Am Sonntag um 14:30 Uhr spielt der Karls­ruher SC gegen Ale­mannia Aachen im DFB-Pokal. Ver­gli­chen mit anderen Erst­run­den­spielen, die regio­nale Bri­sanz bieten oder die Hoff­nung auf eine Sen­sa­tion, zählte diese Partie bis vor ein paar Tagen zu jenen, über die Sta­tis­tiker später gesagt hätten: hat auch statt­ge­funden. Das Gespräch zwi­schen den Sicher­heits­be­auf­tragten wäre – wie immer – ein kurzes gewesen, man hätte viel­leicht irgend­wann über das Wetter geplau­dert. Es ist auch nicht bekannt, dass Karls­ruher und Aachener eine inten­sive Feind­schaft pflegen, dass zuletzt irgendwo ein Kriegs­beil ver­graben wurde.

Jetzt ist aber genau diese Partie aus­ge­wählt worden, um eine neue Technik aus­zu­pro­bieren. Es klingt ein wenig wie ein leicht zu durch­schau­ender Scherz der para­no­iden Ultras-Szene, aber das Pro­jekt schimpft sich tat­säch­lich Par­al­lele Gesichts­er­ken­nung in Video­strömen“, kurz PaGeVi. Das offi­zi­elle Ziel der auf­wän­digen Test­reihe: Gesuchte Per­sonen“ sollen bei Groß­ver­an­stal­tungen iden­ti­fi­ziert werden. Ges­tern noch bei Rudi Cerne, heute schon im Wild­park.

Zwei Kate­go­rien: Badi­sche und Unsym­ba­di­sche

Was auf den ersten Blick nach moderner Ter­ror­ab­wehr klingt, soll an real exis­tie­renden Fuß­ball-Fans erprobt werden. Und in der Folge bei zwei wei­teren Spielen in Karls­ruhe, aus­ge­rechnet also in der Stadt, in der Men­schen bis­lang nur in zwei Kate­go­rien ein­ge­teilt wurden: in Badi­sche und Unsym­ba­di­sche.

Pro­fessor Rainer Stie­fel­hagen vom dor­tigen Institut für Tech­no­logie ist der Initiator des Pro­jekts. Seine Mit­ar­beiter werden sich am Sonntag kon­spi­rativ unter die Gäs­te­fans mischen, um am Ein­gang zum Gäs­te­block aus der Men­schen­menge her­aus­ge­fil­tert zu werden. Nicht über­lie­fert ist, ob sie schwarz-gelbe Kutten tragen werden, Printen-Muni­tion in großen Mengen mit­führen und sich eigens Öcher Platt ange­eignet haben. Genauso unge­klärt ist auch die Posi­tion des Karls­ruher SC.

Das Pro­jekt wird mit ins­ge­samt 1,2 Mil­lionen Euro geför­dert

Seine Fans monieren, dass der Klub seine Zuschauer für wis­sen­schaft­liche Test­zwecke anbiete, ohne sie über die übli­chen Kanäle aus­rei­chend infor­miert zu haben. Dem Pro­fessor kann all das egal sein. Das Bun­des­mi­nis­te­rium für Bil­dung und For­schung för­dert das Pro­jekt mit ins­ge­samt 1,2 Mil­lionen Euro.

Tref­fende Worte fanden viele Fans, als im letzten Jahr über den Ein­satz von Nackt­scan­nern in Sta­dien dis­ku­tiert wurde. Eine Dis­kus­sion, die damals vom Bou­le­vard und der NRW-SPD ange­stoßen wurde. Es war ein kluger Fan, der damals erwi­derte: Das ein­zige Mittel, um jeg­liche Vor­fälle zu ver­hin­dern, wäre, dass man nur noch nackten Zuschauern Ein­tritt gewährt.“ Und ein anderer User, sicher­lich ein mit allen Was­sern gewa­schener Groundhopper, gab zu bedenken: Was macht der Ordner denn, wenn die Schalker kommen und ihre behaarten 150-Kilo-Gewicht­he­be­rinnen mit­bringen?“ Gott bewahre, aber für die Begeg­nung Karls­ruhe gegen Aachen wäre noch nicht einmal das zu befürchten gewesen.