Ist Ber­lins Ver­tei­di­gung maso­chis­tisch ver­an­lagt?

Maso­chis­tisch ver­an­lagte Men­schen erleben per Defi­ni­tion dann Befrie­di­gung, wenn ihnen Leid zuge­fügt wird. Wenn man den Erfolg der Ber­liner Hertha einmal aus­klam­mert und bei den bis­he­rigen Auf­tritten genauer hin­sieht, kommt man nicht umhin, selbst­zer­stö­re­ri­sche Prä­fe­renzen in der Hin­ter­mann­schaft zu erkennen. Die 1:0‑Führung gegen Nürn­berg am ersten Spieltag muss derart unbe­frie­di­gend gewesen sein, dass Ver­tei­diger Rekik den Akt kurz vor Schluss durch ein Hand­spiel im eigenen Straf­raum auf­re­gender gestal­tete.

Beim nächsten Match auf Schalke über­nahm Grujic schon früh die Hand­ar­beit im per­sön­li­chen Sech­zehner. Dritter Spieltag in Wolfs­burg, eine knappe Füh­rung bis in die 85. Minute – und erneut eine selbst­quä­le­ri­sche Ber­liner Abwehr. Am ver­gan­genen Spieltag erschien diese maso­chis­ti­sche Ver­an­la­gung noch immer nicht gestillt, denn mit Niklas Stark brachte wieder mal ein Ber­liner Ver­tei­diger seinen Gegner in der Box zu Fall. Vier Spiele – vier Elfer gegen die Hertha. Nun geht es nach Bremen. Man kann davon aus­gehen, dass es vor dem Ber­liner Tor heiß her­gehen wird, wofür der Bremer Angriff nicht unbe­dingt den aktiven Part über­nehmen muss.

Hat der Fuß­ball­gott auch eng­li­sche Woche?

Ver­gan­gene Woche verlor die TSG Hof­fen­heim unglück­lich gegen Düs­sel­dorf, unter der Woche hätte man Donezk besiegen müssen. Dass Ishak Bel­fodil gegen Dort­mund kurz vor Schluss den Winner“ auf dem Schlappen hatte, der den Sins­hei­mern laut Julian Nagels­mann mal guttun würde“, diesen jedoch aus zwei Metern übers Tor feu­erte, ver­lei­tete den Coach anschlie­ßend den All­mäch­tigen im Fuß­ball­himmel anzu­flehen: Ich schicke ein Stoß­gebet Rich­tung Fuß­ball­gott. Es wäre gut, wenn er mal wieder über Sins­heim abbiegen würde.“ Dieser ließ sich nicht zweimal bitten. Gleich am Sonn­tag­abend gab er sich die Ehre und besuchte einen Rasen­platz in der Sins­heimer Sil­ber­gasse, wo die Reserve der TSG gegen die Zweite vom FSV Mainz 05 kickte. Und wie gefor­dert, ließ der Heils­bringer einen 3:0‑Sieg springen. Hätte Nagels­mann mal lieber den Begriff Han­nover“ gen Himmel gesandt, dort kickt seine Erste näm­lich heute Abend. Amen.

Kann Hans Sarpei Schalke zum ersten Dreier ver­helfen?

Unter Markus Wein­zierl hat Schalke bereits vor­letzte Saison das Kunst­stück voll­bracht, die ersten fünf Spiele alle­samt zu ver­geigen. Das Flut­licht-Spiel gegen den SC Frei­burg könnte heute Abend zum Wen­de­punkt werden – es wäre nicht das erste Mal. Ziem­lich genau vor acht Jahren, am fünften Spieltag der Saison 2010/2011, war Schalke eben­falls in Frei­burg zu Gast. Auch damals star­tete Schalke mit vier Pleiten in die Spiel­zeit. Im Bade­nova-Sta­dion gelang dann aber der erste Sai­son­er­folg. Um her­aus­zu­finden, wie das geklappt hat, könnte Tedescos Truppe ein­fach mal bei der dama­ligen Mann­schaft nach­haken. Aber zuge­geben, im Ver­gleich zu heute ver­sprüht die Startelf von 2010 mit Spie­lern wie Manuel Neuer, Klaas-Jan Hun­telaar, Raúl, Chris­toph Met­zelder, Jurado und Ivan Rakitic dann doch ein biss­chen mehr den Hauch von Welt­klasse. Hans Sarpei gefällt das.

Beginnt der BVB im 4−5−0?

Lucien Favres Idee, Marius Wolf auf die Neun zu stellen, erwies sich letzten Spieltag nicht als die allzu große Refor­ma­tion für das Dort­munder Angriffs­spiel. Ähn­lich glücklos agierten zuvor bereits Marco Reus und Maxi Philipp auf der Alcácer-Posi­tion, dessen Ein­satz am Mitt­woch­abend noch in den Sternen steht. Um das Fass Mario Götze nicht erneut zu öffnen, käme für die Sturm­spitze der Dort­munder noch eine letzte Option infrage: ein­fach nur mit zehn Mann auf­laufen. Denn wie Marco Reus nach der Partie gegen Hof­fen­heim schon recht pas­send ana­ly­sierte, hat der BVB nach der Roten Karte (Not­bremse Diallo, Anm. d. Red.) komi­scher­weise mehr Fuß­ball gespielt und sich auch mehr zuge­traut.“ Da hast du deinen Match­plan, Lucien. Gern geschehen.