Seite 3: „Das Tor von Leon Dajaku zum 2:2 für die Bayern bedeutete Emotionen pur“

Benno Möhl­mann hatte Sie 2017 von Lechia Gdánsk zu Preußen Münster geholt. Wie lief das ab?
Ich habe in Polen ein schwie­riges Jahr durch­lebt, in dem ich nur drei Liga­spiele gemacht habe. Benno Möhl­mann kannte mich noch aus der zweiten Liga, als ich mit Union Berlin gegen den FSV Frank­furt ein Tor gemacht habe. Für mich war zu dieser Zeit ein­fach wichtig, Spiel­praxis zu sam­meln – egal in wel­cher Liga. Ich war dann in Münster und habe richtig gute Gespräche mit Benno Möhl­mann geführt. So habe ich mich ein halbes Jahr aus­leihen lassen und wollte danach nicht mehr weg, weil ich mich so wohl­ge­fühlt habe.

Vor der ver­gan­genen Saison sind Sie zu Ein­tracht Braun­schweig gewech­selt und trugen mit 18 Toren maß­geb­lich zum Auf­stieg bei. Die Hälfte davon erzielten Sie nach der Corona-Pause. Worauf ach­teten Sie in dieser freien Zeit beson­ders?
Wäh­rend der Pause war ich selbst­ver­ständ­lich viel laufen und habe für mich per­sön­lich viel gemacht. Ich wollte immer für den Tag X, an dem es wei­ter­geht, bereit sein und dann ablie­fern können.

Nach einem 3:2‑Heimsieg gegen Waldhof Mann­heim am vor­letzten Spieltag ver­folgten Sie die letzten Minuten des Par­al­lel­spiels zwi­schen Bayern II und dem MSV Duis­burg auf der Anzei­ge­tafel im Sta­dion. Erst durch das 2:2 in der Nach­spiel­zeit war der Auf­stieg per­fekt. Wie haben Sie diese Minuten erlebt?
Das Bild auf der Anzei­ge­tafel war ein biss­chen ver­zö­gert, aber wir haben irgendwo im Umfeld des Sta­dions schon Leute schreien gehört. Daher konnten wir uns schon denken, was wir gleich zu sehen bekommen. Das Tor von Leon Dajaku, der für die Bayern das 2:2 gemacht hat, bedeu­tete Emo­tionen pur. Wir kannten kein Halten mehr und sprangen durch den Straf­raum. Wir hatten uns alle das Ziel Auf­stieg gesteckt und eine schwere und tur­bu­lente Saison hinter uns. Dann kam die Corona-Pause dazu und viele Fak­toren haben für uns gespielt. Von daher waren das unglaub­liche Momente, von denen ich mir wün­sche, jeder Fuß­baller könnte das erleben.

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Der Moment, in dem alle Dämme bra­chen: Ein­tracht Braun­schweig ist zurück in der 2. Bun­des­liga.

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Sie sind jetzt 26 und es wirkt ein biss­chen so, als würde Ihre Kar­riere jetzt so richtig Fahrt auf­nehmen.
Das ist natür­lich schön, weil ich in Polen in einer Phase war, in der es nicht gut lief. Ich habe mich trotzdem da raus­ge­kämpft und bin auf gutem Weg, meine Ziele zu rea­li­sieren. Schritt für Schritt will ich noch mehr arbeiten und immer besser werden.

Nach den ver­gan­genen Monaten und dem Pokal­spiel gegen Hertha BSC haben Sie sich in den Fokus meh­rerer Ver­eine gespielt. Was sagen Sie den Ein­tracht-Fans, die Angst haben, Martin Kobyl­anski noch in dieser Trans­fer­pe­riode zu ver­lieren?
Den Fans kann ich sagen, dass ich noch zwei Jahre Ver­trag habe und ich mich hier wohl fühle. Aber auch, dass ich weiß, wie schnell es in der tur­bu­lenten Welt des Fuß­balls gehen kann. Ich kann sowohl einen Ver­bleib als auch einen Wechsel nicht aus­schließen. Ich ver­suche mich aus vielen Dingen wie Spe­ku­la­tionen raus­zu­halten, darum küm­mern sich mein Papa und mein Berater. Für mich zählt die Leis­tung auf dem Platz.

In den kom­menden Wochen dürfen die Sta­dien immerhin wieder zu 20 Pro­zent gefüllt werden. Freuen Sie sich darauf, Ihre Tore wieder mit den Fans zu beju­beln?
Defi­nitiv! Da kann ich mir immer wieder was Schönes über­legen beim Tor­jubel. Fuß­ball macht mir ein­fach viel mehr Spaß, wenn ich höre, wie die Fans sich freuen. Egal ob wir vorne oder zurück liegen, es sind viel mehr Emo­tionen dabei und die Fans pushen uns. Des­halb wäre es schön, wenn sich alle an die Hygie­nekon­zepte halten und nach und nach wieder mehr Fans ins Sta­dion kommen können.