Herr Kempe, ist es wichtig, dass Trai­ning Spaß macht?

Thomas Kempe: Sehr wichtig! Jeder will doch Spaß an seinem Beruf haben. Sie auch, oder?

Ja, aber es gibt auch Dinge, die man nicht so gern macht. Was war das bei Ihnen?


Thomas Kempe: Wald­läufe!



In den 80er Jahren wurde gern und viel Kon­di­tion gebolzt.

Thomas Kempe: Wald­läufe waren schon an der Tages­ord­nung. Als ich beim VfL Bochum erst­mals unter Rolf Schaf­stall trai­nierte, dachte ich: Was ist denn hier los? Bin ich Leicht­athlet? Aber viele Trainer haben das Unan­ge­nehme mit dem Ange­nehmen ver­bunden und viel mit dem Ball trai­nieren lassen, Fünf gegen Fünf, Acht gegen Acht.

Was hätten Sie zu Jürgen Klins­mann gesagt, wenn sie mit den Gum­mi­bän­dern hätten trai­nieren sollen?


Thomas Kempe: Das ist doch nix Neues“, hätte ich gesagt. Wir hatten früher doch auch schon Deuser-Bänder, mit denen wir Kraft­trai­ning gemacht haben. Auch das sah schon doof aus! (lacht)

Wann haben Sie Ihren ersten Laktat-Test gemacht?

Thomas Kempe: Oh Gott! (über­legt) Das muss so 1987, viel­leicht 1988 gewesen sein. Da mussten wir erst wahn­sinnig Kon­di­tion bolzen. Dann wurden wir ins Ohr­läpp­chen gepiekt, und schließ­lich wurde das Blut unter­sucht. Wenn man einen Wert von 4 hatte, wusste man, das ist ganz gut. Aber eigent­liche wusste man am Anfang ja gar nicht: Was soll das jetzt?

Haben Sie sich gesträubt?

Thomas Kempe: Neee. Was soll man machen? Man wird vom Verein bezahlt, da macht man solche Sachen eben bereit­willig mit.

Wie oft mussten Sie die Pro­zedur über sich ergehen lassen?

Thomas Kempe: Zweimal im Jahr. Einmal nach dem Trai­ning und einmal in der Halb­zeit­pause eines Spiels. Dann konnte man sehen, wer im letzten halben Jahr an sich gear­beitet hatte und wer eher faul gewesen war. (lacht)

Wussten Spieler wie Sie, Lothar Woelck und Ata Lameck noch selbst, wie fit sie waren?

Thomas Kempe: Ja, auf jeden Fall. Bis Mitte der 80er Jahre gab es ja kei­nerlei Methoden, um das wis­sen­schaft­lich zu messen. Wenn man sich über Weih­nachten viel rein­ge­schau­felt hatte, ging man eben frei­willig joggen, um die Pöls­ter­chen wieder los­zu­werden.

Sind die Spieler heute weniger selb­ständig?

Thomas Kempe: Sie sind jeden­falls weh­lei­diger, weil sie ständig unter­sucht werden und kein Zip­per­lein über­sehen wird. Des­halb hor­chen sie auch ständig in sich hinein, ob ihnen nicht irgendwas weh tut. Ich habe früher mit einen Innen­band­an­riss gespielt – weil die Mann­schaft mich brauchte. Heute spielt ja man­cher nicht, weil er Fuß­pilz hat. (lacht)

Ist das auch eine Sache der Moral?

Thomas Kempe: Ja, auf jeden Fall. Die Jungs von heute geben nicht mehr 100 %. Wir waren härter.

Worin unter­scheidet sich die neue Genera­tion noch von Ihrer?


Thomas Kempe: Das Ath­le­ti­sche ist wich­tiger geworden. Cris­tiano Ronaldo ist ein rich­tiges Kraft­paket. Ich habe früher aber auch schon frei­willig Kraft­trai­ning gemacht, ich hatte ja hier in Bochum ein eigenes Fit­ness­studio, in das ich zwei‑, dreimal die Woche gegangen bin. 

Wenn Sie heute aktiv wären, würden Sie Ronaldo stoppen?

Thomas Kempe: Auf jeden Fall. Ich würde ihm auf den Füßen stehen, ihn auf die Toi­lette ver­folgen. Heute können die Stürmer ja machen, was sie wollen. Auch Ibi­sevic: Der hätte gegen meine Ver­tei­di­ger­ge­nera­tion keine 18 Buden gemacht.