Seite 2: Der Ruch von Menschenhandel

Und ja, in den Para­grafen steht, dass nur ein Klub oder ein Spieler selbst die Trans­fer­rechte halten kann. Aber das ist leicht zu umgehen, indem eben zusätz­liche Ver­ein­ba­rungen über die wirt­schaft­li­chen Rechte“ geschlossen werden, die im Grunde nichts anderes besagen als: Bei Trans­fers ver­dient der Investor mit, der im Gegenzug zuvor für Ablöse und Gehalt, zumin­dest teil­weise, auf­kommt. In der Regel wird beim Ver­kaufs­erlös dann halbe-halbe gemacht.

Jochen Lösch mischt welt­weit auf diesem Gebiet mit. Er macht auch immer mal wieder Geschäfte mit Bun­des­li­gisten, Bayer Lever­kusen ist ein Kunde. Der Deutsch-Uru­gu­ayer lei­tete das Aus­lands­ge­schäft von Traffic Sports aus São Paulo und sagt: Ohne dieses Modell würde der glo­bale Trans­fer­markt zusam­men­bre­chen. In Süd­ame­rika ist ein sol­cher Rech­te­handel seit vielen Jahren gang und gäbe, manche klammen Klubs könnten ohne ihn kaum noch Kader zusam­men­stellen. Traffic unter­hält mit Despor­tivo Brasil sogar eine eigene Firma mit Jugend­in­ternat und Pro­fi­team, in dem quasi Talente für den Invest­ment­markt aus­ge­bildet werden.

Man kann mit einem Spieler Mil­lionen gewinnen“

Mit GD Estoril aus Por­tugal gibt es einen Traffic-Klub als Schau­fenster für solche Spieler, der in der Europa League mit­spielt. Das ganze Geschäft funk­tio­niert nur über ein grö­ßeres Port­folio an Spie­lern, denn alles andere wäre viel zu ris­kant“, sagt Lösch. Man kann mit einem ein­zigen Spieler Mil­lionen gewinnen – oder ver­lieren.“ Traffic han­tiert mit dem Geld von Groß­in­ves­toren.

Im Prinzip ein ganz übli­ches Modell im Pro­fi­ge­schäft“, sagt auch Jörg Jakobs, Sport­di­rektor des 1. FC Köln. Sein Klub hatte einen Traffic-Spieler im Kader, Ver­tei­diger Bruno Nasci­mento, inzwi­schen an GD Estoril wei­ter­ge­reicht. Jakobs betont: Wir hatten in der Ver­gan­gen­heit schon öfter Inves­toren im Boot, mit denen es so lief, dass sie an even­tu­ellen zukünf­tigen Trans­fer­erlösen betei­ligt werden.“ Lösch sagt: Der FC Bayern, Man­chester United oder Real Madrid brau­chen das nicht, die haben genug eigenes Geld. Aber sonst machen das viele Ver­eine so. Nur reden sie nicht gerne dar­über, weil dem Ganzen aus unver­ständ­li­chen Gründen etwas Schmud­de­liges anhaftet.“ Der Ruch von Men­schen­handel.

Die Hoff­nung auf den dicken Fisch

Das stört das Han­sea­ti­sche Fuß­ball Kontor nicht. Deutsch­land­weit ein­malig, hat man in Schwerin das Fuß­ball-Invest­ment für den kleinen Mann erfunden. Schon über 1000 Anleger sind an Bord. Sie erwerben Anteile am Spieler, zuge­spitzt: Sie kaufen bei einem Spieler ein Bein, bei einem anderen nur den rechten Zehen­nagel. Sie mischen so mit in einem glo­balen Geschäft“, wie See­mann es nennt. Und so hoffe man, irgend­wann mal einen dicken Fisch zu angeln, der für Mil­lionen an einen Top­klub wei­ter­ver­kauft wird. Es würde auch die Anleger freuen. Den einen oder anderen Transfer mit zwei- bis drei­hun­dert­fa­cher Ren­dite habe man jeden­falls schon getä­tigt.

Neu­lich blieb ein maze­do­ni­scher Spieler aus dem Invest­ment nur wenige Wochen in Wil, quasi als Durch­gangs­sta­tion – bevor er weiter in die Ukraine trans­fe­riert wurde. Mit enormem Gewinn.