Seite 2: Die Qual der Wahl nach Pal

Schon vor der Saison hatte Preetz den Druck auf Dardai erst­mals öffent­lich erhöht, in dem er eine spie­le­ri­sche Wei­ter­ent­wick­lung der Mann­schaft for­derte. Im August und im Sep­tember 2018 spielte Dar­dais Team dann tat­säch­lich erst­mals unter dessen Füh­rung meh­rere Wochen am Stück guten Fuß­ball. Glad­bach wurde regel­recht vor­ge­führt, der FC Bayern wurde mit­rei­ßend geschlagen, zum ersten Mal seit 14 Jahren konnte Hertha auf Schalke gewinnen.

Ondrej Duda zir­kelte erst einen Frei­stoß ins Kreuzeck und eine Woche später einen wei­teren rotz­frech unter der Wolfs­burger Mauer durch, Javairo Dil­rosun und Valen­tino Lazaro trauten sich sogar ins Dribb­ling. Eine Teil­dis­zi­plin des Spiels, die Her­thas Fans nur noch vom Hören­sagen kannten. Kurzum: Der Kader machte Lust auf mehr. Und gab Manager Preetz in der Hin­sicht Recht, als dass er eine Mann­schaft zusam­men­ge­stellt hatte, die nicht mehr zwin­gend auf schrille Plakat-Aktionen und halb-lus­tige Tweets ange­wiesen war, um auf­zu­fallen.

Schluss­end­lich fällt Dardai nun auf die Füße, dass er mit seinem Team erst zeigte, was theo­re­tisch mög­lich wäre – und danach wieder in den Ver­wal­tungs-Trott der ver­gan­genen Jahre ver­fiel. Noch eine sor­gen­freie Saison reichte plötz­lich nicht mehr. Dass Hertha zuletzt nicht mal mehr dre­ckig punk­tete, ist ob der Tabel­le­si­tua­tion dabei fast egal.

42, 43, 42 und 41 Tore

Abge­sehen vom manchmal schwer erträg­li­chen Stil der ver­gan­genen Jahre kann man Dardai sport­lich aber kaum Vor­würfe machen. Er ret­tete das Team zunächst vor dem Abstieg, erreichte dann zweimal das inter­na­tio­nale Geschäft (auch wenn Hertha im ersten Jahr in der Qua­li­fi­ka­tion recht kläg­lich schei­terte), wurde dann Zehnter und steht aktuell auf Platz elf.

Sein Team war in der Liga beängs­ti­gend kon­stant, schoss 42, 43, 42 und (Stand 29. Spieltag) 41 Tore, es kämpfte sich dar­über hinaus sogar einmal vor bis ins sonst uner­reichbar schei­nende Pokal­halb­fi­nale. Dardai baute viele im Verein aus­ge­bil­dete Talente in den Kader ein und übergab spä­tes­tens in dieser Saison den besten von Ihnen – Arne Maier, Jordan Tor­u­na­righa und Maxi Mit­tel­städt – Ver­ant­wor­tung. Auch dank dieser Arbeits­weise stei­gerte Her­thas Team den eigenen Markt­wert (laut trans​fer​markt​.de) von 72,9 Mil­lionen Euro (Saison 2015/2016) auf aktuell 203,5 Mil­lionen Euro.

Better Call Pal

All das konnte Dardai nicht retten. Die Geschäfts­füh­rung sieht in Hertha mehr als nur“ kon­stantes Mit­telmaß. Wes­halb sich Michael Preetz nun selbst unter Druck gesetzt hat. Denn im Gegen­satz zu seinen Spie­ler­transfer hat er bisher nicht nach­weisen können, dass er auch für Trainer ein gutes Händ­chen hat. Funkel, Babbel, Skibbe, Reh­hagel, Luhukay – aus ver­schie­denen Gründen funk­tio­nierte in Berlin keiner der von Preetz geholten Trainer länger als ein paar Monate. Wes­halb schon die Instal­lie­rung von Pal Dardai (zunächst nur inte­rims­weise geplant) als letzte Chance für Preetz galt.

Dardai ent­puppte sich als Glücks­treffer und machte den Job für den Manager Jahr für Jahr zu einem ruhigen. Nun muss er erst­mals seit 2015 wieder ablie­fern, die nicht kleine und für den Hertha-See­len­frieden eini­ger­maßen ent­schei­dende Pro-Dardai Frak­tion sitzt ihm dabei im Nacken, einen in diesem Jahr beson­ders schwie­rigen Trai­ner­markt (allein in der Bun­des­liga suchen auch Wolfs­burg und Schalke in einer ähn­li­chen Gewichts­klasse) hat er vor der Brust. Unter Anhän­gern geht schon die Ver­mu­tung um, dass Pal Dardai nicht zum letzten Mal die Profis von Hertha trai­niert haben und über kurz oder lang, bei Krisen oder in unru­higen Zeiten, doch wieder ange­rufen wird. Doch in diesem Sommer muss Preetz mit dem neuen Trainer beweisen, dass Hertha wirk­lich eine Nummer größer sein kann als Pal Dardai. Wenn der Manager am 18. Mai auf die Ost­kurve hin­un­ter­schaut, wird er zumin­dest ein Gefühl dafür bekommen, wie die eigenen Fans das sehen.