Josias Schreyer, der 1. FC Passau war vor einigen Wochen so gut wie abge­stiegen. Mitt­ler­weile sind es nur noch drei Punkte bis zum ret­tenden Ufer. Können Sie Ihr Glück fassen?
Das hat ja nicht nur mit Glück zu tun. Wir wussten auch vorher, dass wir jeden in der Liga schlagen können.

Genützt hat dieses Selbst­be­wusst­sein lange nichts. Der 1. FCP gewann zwar zuletzt fünf Spiele in Folge, davor ging das Team jedoch 16 Mal ohne Sieg vom Platz. Was war los?
Wir sind irgendwie in einen Nega­tiv­kreis­lauf gerutscht. Dazu waren unglaub­lich viele Leis­tungs­träger ver­letzt. Für die Übrig­ge­bli­enen war es dann ein­fach zu sagen: Was sollen wir jetzt noch bewirken, wenn unsere Besten nicht dabei sind?“

Der Knoten ist mitt­ler­weile geplatzt. Was ist anders?
Wir haben bei der Video-Ana­lyse das kom­plette Pro­gramm durch­ge­zogen und an vielen Schrauben gedreht. Wenn du von Spiel zu Spiel Ver­bes­se­rungen siehst und mal eine stär­kere Mann­schaft schlägst, kommt plötz­lich ein neuer Spirit rein.

Sie spre­chen die Ana­lyse an. Welche Fehler waren beson­ders gra­vie­rend?
Das Umschalt­ver­halten war furchtbar. Ebenso wie die Auf­merk­sam­keit auf dem Platz. Wir brauchten beim geg­ne­ri­schen Ein­wurf gefühlte fünf Minuten bis es eine Zuord­nung gab.

Diese Fehler kann ein Trainer doch auch ohne Video-Ana­lyse fest­stellen.
Das hat er auch getan. Aber wenn du einem Spieler nach dem Spiel sagst, was er falsch gemacht hat, heißt es oft: Das stimmt auf keinen Fall. Ich war hell­wach und bin gerannt wie ein Pferd.“ Ganz anders ist es, wenn du deine eigenen Fehler vor ver­sam­melter Mann­schaft auf der Lein­wand bestaunen darfst.

Leidet nicht die Stim­mung, wenn man beim Trai­ning auch noch die Fehler vor­ge­führt bekommt?
Ein­fach ist das für nie­mand. Wir haben bei den Ana­lysen aber immer ein paar wit­zige Sequenzen rein­ge­schnitten. Zum Bei­spiel wie sich der Trainer an der Sei­ten­linie furchtbar über die Mann­schaft auf­regt.

Ver­gan­gene Saison hat die Mann­schaft 19 Spiele am Stück gewonnen. In dieser Spiel­zeit ging sie in der glei­chen Liga 16 Mal ohne Sieg vom Platz. Bei allem Respekt, war neben der Ver­letz­ten­mi­sere auch eine Por­tion Über­heb­lich­keit dabei?
Das kann schon sein. Wir sind in der Vor­saison ähn­lich schlecht gestartet. Ohne viel dafür zu tun, hat sich damals das Blatt gewendet und wir waren plötz­lich unschlagbar. Wahr­schein­lich haben einige geglaubt, dass es dieses Jahr wieder so läuft.

Der 1. FC Passau ist bei der Erfolgs­serie in der Vor­saison durch ein Ritual auf­ge­fallen. Aus­wärts­siege hat die Mann­schaft mit Jubel­fotos vor den Orts­schil­dern der Gegner fest­ge­halten. Waren diese Teams des­halb beson­ders moti­viert?
Viel­leicht auch das. Heute macht so etwas im Internet ja auch schnell die Runde. Aber wer ver­steht, worum es im Ama­teur­fuß­ball geht, kann über solche Aktionen lachen. Beliebter sind wir durch die Aktionen aber sicher nicht geworden.

Passau hat noch drei Spiele und drei Punkte Rück­stand auf das ret­tende Ufer. Die Mann­schaft muss aber noch gegen den Ersten und Dritten in der Tabelle ran. Wie groß ist der Glaube die Liga zu halten?
Wir sind sehr zuver­sicht­lich. Das Momentum ist auf unserer Seite. Ziel ist aus den ver­blei­benden Par­tien sechs Punkte zu holen. Das sollte rei­chen.