Seite 2: Warum die VAR-Kameras scheitern

Die Daily Mail“ zeigte für die Beweis­füh­rung des­halb nur genau zwei direkt auf­ein­an­der­fol­gende Situa­tionen: In der ersten Auf­nahme hatte der Spieler den Ball noch nicht gespielt, Ster­ling stand in diesem Moment auch noch nicht im Abseits. Im dar­auf­fol­genden Bild, das exakt 0.02 Sekunden später auf­ge­nommen wurde, hatte der Ball den Fuß des Pass­spie­lers klar ver­lassen. Und Ster­ling stand in dieser Auf­nahme 2,4 Zen­ti­meter im Abseits. Das Pro­blem: Der Spieler hatte sich zu diesem Zeit­punkt mit 23,4 km/​h über den Platz bewegt und inner­halb der 0.02 Sekunden 13 Zen­ti­meter nach vorne gemacht.

So minimal diese Abstände auch sind, so ist doch völlig unklar, was inner­halb dieser 0.02 Sekunden geschehen ist. Wann genau wurde der Ball gespielt? Stand Ster­ling in exakt diesem Moment schon im Abseits oder noch nicht? Und wie bewegte sich die Vie­rer­kette in diesen 0.02 Sekunden? Einen Beweis gibt es nicht, die Kamera kann nicht mehr Bilder hin­ter­ein­ander auf­nehmen – und schei­tert im Hun­der­stel­be­reich an der Rea­lität.

Grau­be­reich

Laut der Daily Mail“ dürften Abseits­ent­schei­dungen, die sich anhand dieser zwei Bilder nicht auf­lösen lassen, gar nicht gefällt werden. Es sind so knappe Ent­schei­dungen, in denen weder mit dem mensch­li­chen Auge noch mit hoch­auf­lö­senden Kameras zwei­fels­frei ent­schieden werden kann, ob Abseits wirk­lich Abseits war. Und in denen Tore des­halb zählen müssten.

Oder wie es in der ana­logen Zeit noch hieß: Im Zweifel für den Angreifer.