1.
Vor dem End­spiel ver­ab­re­dete sich ein 11FREUNDE-Mit­ar­beiter mit Bayern-Legende Hansi Pflügler, um mit ihm über ver­gan­gene Erfolge zu plau­schen. Beim ersten Kon­takt per Email kam ihm jedoch ein Wort abhanden, so dass die Begrü­ßungs­floskel recht ruppig klang: Hallo, Pflügler!“ Der Ex-Eisenfuß mag gegrü­belt haben, wie er sich revan­chieren könnte. Doch seine Über­le­gungen liefen ins Leere. Denn der Kol­lege heißt, bra­si­lia­nisch anmu­tend, Fabian Jonas, was eine Unter­schei­dung zwi­schen Vor- und Nach­namen und des­halb auch eine kaser­nen­hof­ar­tige Anrede unmög­lich macht. Schade, Pflügler!

2.
Es war das wohl käl­teste Pokal­fi­nale der Geschichte. Bei fünf Grad Außen­tem­pe­ratur hatte sich Bayern-Manager Uli Hoeneß eine Woll­decke über die erfrie­renden Beine gelegt. Warum nie­mand einen der Myriaden von Heiz­pilzen, unter denen die Jung­väter im nur wenige Kilo­meter ent­fernten Stadt­viertel Prenz­lauer Berg auch bei Schnee­stürmen ihren Milch­kaffee im Freien trinken, ins Olym­pia­sta­dion her­über geschafft hatte, um den armen Mann warm zu halten, war ein ärger­li­ches Anzei­chen man­gelnder Gast­freund­schaft.

3.
Auf die Frage, warum der BVB eine Woche zuvor im Liga­spiel gegen den FC Bayern mit 0:5 unter­ge­gangen sei, bestach Kapitän Chris­tian Wörns im Inter­view mit der Süd­deut­schen Zei­tung“ durch ana­ly­ti­sche Bril­lanz: Weil wir uns haben abschlachten lassen.“

4.
Die rus­si­sche Raum­kapsel Sojus“ ver­fehlte bei Ihrer Rück­kehr von der inter­na­tio­nalen Raum­sta­tion ISS am Samstag ihren geplanten Lan­de­platz um gut 420 Kilo­meter. Fast ebenso weit ent­fernt stand Dort­munds Ver­tei­diger Dede von Bayern-Stürmer Luca Toni und konnte nur noch sche­men­haft erkennen, wie dieser das 1:0 erzielte. Das Raum­fahrt­kon­troll­zen­trum kün­digte umfas­sende Unter­su­chungen an.

5.
Eben dieser Dede wurde von ZDF-Kom­men­tator Béla Réthy kon­se­quent Dädä“ genannt. Und so war man über die gesamte Länge der Partie – ener­viert von Réthys Ehr­geiz, Eigen­namen lan­des­ty­pisch zu into­nieren – zuneh­mend ver­sucht, Sprache hassen zu lernen.

6.
Réthy wusste zu ver­melden, dass Thomas Dolls Zukunft als Dort­munder Trainer zutiefst unsi­cher sei. Doch die pas­sende Rede­wen­dung, um diese Infor­ma­tion zu über­mit­teln, war ihm ent­fallen. Also schickte er einen Satz in den Äther, der nicht wenige Zuschauer vom Sofa fallen ließ: Thomas Doll ist umstritten – das pfeifen die Brief­tauben von den Dächern.“ Auch wir stürzten in die Tiefe – mit dem alten Ber­liner Sprich­wort im Kopf: Alle Eulen heulen, nur die Litfaß-Äule nicht.“

7.
Nach dem Ende der regu­lären Spiel­zeit wirkte Bayern-Trainer Ottmar Hitz­feld beim Ver­such, seine Mann­schaft für die Ver­län­ge­rung zu moti­vieren, seltsam iso­liert – ganz so wie ein Ober­stu­di­en­di­rektor, der auf dem Abi-Ball in Mitten seiner Schüler ver­krampft lächelnd Anschluss beim Fox­trott sucht.

8.
Auch nach über zwei Stunden war der ret­tende Heiz­pilz noch immer nicht gelie­fert worden. Wie durch­ge­froren Uli Hoeneß gewesen sein muss, wurde deut­lich, als das 2:1 fiel: Noch bevor Co-Trainer Michael Henke mit seinem Chef Ottmar Hitz­feld abklat­schen konnte, wie er es seit Jahr und Tag kata­pult­artig tut, hatte Hoeneß ihn bei­seite gedrängt und auf der Suche nach einem kleinen biss­chen Wärme seine Wange an Hitz­felds gepresst. Ein rüh­rendes Bild. Für eine Sekunde schien es sogar, als sei der Top-Manager ein­ge­schlafen.

9.

Als die in ein Kleid von aus­ge­suchter Häss­lich­keit gewan­dete Hos­tesse den DFB-Pokal zum Sie­ger­po­dest trug, meinte ein Fern­seh­zu­schauer, sie schon einmal irgendwo gesehen zu haben: Das ist doch die, die früher bei ›Alles nichts, oder?‹ immer die Torten rein gebracht hat!“

10.
Wollte Bayern-Lümmel Franck Ribéry, als der mit dem Pokal davon rannte, viel­leicht gar nicht witzig sein, son­dern mög­lichst schnell zu dieser betö­renden Glit­zer­frau in die Kata­komben gelangen?

11.
Den Dort­mun­dern zum Troste möchten wir ihnen einen Satz des guten alten Fer­nandel zurufen: Man sollte schon des­halb kein langes Gesicht machen, weil man dann mehr zu rasieren hat.“