Seite 2: „Natürlich habe ich die ein oder andere falsche Entscheidung getroffen“

Aber brau­chen Fans nicht gewisse Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­guren, gerade in einem Tra­di­ti­ons­klub wie dem FCK?
Grund­sätz­lich ja, aber auch hier hat sich die Zeit geän­dert. In ver­gleich­baren Ver­einen, die mit Abstieg und Auf­stieg zu tun haben ist die Fluk­tua­tion größer. Wenn Spieler ein Angebot aus der Bun­des­liga bekommen, bitten sie mich, Ihnen diese Chance nicht zu ver­sauen. Meine Auf­gabe ist dann, es so zu regeln, dass der FCK gut aus der Sache raus­kommt. Was soll ich mit einem Spieler, der hier jah­re­lang mit einem langen Gesicht rum­läuft, weil wir ihm eine Mög­lich­keit ver­bauen? Zu meiner aktiven Zeit waren wir unter den Top 6 der Bun­des­liga und da waren die Unter­schiede zwi­schen den Ver­einen nicht so wahn­sinnig groß wie heute. Aber das heute noch jemand bei uns sechs Jahre in einer domi­nanten Rolle spielt, gibt es nicht. Die meisten Ver­än­de­rungen im Fuß­ball sind kon­trär zum Wunsch­denken des typi­schen FCK-Fans.

Aber Sie können doch der Region nicht allein die Schuld geben. Sie sagten, dass finan­ziell und struk­tu­rell alles gut gelaufen ist. Wo haben Sie die Fehler gemacht?
Ich gebe nie­mand eine Schuld, ich ver­suche aus meiner Sicht eine Situa­tion zu beschreiben. Natür­lich habe ich die ein oder andere fal­sche Ent­schei­dung getroffen. Die Trans­fers zu Bun­des­li­ga­zeiten sind nicht alle auf­ge­gangen. Ich lag mit der Ver­pflich­tung eines Trai­ners daneben und einige Per­so­nal­ent­schei­dungen stellten sich im Nach­hinein nicht als opti­male Lösung dar. Außerdem ist es nicht gelungen, zu Bun­des­li­ga­zeiten die Wei­chen für die Zukunft zu stellen: In dieser Erfolgs­phase hätten wir u. a. die Aus­glie­de­rung der Pro­fi­ab­tei­lung schaffen müssen, um den Verein fle­xi­bler auf­zu­stellen. Wir waren zu sehr mit der Kon­so­li­die­rung des FCK beschäf­tigt. Und last but not least: Ich hätte die Viel­zahl der Auf­gaben, die meine Posi­tion beinhaltet, früher auf meh­rere Köpfe ver­teilen müssen.

Sie stehen auch abseits vom sport­li­chen Bereich in der Kritik.
Vielen Leuten kann man es ein­fach nicht recht machen. Wir haben jetzt im finan­zi­ellen Bereich zum zweiten Mal in Folge ein Plus gemacht und die Betriebs­prü­fungen bis Juni 2014 durch­ge­zogen. Stra­te­gisch haben wir alle Ziele erreicht, wie etwa den Rück­kauf des Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum, den neuen Pacht­ver­trag oder den neuen Ver­mark­ter­ver­trag. Die Pläne für den Ausbau liegen fertig in der Schub­lade.

Den­noch machen sich viele im Umfeld Sorgen um die finan­zi­elle Situa­tion. Der Lau­terer ist miss­trau­isch, seit hier Ende der neun­ziger Jahre von der dama­ligen Klub­füh­rung viel Ver­trauen ver­spielt wurde.
Die meisten Vor­würfe aus den letzten Jahren sind alleine mit den abge­schlos­senen Betriebs­prü­fungen als meist unrichtig aus der Welt geschafft. Aus meiner Sicht fehlt zudem man­chen Men­schen, die über das Thema reden und schreiben, ganz ein­fach die wirt­schaft­liche Kom­pe­tenz.

Ex-Auf­sichtsrat Dieter Buch­holz bei­spiels­weise oppo­niert auch des­wegen gegen Sie, weil Sie ihm vor­werfen, zu seiner Zeit als Auf­sichtsrat sei auch nicht alles optimal gelaufen.
Der Ver­gleich der Bilanzen von 2008 und von heute klärt im wirt­schaft­li­chen Bereich auf, die erreichten stra­te­gi­schen Ziele habe ich ange­spro­chen und die sport­liche Situa­tion von damals bedarf keiner beson­deren Erwäh­nung im Ver­gleich zu heute.

Manche gehen sogar soweit, dass sie um die Lizenz für die kom­mende Saison fürchten.
Das müssen wir uns auch jedes Jahr anhören. Obwohl wir sie jetzt drei Jahre hin­ter­ein­ander bekommen haben. Ohne Auf­lagen.

Die finan­zi­elle Zukunft des Ver­eins ist also gesi­chert.
Ja! Auch wenn es durchaus sein kann, dass am Ende dieser Saison ein Minus stehen könnte. Wir haben aber das Selbst­ver­trauen zu sagen, dass wir das auf­fangen. Und, ja, das könnte durch einen Ver­kauf pas­sieren.