Am 3. Dezember wissen wir end­lich mit abso­luter Sicher­heit, wer der beste Fuß­baller des ver­gan­genen Jahres war. Dann näm­lich wird der Balon d’Or ver­geben. Der gol­dene Polar­stern, der Fuß­ball­fans und ‑Experten Ori­en­tie­rung gibt, in der schwie­rigen Frage: Wel­cher Spieler ist gut und wel­cher ist schlecht? Eine Insti­tu­tion, ein unfehl­bares Gre­mium. So zumin­dest stellt die Zei­tung France Foot­ball die von ihr ver­ge­bene Aus­zeich­nung gerne dar. Über Sinn und Unsinn einer Indi­vi­du­al­aus­zeich­nung im Fuß­ball kann ohnehin gestritten werde, noch dazu, wenn sie posi­ti­ons­über­grei­fend ver­geben wird. Doch, auch ohne in diese Debatte ein­zu­steigen, reicht der Blick auf einen ein­zigen Spieler, um zu erkennen, dass die Bewer­tung sich eher an Trends und Ver­markt­bar­keit als an kon­stanter Leis­tung ori­en­tiert: Robert Lewan­dowski.

Sein Name fehlt näm­lich auf der Liste der 30 angeb­lich besten Fuß­baller der Welt. In den großen euro­päi­schen Ligen gibt es drei Spieler, die im Jahr 2018 über 40 Tore geschossen haben: Lionel Messi, Cris­tiano Ronaldo und Lewan­dowski. Eine über­ra­gende Quote. Der Bay­ern­stürmer schoss in den ver­gan­genen elf Monaten alle 90 Minuten ein Tor. Eine Sta­tistik, die ohne Wenn und Aber für einen Platz unter den besten 30 rei­chen sollte. Nimmt man dazu, wie stark Lewan­dowski in das Offen­siv­spiel der Bayern ein­ge­bunden ist, wie viel er arbeitet und er mit uner­müd­li­chen Läufen die Löcher in die Ver­tei­di­gung reißt, die Thomas Müller dann ver­sucht zu deuten, spä­tes­tens dann wird die Nicht­no­mi­nie­rung uner­klär­lich.

Sex­ap­peal wie Reiner-Cal­mund-Body­pain­tings

Noch mehr, wenn man sieht, welche Spieler es an seiner Stelle in die erha­bene Aus­wahl geschafft haben. Da steht bei­spiels­weise Karim Ben­zema, der zwar mit Real Madrid die Cham­pions League gewonnen hat und im größten euro­päi­schen Wett­be­werb fünf Mal traf – genauso oft wie Lewan­dowski – in der Liga aller­dings am ent­täu­schenden Abschneiden seines Ver­eins, mit fünf Toren in 32 Spielen, einen nicht uner­heb­li­chen Anteil hatte. Den WM-Sieg seiner Lands­männer ver­folgte er vor dem Fern­seher. Auch die Nomi­nie­rung seines Ver­eins­kol­le­gens Isco ist nur schwer zu ver­stehen. Der Spa­nier durfte 2018 im Verein ganze vier (!) Spiele über 90 Minuten spielen, Supercup und Pokal mit ein­ge­rechnet. Paul Pogba hat zwar eine über­ra­gende Welt­meis­ter­schaft gespielt, aber über das gesamte Jahr 2018 hinweg, das nun mal aus­ge­zeichnet wird, eher eine beschä­mende Figur abge­geben. Auch bei Edison Cavani, Roberto Fir­mino und Sergio Agüero ist es quasi unmög­lich zu argu­men­tieren, dass sie über die Spanne des ver­gan­genen Jahres besser gespielt hätte als der Bay­ern­stürmer.

Dass Lewan­dowski zu den besten Stür­mern der Welt gehört, ist unbe­stritten. Dass er aller­dings nicht auf der Liste der 30 besten Fuß­baller steht, liegt vor allen Dingen an den zwei Pro­blemen, die Lewan­dowski hat: Er ist Pole und er spielt in der Bun­des­liga. Zwei Fak­toren, die aus der Sicht der tar­get­group-affinen Mar­ke­ting­gurus des modernen Fuß­balls in etwas so viel Sex­ap­peal haben, wie ein DIN-A3 Kalender mit dem Titel Reiner Cal­mund – die schönsten Body­pain­tings aus Senf und Ketchup.“

Der Traum von Madrid

Man sollte ja meinen, dass es in der deut­schen Liga auch ein, zwei Spieler gibt, die ganz ordent­lich gegen den Ball treten können, doch wer die Kan­di­da­ten­liste des Balon d’Or genauer unter­sucht, stellt fest: 26 der 30 der angeb­lich besten Fuß­baller der Welt spielten im ver­gan­genen Jahr ent­weder in Spa­nien oder in Eng­land. Also in den Ligen, die auf Face­book auf über 40 Mil­lionen Likes kommen und über die 7 Mil­lionen Fans des grauen Ent­leins Bun­des­liga nur hämisch lachen können. Die vier anderen Spielen setzen sich zusammen aus dem Sturm­trio des neu­rei­chen Hype­klubs aus Paris: Kylian Mbappe, Edison Cavani und Neymar – und Mario Mandzukic, der als Teil von Kroa­tiens Natio­nal­mann­schaft wäh­rend der WM (berech­tig­ter­weise) DAS DING in den sozialen Netz­werken war, aber ansonsten in seinem Verein auf zehn Tore im Jahr 2018 kam.

Kein Wunder also, dass Lewan­dowski jedes Jahr im März, sobald die ersten Son­nen­strahlen den Schnee an der Säben­er­straße schmelzen lassen und das saf­tige Grün des baye­ri­schen Rasens zum Vor­schein kommt, damit beginnt, von Madrid zu träumen. Dort hat es dann näm­lich schon ange­nehme 20 Grad und er muss nur ein Sechstel der Tore schießen und gehört plötz­lich in den Augen von France Foot­ball doch in die erle­sene Aus­wahl der 30 besten Spieler des Pla­neten.