Fran­cesco Vel­luzzi, der AC Mai­land hat gerade Man­City-Stürmer Mario Balo­telli ver­pflichtet. Warum hat sich Ber­lus­coni den Stürmer gerade jetzt geschnappt?
In Ita­lien stehen gerade wich­tige Par­la­ments­wahlen an und Ber­lus­coni brauchte einen großen Coup, um Sym­pa­thien zu gewinnen, also fuhr er alle Geschütze auf und bediente sich mal wieder an den Vor­zügen des Fuß­balls. Damit wollte er sich in der Lom­bardei und bei den Mai­länder Fans beliebt machen.

Denken Sie, dass dieser Transfer poli­tisch ent­schei­dend sein könnte?
Im Sam­meln von Stimmen und Anhänger mobi­li­sieren war Ber­lus­coni schon immer sehr gut. Er ist bekannt­lich ein Medi­en­tier“ und beein­flusst die Leute mit seinen Ver­spre­chen. Der Balo­telli-Coup wird ihm aber wohl kaum mehr als ein bis 1,5 Pro­zent zusätz­liche Stimmen ein­bringen. Diese werden aber nicht aus­schlag­ge­bend sein.

Mit der Ver­pflich­tung von Ronald­inho 2008 soll er sogar zwei Pro­zent Stimmen dazu gewonnen haben.
Heute sieht die Situa­tion in Ita­lien kom­plett anders aus. In den ver­gan­genen Jahren wurde es für ihn immer schwie­riger, die Zustim­mung der Leute zu bekommen. In seinen 18 Jahren in der Politik hat Ber­lus­coni zu viele Pro­bleme für das Land geschaffen. Die Leute trauen seinen Ver­spre­chen nicht mehr und sind seiner Politik und Partei über­drüssig geworden. Daran wird auch die Ver­pflich­tung eines außer­ge­wöhn­li­chen Spie­lers nichts ändern.

Man könnte meinen, es wurde auf diesen Transfer hin gespart. Denn lange hieß es bei Mai­land, es sei kein Geld mehr vor­handen, alle Stars wurden ver­kauft. Und nun kann man sich plötz­lich einen Stürmer für 20 Mil­lionen Euro leisten?
Zur­zeit hat der AC Mai­land tat­säch­lich nicht viel Geld zur Ver­fü­gung. Marina, die Tochter von Ber­lus­coni, hat alle mög­li­chen Trans­fers gestoppt und wollte sparen, aber für eine Wahl­kam­pagne von diesem Ausmaß steht natür­lich Geld zur Ver­fü­gung. Die Wahlen sind schließ­lich in knapp 20 Tagen.

War der Wechsel nur poli­tisch moti­viert?
Milan brauchte unbe­dingt einen Neu­zu­gang. Die anste­henden Wahlen und das Ende des Trans­fer­fens­ters waren die Haupt­gründe. Sie mussten jetzt zugreifen und das konnten sie nur, weil Man­chester City den Preis gesenkt hat.
Wollte Man­City sein enfant ter­rible“ los­werden?
Ihnen war bewusst, dass der Ver­kauf jetzt statt­finden musste. Aber sie mussten runter mit dem Preis. Die Krise ist Ita­lien omni­prä­sent und ganz ehr­lich: Wer bezahlt schon 35 Mil­lionen für einen Spieler, der nicht mal zum Ein­satz kommt? City hatten ihn jetzt zwei­ein­halb Jahre, aber es lief nicht gut. Des­wegen musste er weg. Mai­land hat einen guten Preis raus­ge­schlagen und wird ihn nun über sechs Jahre in Raten abbe­zahlen. 

Gerade erst musste Mai­land mit Pato einen ihrer jüngsten Spieler ziehen lassen. Was bedeutet der Balo­telli-Zugang für den AC Mai­land?
Das junge Sturmduo Ste­phan El Shaarawy (Jahr­gang 92) und Balo­telli (Jahr­gang 90) ist genau das, was das Mai­länder Team benö­tigt. Und mit diesem Transfer hat Balo­telli sich fürs Spielen ent­schieden. Dafür muss er aber wieder an seine beste Leis­tung anknüpfen. Und das war in der EM-Partie gegen Deutsch­land.

Er ist ein ita­lie­ni­scher Super­star. Tut es der Serie A gut, ihn wieder zurück zu haben?
Der mediale Rummel, den er aus­ge­löst hat, ist natür­lich gigan­tisch. Er macht immer von sich reden, auch wenn er nur mit Kum­pels Pizza essen geht. Er ist derart medi­en­er­fahren, dass er genau weiß, wie er ins Fern­sehen und die Zei­tung kommt. Das ist in Ita­lien das Wich­tigste. Ich kenne nur wenige Spieler, die den­selben medialen Effekt erzeugen. Die Fans und die Medien lieben ihn gerade wegen seiner Eska­paden.

Die Sta­dien in Ita­lien haben sich in den letzten Jahren geleert. Kann Balo­telli das Giu­seppe-Meazza-Sta­dion wieder füllen? 
Die Sta­dien sind zur­zeit wirk­lich nicht so voll, wie man es gerne hätte. Ich weiß aller­dings nicht, ob eine Person alleine, ein Sta­dion wieder füllen kann. Die Neu­gierde nach einem so begabten Spieler wird aber viele Zuschauer anlo­cken.

Ita­liens Natio­nal­coach Cesare Pran­delli hat Balo­telli gut im Griff. Denken Sie, dass Mai­land-Trainer Mas­si­mi­liano Allegri mit einem Ego­zen­triker zurecht­kommen wird?
Am Anfang sicher. Balo­telli ist intel­li­gent genug, um zu wissen, dass das Milan seine letzte Chance ist. Auch wenn er erst 22 ist. Wenn ihm das nicht gelingt, wird seine Kar­riere eine fal­sche Wen­dung nehmen, denn zuletzt war er vor allem wegen seiner Dumm­heiten und seinem Pri­vat­leben im Fokus.

Wie haben eigent­lich die Fans von Inter Mai­land auf den Transfer reagiert? Schließ­lich spielte Balo­telli vier Jahre lang dort.
Den Inter-Fans ist das ziem­lich gleich­gültig. Balo­telli hatte nie einen guten Draht zur Mann­schaft und den Fans von Inter. Balo­telli hegte schon als 20-Jäh­riger Sym­pa­thien für den AC Mai­land und betonte damals, dass er Mila­nista“ sei. Es war immer sein Traum beim AC zu spielen.