Bei einer Welt­meis­ter­schaft gibt es in Deutsch­land 82 Mil­lionen Bun­des­trainer. Min­des­tens. Sei es beim Public Viewing in der ört­li­chen Dorf­kneipe oder in gemüt­li­cher Sofarunde mit ein paar Freunden: Keine 90 Minuten ohne Stamm­tisch­pa­rolen. Warum stellt der Löw denn immer diesen Özil auf?“

Doch was steckt hinter diesem Unmut? Die Ange­wohn­heit der Deut­schen, nie zufrieden zu sein? Oder eher das Lechzen nach Mit­be­stim­mung? Einmal die Auf­stel­lung beim Lieb­lings­klub machen, einmal die rich­tigen Worte in der Kabine finden, einmal die tak­ti­schen Anwei­sungen am Spiel­feld­rand geben, das wäre es doch.

In der Ver­gan­gen­heit ist so man­cher Klub darauf ange­sprungen und hat die Fans teil­haben lassen. Etwa der mexi­ka­ni­sche Klub Mur­cié­lagos FC. In der dritt­klas­sigen Segunda Divi­sion konnten die Anhänger via Twitter abstimmen, ob der Trainer einen Spieler ein­wech­seln soll. Stimmte das Gros der Fans dafür, wurde der Coach am Spiel­feld­rand dar­über infor­miert und schlug zwei Akteure vor. Das letzte Wort oblag schließ­lich den Anhän­gern. Inzwi­schen ist der Klub in der zweiten Liga ange­kommen – wenn­gleich nicht auf sport­li­chem Wege. Da der CD Ira­puato finan­ziell derart ange­schlagen war, dass ihm die Lizenz ver­wehrt wurde, stieg Mur­cié­lagos auf. Das Modell ver­folgt der Klub immer noch.

Ist diese Idee nicht absurd?

Auch For­tuna Köln setzte einst auf das Prinzip der Par­ti­zi­pa­tion und gewährte seinen Fans über das Portal dein​fuss​ball​club​.de“ Mit­sprache. Das Pro­jekt schei­terte jedoch, als der Unmut im Umfeld wuchs. Dieses konnte zwar etwa über die Ver­eins­hymne, nicht aber über ele­men­tare Dinge wie For­ma­tionen, Tak­tiken oder Spie­ler­trans­fers ent­scheiden. Als die Anhänger bei­spiels­weise Trainer Mat­thias Mink beur­lauben wollten, mühte sich das Unter­nehmen DFC, es nicht zu einer Abstim­mung kommen zu lassen. Das kuriose Pro­jekt schei­terte.

Nun setzt auch der kasa­chi­sche Fuß­ball­ver­band auf Trans­pa­renz. Im Februar 2014 hatte Yuri Kras­nozhan das Natio­nal­team als Trainer über­nommen, im Dezember 2015 lief sein Ver­trag aus. Was nun? Diese Frage stellte sich der Ver­band um Prä­si­dent Yerlan Kozha­ga­panov – und reichte diese kur­zer­hand an die Fans weiter. Stimmen min­des­tens deren 50.000 auf der Inter­net­seite des KFF im ersten Wahl­gang ab, ob der Trainer aus dem In- oder dem Aus­land kommen soll, stellt der Ver­band für die zweite Runde vier Kan­di­daten zur Wahl.