Pardis Fardjad-Azad, Sie sind in Berlin geboren, spielen aber seit 2012 in der aser­bei­dscha­ni­schen Liga für Sum­qayıt PFK. Wie kam es dazu?
Fuß­bal­le­risch groß geworden bin ich bei Hertha Zehlen­dorf, 2007 wech­selte ich zu Carl Zeiss Jena und machte dort auch mein bis­lang ein­ziges Spiel als Profi in der 2. Bun­des­liga. 2010 kehrte ich zurück nach Berlin und heuert beim Ber­liner AK an. Als wir im Winter 2010/11 ins Trai­nings­lager nach Antalya fuhren, trafen wir dort auf einen aser­bai­dscha­ni­schen Test­spiel­gegner. Ich schoss ein Tor und berei­tete ein wei­teres vor, man war auf mich auf­merksam geworden. Aber ich traute mir den Schritt mit meinen 21 Jahren noch nicht zu und blieb vor­erst in Berlin. Ein Jahr darauf, wieder im Trai­nings­lager, kam Bern­hard Raab, Trainer von Sum­qayıt PFK, auf mich zu und über­zeugte mich umge­hend. Leider kam es auf­grund von den Ablö­se­mo­da­li­täten erst im darauf fol­genden Sommer zu dem Wechsel. Seit 2012 bin ich nun hier.

Fühlen Sie sich schon hei­misch in Baku?
Baku ist eine wun­der­schöne Stadt. Ich bin zwar in Berlin auf­ge­wachsen aber ich kannte die Kultur schon wei­test­ge­hend: Die ira­ni­sche und aser­bai­dscha­ni­sche Kultur haben durchaus Par­al­lelen.

Was an Ihnen emp­finden Sie als typisch deutsch?
Ich bin sehr dis­zi­pli­niert, gerade in Sachen Pünkt­lich­keit. Damit nehmen es zumin­dest meine Mit­spieler nicht so genau (lacht).

Ver­missen Sie etwas?
Immerhin trennen Berlin und Baku 3500 Kilo­meter? Ich bin ein Fami­li­en­mensch, die Ver­wandt­schaft fehlt mir schon sehr. Natür­lich denke ich auch oft an meine Freunde in Deutsch­land. Aber ich muss diese Erfah­rung machen und habe außerdem in Baku viele tolle Leute ken­nen­ge­lernt. Meine Mit­spieler sind gute Freunde geworden. Da fällt mir eine schöne Geschichte aus meiner Anfangs­zeit ein!

Schießen Sie los.
Als ich nach Baku kam, fand ich nicht auf Anhieb eine Woh­nung und zog zu einem Mann­schafts­ka­me­raden in dessen Zwei­zim­mer­woh­nung. Ein paar Tage darauf klin­gelte es erneut, vor der Tür standen vier wei­tere ange­hende Spieler von Sum­qayit mit dem­selben Pro­blem. Auch sie fanden einen Schlaf­platz. Das war eine Team­buil­ding-Maß­nahme der anderen Art. Wir hatten zwei kusche­lige Wochen.

Wie schätzen Sie das sport­liche Niveau der aser­bai­dscha­ni­schen Liga ein?
Wenn man das Niveau mit dem deut­schen Fuß­ball ver­glei­chen möchte: Die Top-Ver­eine Aser­bai­dschans haben sicher gutes Zweit­li­ga­ni­veau, der Rest schwankt dann zwi­schen 3. Liga und gutem Regio­nal­liga­ni­veau. Sum­qayıt sehe ich spie­le­risch in der 3. deut­schen Liga. Kör­per­lich eher nicht, da hier teil­weise schon 16-Jäh­rige zum Ein­satz kommen. Im Januar 2013 nomi­nierte Sie Berti Vogts, seines Zei­chens Aus­wahl­trainer von Aser­bai­dschan, für die Natio­nal­mann­schaft.

Wie kommt es, dass Sie mit Ihren ira­ni­schen Wur­zeln für Aser­bai­dschan spielen?
Meine Urgroß­mutter ist in Baku geboren. Des­halb gab es da keine großen Pro­bleme den aser­bai­dscha­ni­schen Pass zu bekommen.

Wie ist Ihr Ver­hältnis zu Berti Vogts?
Berti Vogts hat eine beein­dru­ckende Aus­strah­lung. Gerade als Deut­scher muss man den aller­größten Respekt vor ihm haben. Er ist trotz der Erfolge ein boden­stän­diger Mann geblieben, der ein klares Bild von seinem Fuß­ball hat. Für mich ist es die größte Ehre, unter ihm trai­nieren zu dürfen und ich bin ihm sehr dankbar für das, was ich unter ihm an Erfah­rung schon mit­nehmen konnte.

Am 26. März emp­fing Aser­bai­dschan Por­tugal in der WM-Qua­li­fi­ka­tion. Sie wurden nach 69 Minuten ein­ge­wech­selt. Was ging Ihnen da durch den Kopf?
Es war ein unbe­schreib­li­ches Gefühl. Ein Jahr davor hatte ich noch beim Ber­liner AK in der Ober­liga gespielt. Zwölf Monate danach spielte ich plötz­lich in der WM-Qua­li­fi­ka­tion gegen eine der besten Mann­schaft der Welt. Mein Gegen­spieler war Pepe von Real Madrid – natür­lich war ich extrem nervös!

Ihr Idol Cris­tiano Ronaldo wurde in dieser Partie aller­dings nicht ein­ge­setzt.
Leider nicht. Aber ich traf ihn nach dem Spiel im Kabi­nen­trakt. Ein tolles Gefühl, dass ich schleu­nigst ein­dämmen musste. Auch in Aser­bai­dschan ist ein Lächeln nach einer Nie­der­lage nicht gerne gesehen.

Gibt es denn etwas, dass Sie besser können als Ihr großes Vor­bild?
Fuß­bal­le­risch ist er für mich uner­reichbar. Aber sicher­lich spreche ich besser aser­bai­dscha­nisch als er!