Ein Jahr ohne Davide kann man nicht erzählen. Die Worte dafür exis­tieren nicht, aber viel­leicht sind sie auch nicht nötig, weil im Grunde das, was sich ereignet hat, ein Jahr MIT Davide war, auf eine andere Art und Weise und auf eine Art, die wir am liebsten nie erfahren hätten, aber trotzdem mit unserem SOHN.

Ja, ZUSAMMEN ist das Wort, das wir gerne am lau­testen aus­spre­chen würden, aber wir können nicht. Unsere Stimme ist heute nicht mehr jene, die Davide schon als Kind gehört hat und viel­leicht würde er Mühe haben, sie wie­der­zu­er­kennen, weil der Schmerz sie für immer ver­än­dert hat.

Des­halb schaffen wir es nicht, diesen Brief vor­zu­lesen und ver­trauen Euch unsere Gefühle an, so wie viele Men­schen es in diesen Tagen getan haben, an denen die Erin­ne­rung unver­meid­lich inten­siver ist.

Für uns IST Davide KEINE ERIN­NE­RUNG, die je nach Umstand abschwächt oder neu ent­facht, ganz ein­fach, weil Davide keine Erin­ne­rung ist: Davide ist eine Gegen­wart.

Davide ist uns in jedem Augen­blick nahe. Wir sehen ihn in unserer wun­der­baren Enkelin Vit­toria, einem kleinen Wunder, das uns den Mut finden lässt, jeden Tag gegen die Trau­rig­keit anzu­kämpfen. Wir ent­de­cken ihn in den Worten vieler Men­schen, teil­weise auch unbe­kannten, die das Bedürfnis haben, uns zu bekennen, wie sehr Davide für sie ein Bezugs­punkt ist, ein Bei­spiel, manchmal eine Anre­gung, um den schwersten Momenten zu begegnen. Und dann finden wir ihn in den Erzäh­lungen jener wieder, die ihn gekannt haben, jener Freunde, die mit ihm die schönsten Augen­blicke seines Lebens geteilt haben, Erzäh­lungen, die uns einmal mehr den anste­ckenden Klang seines Lachens oder den tie­feren Klang seiner Weis­heit fühlen lassen, hier und da eine zu tiefe für einen so jungen Mann.

Viele haben uns in diesen Monaten gesagt, dass unser Davide beson­ders war, gesegnet mit einer sel­tenen HÖF­LICH­KEIT, oft ent­waff­nend. Und das ist wahr. Davide musste sich nicht anstrengen, um so zu sein, er war schon immer so, schon als Kind: natür­lich und instinktiv höf­lich. Doch wehe dem, der diese Art mit Schwäche oder Füg­sam­keit ver­wech­selt: Das war seine STÄRKE. Davide war sehr stark, er war der Fels, an dem wir uns fest­halten konnten. Des­halb ver­su­chen wir, so stark zu sein wie er, vor allem aber so stark, wie er uns gerne hätte. Es ist unsere täg­liche HER­AUS­FOR­DE­RUNG, eine ganz harte, aber wir pro­bieren es. Danke Davide, der uns das wert­vollste Erbe hin­ter­lassen hat, das man sich wün­schen kann: eine unend­liche Liebe. Jene der Men­schen für ihn, jene von Davide für die Men­schen, aber vor allem jene von Davide für das Leben.

Erin­nert weiter an ihn und werdet nicht müde, von ihm zu erzählen. Ihn auf einem Foto lächeln zu sehen, ihn zu beob­achten, wie er auf Bil­dern rennt, von ihm in Euren Anek­doten zu hören, macht uns nicht traurig: Für uns ist es, als würden wir ihn jedes Mal WIEDER UMARMEN.

Anna und Renato Astori