Seite 2: „Vielleicht muss ich mir für den nächsten Elfmeter eine neue Strategie überlegen“

Sie sagten 2019, es gebe kaum etwas Gei­leres als einen Sieg am letzten Spieltag einer Saison am Frei­tag­abend unter Flut­licht. Wie fühlt sich so ein Sieg zu Beginn einer Saison an?
Es war end­lich wieder Atmo­sphäre im Sta­dion. Die 500 Men­schen, die da waren, haben richtig Stim­mung gemacht. Bei dem Spiel­ver­lauf konnten wir den Fans alles bieten. An diesem Frei­tag­abend waren auch nur zwei Spiele im DFB-Pokal ange­setzt, sodass viele Augen auf uns gerichtet waren. Das macht den Sieg noch ein biss­chen schöner.

Wie erin­nern Sie sich an Ihre drei Treffer?
Der Boden war nass, des­wegen habe ich bei dem Frei­stoß einen Auf­setzer ver­sucht und darauf gehofft, dass der Tor­wart spe­ku­liert. Hat funk­tio­niert, meinen Straf­stoß hat er dagegen abge­wehrt. Viel­leicht muss ich mir für den nächsten Elf­meter eine neue Stra­tegie über­legen, mir vorher eine Ecke aus­su­chen und ihn rein­ma­chen. In dem Fall war es gut, dass ich direkt nach­ge­gangen bin und den Nach­schuss ver­wertet habe. Und beim dritten Tor legt Fabio (Kauf­mann; d. Red.) super auf und mit zwei Toren im Hin­ter­kopf gelang mir dann auch so eine Direkt­ab­nahme.

Ich nehme mir immer vor, gelassen zu bleiben, aber ich muss gestehen: Beim Trash­talk gehe ich gern voran“

Martin Kobylanski

Wann haben Sie gemerkt, dass gegen die Hertha wirk­lich was zu holen ist?
Wir wussten schon vor dem Spiel, dass wir gewinnen können. Das erste Tor nach einer Minute spielte uns natür­lich in die Karten. Wir legten nach und von da an war das Selbst­be­wusst­sein schon sehr hoch.

Dann kas­sierten Sie in nur sechs Minuten zwei Tore zum 2:2.
Das ist erstmal in den Köpfen, aber trotzdem hatten wir gemerkt, dass das so ein Tag ist, an dem etwas gehen kann. Wir erzielten noch vor der Pause das 3:2 und dann hat uns der Trainer in der Halb­zeit die pas­senden Impulse mit­ge­geben.

Gab es Psy­chotricks oder Trash­t­alks, als es für Sie besser lief als für den ver­meint­li­chen Favo­riten?
Die Trash­t­alks gibt es immer, da kommen wir nicht herum, egal ob wir führen oder zurück­liegen. Ich nehme mir immer vor, gelassen zu bleiben, aber ich muss gestehen: Beim Trash­talk gehe ich gern voran (lacht.)

Wie gehen Sie als neuer Kapitän mit der gestie­genen Ver­ant­wor­tung um?
Das ist so nicht ganz richtig, der Trainer hat ganz deut­lich gesagt, dass er bis zur Län­der­spiel­pause abwarten möchte, um einen offi­zi­ellen Kapitän zu bestimmen. Bis dahin haben wir noch drei Spiele, in denen ich jetzt die Binde trage und dann werden wir sehen.

Trotzdem über­nehmen Sie auf dem Platz Ver­ant­wor­tung. Nicht zuletzt mit drei Tref­fern gegen einen Bun­des­li­gisten. 
Selbst wenn ich keine drei Buden mache, ver­suche ich immer vor­an­zu­gehen. Ich war auch in Münster ein paar Mal Kapitän. Vor allem wenn es mal nicht so läuft, wird es wichtig, Ver­ant­wor­tung zu über­nehmen. Ob ich jetzt drei Tore schieße oder nicht, ändert nichts an meiner Ein­stel­lung.