Jerome Valcke machte keine Kom­pro­misse. Alko­ho­li­sche Getränke sind Teil des Fifa World Cup, also wird es sie auch geben“, sagte der FIFA-Gene­ral­se­kretär. Das ist etwas, über das wir nicht ver­han­deln werden.“ Dass ein Gesetz den Alko­hol­aus­schank in Sta­dien seit Jahren verbat und die Regie­rung ent­schlossen war, dieses Gesetz auch bei der Welt­meis­ter­schaft im eigenen Land durch­zu­setzen? Das inter­es­sierte Valcke herz­lich wenig, als er im Januar 2012 in Rio de Janeiro vor die Presse trat. Und er setzte sich durch, bei der WM 2014 in Bra­si­lien durften die Fans auch in den Sta­dien Alkohol trinken. Im Mai 2012 ver­ab­schie­dete der bra­si­lia­ni­sche Senat die soge­nannte Bud­weiser Bill“, der das staat­liche Aus­schank­ge­setz für die Zeit der WM aus­setzte und den Ver­kauf von Alkohol in den Sta­dien erlaubte.

Die Ver­ord­nung hieß nicht umsonst wie die US-ame­ri­ka­ni­sche Brauerei, besitzt Bud­weiser als Groß­sponsor der FIFA doch die Exklu­siv­rechte für den Alko­hol­aus­schank bei den Tur­nieren. Der Welt­ver­band setzte sich in Bra­si­lien über staat­li­ches Recht hinweg, indem er sich vehe­ment auf das WM-Rah­men­ge­setz berief, einen Ver­trag, den jedes Land unter­zeichnen muss, um die WM aus­richten zu dürfen. Teil dieser Abma­chung ist es auch, den Aus­schank von Alkohol in den Sta­dien zuzu­si­chern.

Bier­sta­tionen werden ver­schoben

Auch Katar hat ein sol­ches Papier unter­zeichnet. Es wäre also nahe­lie­gend gewesen, dass der Welt­ver­band auch dort früh­zeitig inter­ve­niert und auf den Aus­schank von Alkohol in den Sta­dien ebenso ein­deutig pocht wie zuvor in Bra­si­lien. Schließ­lich ist im Gast­ge­ber­land der WM 2022 Alko­hol­konsum in der Öffent­lich­keit grund­sätz­lich ver­boten. Ange­sichts der Zuge­ständ­nisse, die der Welt­ver­band den kata­ri­schen Gast­ge­bern seit Jahren macht, über­rascht es aber wenig, dass es eine solche Inter­ven­tion nie gab. Aller­dings haben sich die FIFA und die kata­ri­schen WM-Orga­ni­sa­toren Anfang Sep­tember darauf geei­nigt, vor und nach den Spielen in Ver­kaufs­zelten vor dem Sta­dion Alkohol aus­zu­schenken. Zudem werde die FIFA ein Fan-Fes­tival aus­richten, auf dem Fans ab 18.30 Uhr Orts­zeit Alkohol trinken dürfen.

Eine Woche vor Tur­nier­be­ginn ord­nete das kata­ri­sche Königs­haus jedoch an, die bereits errich­teten Zelte vor den Sta­dien an weniger auf­fäl­lige Plätze zu ver­schieben. Wie die New York Times berichtet, beruhe die Ver­le­gung der Bier­sta­tionen auf der Sorge der Kataris, dass der Aus­schank von Alkohol im öffent­li­chen Raum die Bevöl­ke­rung ver­un­si­chern und damit ein poten­zi­elles Sicher­heits­ri­siko dar­stellen könne. Die US-Brauerei Bud­weiser kün­digte laut Deut­scher Presse-Agentur an, mit dem Welt­ver­band zusam­men­zu­ar­beiten, um die Ver­kaufs­stellen an die gewünschten Orte zu ver­legen“. Der Fokus liege darauf, unter den neuen Bedin­gungen das best­mög­liche Kun­den­er­lebnis zu bieten“.

Über 13 Euro für den halben Liter

Ein Erlebnis, das für die Fans sehr teuer werden dürfte. Ver­schie­dene eng­li­sche Medien berich­teten am Dienstag, dass ein halber Liter Bier bei der WM 50 kata­ri­sche Riyal kosten werde – umge­rechnet 13,19 Euro. Für kata­ri­sche Ver­hält­nisse ist dieser Preis nicht einmal unge­wöhn­lich hoch. In den wenigen Hotel­bars, in denen der Ver­kauf von Alkohol erlaubt ist, kostet ein Bier eben­falls mehr als 13 Euro. Aller­dings hatte Nasser al-Khater, Chef des WM-Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tees, einst erklärt, das Preis­pro­blem erkannt zu haben: Wir suchen nach Mög­lich­keiten, den Preis für Alkohol zu senken.“

Eine letzte Mög­lich­keit, auch im Sta­dion Alkohol zu trinken, bleibt den Fans übri­gens noch. Zumin­dest in der Theorie. In den VIP-Paketen sind alko­ho­li­sche Getränke explizit ent­halten. Kos­ten­punkt: Min­des­tens 950 Dollar.