Seite 4: „Viele meinen, mitreden zu können“

Fühlen Sie sich als Sün­den­bock?
Irgend­wann hat es nichts mehr gebracht, die Dinge logisch zu erklären. Wenn in Lau­tern die Grund­stim­mung im Keller ist, kann man nicht mehr viel ändern. Dieser Verein lebt von Stim­mungen und die Stim­mung ist zur­zeit schlecht. Ich werde einige Leute von ihrer nega­tiven Mei­nung nicht mehr abbringen. Des­halb ist die Zeit gut für einen Neu­start. Ich habe in der Pres­se­kon­fe­renz gesagt, der Verein steht über dem Ein­zelnen. Und dann muss ich mir auch ein­ge­stehen, dass ich nicht mehr der rich­tige Mann zur rich­tigen Zeit bin.

Hätten Sie an bestimmten Stellen früher sagen sollen: Das macht jetzt mal ein anderer?“.
Defi­nitiv. Mein größter Fehler war, nicht recht­zeitig darauf hin­zu­weisen, dass mein Arbeits­be­reich zu kom­plex war. Ein Vor­stands­vor­sit­zender kann sich nicht gleich­zeitig voll­um­fäng­lich um den Sport und die kom­plette Stra­tegie des Ver­eins küm­mern. Das habe ich unter­schätzt.

Als Sie im Früh­jahr 2014 den Auf­stieg erneut ver­passten, stellten Sie mit Markus Schupp einen Sport­di­rektor ein, nur um ihn 15 Monate später wieder zu ent­lassen.
Das war keine opti­male Per­so­nal­ent­schei­dung, das nehme ich auf meine Kappe. Unsere Vor­stel­lungen, was man für diesen Posten mit­bringen muss, sind zu weit aus­ein­ander gegangen. Mehr möchte ich nicht dazu sagen.

Ihrem Image hat diese Per­so­nalie nicht gerade gut getan.
Ob der Kader schlecht zusam­men­ge­stellt ist, die Spieler nicht kämpfen, das Bier zu warm oder die Sta­di­on­wurst ange­brannt war, irgend­wann gab es für einige Leute sowieso nur noch einen Schul­digen.

Stefan Kuntz, wie geht es mit Ihnen weiter?
Dazu habe ich aktuell noch keine Idee. Ich kon­zen­triere mich voll auf den FCK.

Bis zum 30. Juni 2016?
Das werden wir sehen. Ich habe Nikolai Rie­sen­kampff, dem Vor­sit­zenden des Auf­sichts­rates, ver­spro­chen: Nick, ich bringe meinen Job hoch­pro­fes­sio­nell zu Ende, ich bin eng am Trainer und an der Mann­schaft. Aber es ist besser, zeitnah einen Nach­folger zu finden, der die nächste Saison plant.

Was würden Sie einem poten­zi­ellen Nach­folger raten?
Er sollte wissen, dass die Kom­ple­xität der Auf­gabe FCK vielen nicht bewusst ist und sich den­noch in dieser Stadt viele ein Urteil zu diesem Unter­nehmen anmaßen und meinen, mit­reden zu können. Das macht es Ver­ant­wort­li­chen sehr schwer.

Was hätten Sie sich vom Umfeld gewünscht?
Mehr Ver­trauen.

Haben Sie sich in den acht Jahren als Vor­stands­boss beim FCK ver­än­dert?
Auf jeden Fall. Ich bin lange nicht mehr so emo­tional wie zu meinen Anfangs­zeiten, ich lasse nicht mehr so viel an mich ran.

Aber Sie sind doch stink­sauer, oder?
Nein, gar nicht. Damit würden Sie mir unter­stellen, dass es mir primär um meine Person geht. Das tut es nicht. Ich muss nur am Ende des Tages in den Spiegel schauen können. Das kann ich. Auch wenn ich im Nach­hinein man­ches anders machen würde.