Es ist ja so: Sobald ein fin­diger Sta­tis­tiker eine Ablö­se­summe in Rela­tion zu den geschos­senen Toren setzt, weiß ein Stürmer für gewöhn­lich, dass seine Zeit abge­laufen ist.
 
Marcus Berg pas­sierte das zum ersten Mal im Mai 2010. Er hatte seine erste Saison für den Ham­burger SV absol­viert und musste in der Bild“-Zeitung lesen, dass jeder seiner vier Liga-Treffer den Klub unglaub­liche 2,5 Mio Euro“ gekostet habe.
 
Aber der Stürmer dachte nicht ans Auf­geben. Trotz dieser mick­rigen Tor­aus­beute wollte er nicht weg aus Ham­burg. Marcus Berg, der mit zehn Mil­lionen Euro teu­erste Ein­kauf der Ver­eins­ge­schichte, wollte es allen noch mal beweisen.
 
Am Ende bewies er es Nie­mandem. Der Schwede wurde nach Eind­hoven aus­ge­liehen, kam dann zurück an die Elbe. Traf noch ein Mal, ehe er in Rich­tung Pan­athi­naikos Athen ent­schwand, wo er bis heute spielt. Was blieb, war die Ahnung, dass der HSV mal wieder ein Super­ta­lent zugrunde gerichtet hatte. Dass Berg viel­leicht die fal­schen Mit­spieler hatte. Dass er kein Ver­trauen des Trai­ners genoss.
 
Oder war Marcus Berg nie so gut, wie er immer gemacht wurde?
 
Im Sommer 2009 gab es in Ham­burg jeden­falls kaum ein anderes Gesprächs­thema als den schwe­di­schen Stürmer, der bei der U21-EM sieben Tore in vier Spielen geschossen hatte und zum besten Spieler des Tur­niers aus­ge­zeichnet worden war. Sie schwärmten von seinen schnellen Vor­stößen und Toren aus den schwie­rigsten Lagen. Er könne Hin­ter­kopf­tore wie Uwe Seeler, aber auch 30-Meter-Kra­cher wie Roberto Carlos. Und er sei gewitzt wie Messi und antritt­schnell wie der alte Ronaldo in seinen besten Tagen.
 
Berg spielte damals beim FC Gro­ningen, für den er in 56 Liga­spielen 32 Tore erzielte. In der Saison 2008/09 machte er in der nie­der­län­di­schen Ere­di­vise mehr Tore als Roy Makaay oder Danijel Pranjić. In der Tor­jä­ger­liste standen nur Luis Suarez und Mounir El Ham­daoui vor ihm.

Teil eines Spit­zen­klubs in einer Top­liga“
 
Marcus Berg war das größte Ver­spre­chen des schwe­di­schen Fuß­balls. Er war der Super­stürmer, der die Nord­eu­ro­päer ver­zückte wie einst Henrik Larsson und der sogar, so glaubten einige Experten, eines Tages erfolg­rei­cher sein könnte als Zlatan Ibra­hi­movic.
 
Und dann kam der HSV.
 
Ich bin jetzt Teil eines Spit­zen­klubs in einer Top­liga“, sagte Berg nachdem die Han­seaten den Transfer ver­kündet hatten. Ich will viele Tore schießen.“
 
Nie zuvor hatte der HSV so viel Geld für einen Spieler aus­ge­geben. Aber was sollte schon schief­gehen bei diesem 22-jäh­rigen Wun­der­knaben aus dem schwe­di­schen Torsby?

Nur eine Hand­voll Spiele über 90 Minuten
 
Und im Grunde ging es gar nicht so schlecht los. Bei seinem Debüt gegen Borussia Dort­mund gelang Berg gleich ein Tor, und danach ver­kün­dete er freu­de­strah­lend: Ich bin sehr dankbar. Viel besser hätte es gar nicht laufen können.“
 
Die Sache war nur: Berg, der schon im ersten Spiel von der Bank gekommen war, machte die kom­plette Saison nicht mal eine Hand­voll Spiele über 90 Minuten. Er wurde zum Inbe­griff des Jokers. Und wenn er doch mal von Beginn an spielen durfte, musste er meis­tens vor Abpfiff vom Feld. Bruno Lab­badia setzte lieber auf Mladen Petric oder, in der Rück­runde, auf den Alt-Star Ruud van Nistel­rooy.