zuschauern die EM-Erfolgs­ge­schichte der DFB-Aus­wahl fort. Die Deut­schen sind bei ihrer achten Final-Teil­nahme zum achten Mal als Sie­ge­rinnen vom Platz gegangen. Es war der sechste EM-Titel in Folge. Jede Spie­lerin kas­siert dafür 22.500 Euro. In Europameister“-Shirts begannen die Hel­dinnen schon auf dem Rasen mit ihrer großen Party.

Schon einen Tag nach dem Finale werden die Euro­pa­meis­te­rinnen ihren Erfolg mit den Fans auf dem Frank­furter Römer feiern. Die Dele­ga­tion steigt am Montag in Stock­holm in ihre Char­ter­ma­schine und wird um 13.45 Uhr am Frank­furter Flug­hafen emp­fangen. Danach steigt die Party auf dem Rat­haus­balkon.

Die deut­sche Mann­schaft, die bei der End­runde ohne sechs ver­letzte oder kranke Stamm­kräfte aus­kommen musste, hatte schon nach 53 Sekunden die Chance zur Füh­rung gehabt. Nadine Keßler traf nach einem Frei­stoß von Dzse­nifer Marozsan per Kopf nur die Latte.

Das jüngste Team der End­runde (23,5 Jahre im Schnitt), bei dem die zuletzt ver­letzt feh­lende Tor­jä­gerin Celia Okoyino da Mbabi wieder in der Startelf stand, bestimmte auch danach das Geschehen. Okoyino da Mbabi selbst sorgte in der dritten Minute für Gefahr.

Okoyino da Mbabi ver­gibt knapp per Kopf

Nach zehn Minuten geriet das Spiel des zwei­ma­ligen Welt­meis­ters, dem unter anderem Bun­des­kanz­lerin Angela Merkel und Bun­des­trainer Joa­chim Löw die Daumen drückten, etwas ins Sto­cken. In dieser Phase kamen die Nor­we­ge­rinnen dem deut­schen Tor mehr­fach gefähr­lich nahe. Erst in der 19. Minute ver­buchten die DFB-Aus­wahl wieder eine Chance durch Okoyino da Mbabi, zwei Minuten später vergab die 25-Jäh­rige knapp per Kopf.

Im Anschluss brachten die Deut­schen nicht mehr viel zustande. Nor­wegen ver­brei­tete immer wieder durch Stan­dart­si­tua­tionen Gefahr im deut­schen Straf­raum. Die größte Mög­lich­keit der Skan­di­na­vie­rinnen ent­schärfte Angerer. Nach einem angeb­li­chen Foul von Okoyino da Mbabi hielt die Spiel­füh­rerin den Straf­stoß von Trine Rön­ning mit dem Knie. Drei Minuten später musste die Tor­hü­terin noch einmal gegen Ing­vild Stens­land in höchster Not retten.

Nor­we­gens Füh­rung lag in der Luft

Zu Beginn des zweiten Durch­gangs kam Mittag ins Spiel, Lena Lotzen blieb in der Kabine. Besser wurde das Spiel der Deut­schen, die am 21. Sep­tember in Cottbus gegen EM-Teil­nehmer Russ­land in die Qua­li­fi­ka­tion zur WM 2015 in Kanada starten, dadurch aber nicht. Die ersten Minuten der zweiten Hälfte gehörten Nor­wegen, die Füh­rung der Skan­di­na­vie­rinnen lag in der Luft.

Statt­dessen traf Mittag nach einem mus­ter­gül­tigen Konter. Kurz darauf hätte Okoyino da Mbabi die Füh­rung aus­bauen können. Die Angrei­ferin konnte aber zwei hoch­ka­rä­tige Mög­lich­keiten in Folge (57. und 58.) nicht ver­werten. Auf der Gegen­seite sorgte Jen­nifer Cramer mit einem Foul an Caro­line Hansen dafür, dass Angerer wieder in den Mit­tel­punkt rückte. Die 34-Jäh­rige parierte auch den Straf­stoß von Solveig Gul­brandsen.

Die Nor­we­ge­rinnen können dagegen nur mit einem kleinen Bahnhof in der Heimat rechnen. Die Mann­schaft von Trainer Even Pel­lerud, die dem DFB-Team zum Abschluss der Vor­runde die erste EM-Nie­der­lage seit über 20 Jahren bei­gebracht hatte, ver­passte den dritten EM-Tri­umph nach 1987 und 1993.

Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck (Tele­gramm an die Mann­schaft): Feiern Sie! Und lassen Sie sich feiern! Mit Ihnen freut sich ganz Fuß­ball-Deutsch­land! Mit Ihrer groß­ar­tigen Leis­tung haben Sie einmal mehr gezeigt: Der deut­sche Frau­en­fuß­ball gehört zur Welt­spitze.“

Bun­des­kanz­lerin Angela Merkel (Tele­gramm an Bun­des­trai­nerin Silvia Neid): Zum achten EM-Titel der deut­schen Frauen-Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft gra­tu­liere ich Ihnen und der Mann­schaft sehr herz­lich! Ihr Team hat ein­drucks­voll seine inter­na­tio­nale Klasse mit Fuß­ball auf höchstem Niveau unter Beweis gestellt. Es hat die Men­schen in unserem Land mit seiner lei­den­schaft­li­chen und kämp­fe­ri­schen Spiel­weise begeis­tert. Bitte über­mit­teln Sie meine Glück­wün­sche auch an die Spie­le­rinnen, Betreue­rinnen und Betreuer sowie alle Ver­ant­wort­li­chen, die zu diesem außer­ge­wöhn­li­chen Erfolg bei­getragen haben.“

DFB-Prä­si­dent Wolf­gang Niers­bach: Wir sind stolz auf unsere Frauen. Als Sie­gestanz mit Silvia Neid würde mir ein schöner Boogie gut gefallen.“

DFB-Gene­ral­se­kretär Helmut Sand­rock: Gra­tu­la­tion an das gesamte Team. Die Mann­schaft hat sich bei diesem Tur­nier nie von ihrem Weg abbringen lassen und die Fans durch ihren Ein­satz und ihre Ein­stel­lung begeis­tert. Jetzt werden wir unseren Euro­pa­meis­te­rinnen in Frank­furt einen tollen Emp­fang bereiten.“

Bun­des­trai­nerin Silvia Neid: Es war ein Spiel auf Augen­höhe, ein ganz schweres Finale. Es macht mich sehr stolz, was diese junge Mann­schaft wieder geleistet hat. Dieser Titel fühlt sich ganz beson­ders an. Im Moment sind wir über­glück­lich.“

Nadine Angerer: Es ist phä­no­menal, dass wir das geschafft haben.“

Anja Mittag: Es ist ein geiles Gefühl. Es hat ein­fach Spaß gemacht. Das haben wir uns ver­dient. Es ist eine tolle Sache, wir hatten es schwer. Aber wir sind eine geile Mann­schaft.“

Celia Okoyino da Mbabi: Es ist ein­fach unglaub­lich. Nach dem Ita­lien-Spiel war ich traurig wegen der Ver­let­zung, aber die Mädels haben mir den Gefallen getan und gewonnen. Wir hatten den unbän­digen Willen und das Ziel vor Augen, unser abso­luter Team­geist hat uns diesen Titel beschert. Die Feier wird bestimmt bis morgen früh gehen.“

Annike Krahn: Wir können stolz auf die Mann­schaft sein. Wir haben alles für uns und die ver­letzten Spie­le­rinnen gegeben. Wir haben im ganzen Tur­nier gezeigt, dass wir es drauf haben. Wir haben alles gegeben und sind mächtig stolz auf uns.“

Lena Lotzen: Es ist unglaub­lich. Wir haben als Team immer zusam­men­ge­halten. Wir sind ein super Team. Das ist ein­fach über­ra­gend.“

Lena Goe­ß­ling: Wir können uns alle bei Natze bedanken.“

Nadine Keßler: Unser Zusam­men­halt ist ein­fach unglaub­lich. Wir haben nie auf­ge­geben und uns den Titel alle erar­beitet.“

Leonie Maier: Es ist wie ein Traum. Wir haben hart gear­beitet und uns mit dem Titel belohnt.“

Kim Kulig (bei Twitter): Bin stolz auf meine Homies – Die 0 stand!“

Bun­des­trainer Joa­chim Löw: Gra­tu­la­tion zum EM-Titel! Ich freue mich sehr für Silvia Neid, die es wieder allen gezeigt hat. Sie kann stolz sein auf diese junge Mann­schaft, die auch im Finale wieder alles gegeben und sich wie im gesamten Tur­nier nie auf­ge­geben hat.“

DFB-Team­ma­nager Oliver Bier­hoff: Der Titel­ge­winn ist der ver­diente Lohn und bestes Bei­spiel dafür, was man mit unbän­digem Sie­ges­willen und Team­geist alles errei­chen kann. Glück­wunsch an Silvia Neid und die Spie­le­rinnen, die wir nun alle feiern werden.“

Natio­nal­spieler Lukas Podolski (bei Twitter): Köni­ginnen von Europa! Gra­tu­la­tion an das deut­sche Frauen-Natio­nal­team!“

Dirk Nowitzki (Bas­ket­ball-Super­star, bei Twitter): Euro­pa­meister. Gra­tu­la­tion, Mädels. Viel Spaß beim Feiern!“