Fredi Bobic, sam­meln Sie Brief­marken?
Um Gottes willen, nie und nimmer.

Nicht mal Brief­marken von den Färöern?
Ach, das meinen Sie. Irgend­wann hat mich mal ein Kol­lege von Ihnen ange­rufen und mir mit­ge­teilt, dass ich auf einer Brief­marke von den Färöern zu sehen bin. Das ist wirk­lich lustig. Gerade weil es die Färöer sind. Das ist schon ein sehr spe­zi­eller Fleck auf dieser Erde. Den Auf­ent­halt da habe ich sehr genossen.

Besitzen Sie Exem­plare Ihrer Brief­marke?
Die färin­gi­sche Post hat mir welche zuge­schickt. Sieht nett aus. Ist fast so wie die blaue Mau­ri­tius (lacht).

Wie sind Sie zu dieser Ehre gekommen?
Mit unserer ein­drück­li­chen Leis­tung bei diesem lockeren 2:0‑Sieg durch Tore in der 88. und 90. Minute hat das ver­mut­lich nichts zu tun (lacht). Ich nehme an, es war Zufall. Ich bin im Zwei­kampf mit einem Spieler von den Färöern und ziem­lich gut zu erkennen.

Waren die Färöer der exo­tischste Ort, an dem Sie mit der Natio­nal­mann­schaft gespielt haben?
Es gab schon einige exo­ti­sche Orte. Aber die Färöer haben mir unheim­lich gut gefallen. Auch wenn ich ehr­lich sagen muss, Urlaub machen würde ich da wahr­schein­lich eher selten.

Es sei denn, Sie stehen auf Nebel und Regen.
Ja, man ist gefangen im Nord­at­lantik. Bewun­derns­wert, dass man da, mitten im Nie­mands­land, über­haupt leben kann. Ich kann mich noch an den Spieltag erin­nern. Mor­gens wollten wir uns locker machen, aber du konn­test nicht mal fünf Meter weit gucken. So dicht war der Nebel. Das Wetter wech­selte auch inner­halb einer Stunde von einem Extrem zum anderen. Trotzdem war es ein­fach ein Erlebnis. Privat kommt man ja eher selten an solche Orte. Gerade des­halb habe ich solche Reisen als Fuß­baller immer genossen.

Welche Erin­ne­rungen haben Sie an die Reise im Juni 2003?
Die Ein­drücke sind erstaun­li­cher­weise noch sehr frisch – obwohl das inzwi­schen auch schon zehn Jahre her ist. Selbst der Flug war fas­zi­nie­rend. Wir kamen damals von einem Spiel in Glasgow, es war ein klarer Tag, und dann lan­dest du mitten im Nord­at­lantik, wo du denkst, da gibt es eigent­lich nur Island. Über die Färöer, diese 18 Inseln, bist du wahr­schein­lich tau­send Mal drüber geflogen und hast es gar nicht mit­be­kommen. Vom Flug­hafen ging es mit dem Bus nach Tor­shavn. Du fährst in einen Tunnel, sozu­sagen unter die Was­ser­ober­fläche, es geht immer weiter runter, runter, runter – bis auf die nächste Insel, wo es dann wieder hoch, hoch, hoch geht.

Haben Sie die Insel inten­siver erkundet als andere Spiel­orte?
Die Insel ist jetzt nicht so, dass man sagt: Hier gibt es jetzt aber total viel zu ent­de­cken. Auch Tor­shavn selbst hat nichts Außer­ge­wöhn­li­ches. Das ist ein süßes, kleines Haupt­städt­chen, das vom Fisch­fang lebt. Aber man muss sich immer ver­ge­wis­sern, wo man ist. Das ist das Spe­zi­elle an den Färöern. Es gibt auf der Insel nur ein Hotel, direkt im Berg. Da waren wir zusammen mit der Mann­schaft der Färöer unter­ge­bracht. Wir haben den einen Flügel bewohnt, die Färöer den anderen. In Wirk­lich­keit war das eine bes­sere Jugend­her­berge. Das fand ich super, muss ich sagen. Es gab auch einen fan­tas­ti­schen Fisch zu essen. Aber das ist nicht unge­wöhn­lich, wenn man mitten im Atlantik ist.

An das Spiel haben Sie ver­mut­lich weniger gute Erin­ne­rungen.
Sie müssen die Umstände berück­sich­tigen. Der Platz war unheim­lich tief, das Flut­licht ziem­lich diffus. Dann kommen noch wech­selnde Winde hinzu. Das kriegst du in Deutsch­land vor dem Fern­seher natür­lich gar nicht so mit. Und dann triffst du auf einen Gegner, der rennen kann ohne Ende und alles in dieses Spiel schmeißt. Für uns waren es die letzten 90 Minuten vor dem Urlaub. Das spielt im Kopf auch eine Rolle.

Auf der Brief­marke sind Sie zu sehen – umringt von vier Spie­lern der Färöer.
Das war typisch für dieses Spiel. Die standen mit elf Mann hinten drin, konnten super ver­tei­digen – haben aber nicht einmal auf unser Tor geschossen und alles Glück dieser Welt gehabt. Der Tor­wart mit der Mütze hatte einen über­ra­genden Tag. Wir haben Chancen ohne Ende ver­geben. Ich glaube, allein ich habe drei Mal den Pfosten getroffen. Kurz vor Schluss macht Miroslav Klose das 1:0 für uns, direkt danach habe ich zum 2:0 getroffen. Wenn das Spiel zehn Minuten länger gedauert hätte, hätten wir wahr­schein­lich 6:0 oder 7:0 gewonnen. Da waren sie dann fertig.

Glauben Sie, dass die aktu­elle Mann­schaft weniger Pro­bleme haben wird?
So ein­fach ist das nicht. Du musst da erstmal durch­kommen. Der Kunst­rasen ist natür­lich ein Vor­teil für unsere Mann­schaft. Da ist alles gerade, da ver­hub­belt kein Ball. Das kommt einer tech­nisch starken Mann­schaft gelegen. Aber man muss auch sagen, dass die Färöer das damals gegen uns tak­tisch sehr gut gemacht haben. Die sind immer tief in ihren Posi­tionen gestanden und haben sich nicht auf­reißen lassen. Das muss man auch aner­kennen.

Das wird diesmal wohl nicht anders sein.
So ist es. Ich glaube nicht, dass die Färöer offen­sives Pres­sing spielen werden. Da kannst du dich schon schwertun. Und trotzdem ist es Nor­ma­lität, dass du am Ende gewinnst.