Dieser Text erschien erst­mals in 11FREUNDE #218. Das Heft ist hier bei uns im Shop erhält­lich. 

Das Lus­tigste an Davide Mos­car­delli ist, dass er selbst nicht ganz ver­steht, was an ihm so lustig sein soll. Das Zweit­lus­tigste ist sein Bart. Ein unge­wöhn­lich langer, flau­schiger und gepflegter Bart; für viele der schönste der ganzen Fuß­ball­welt. Mos­car­delli pflegt ihn mit Hin­gabe. Fünf­zehn Minuten am Tag, wenn es schnell gehen muss, sonst dreißig Minuten. Wenn er sich bewegt, wippt der Bart immer mit, seit Jahren schon, bei unzäh­ligen Frei­stößen, Fall­rück­zie­hern und Vol­ley­schüssen, die bei Mos­car­delli auf­fal­lend oft im Tor­winkel landen.

Nach­zu­sehen war das in einem im Mai ver­öf­fent­lichten You­tube­video mit dem Titel Davide Mos­car­delli is too good for Ballon d’Or“. Das klingt iro­nisch, erscheint nach dem rund acht­mi­nü­tigen Film­chen aber höchst plau­sibel. Es zeigt den Mit­tel­stürmer dabei, wie er sämt­liche Mittel nutzt, die der Fuß­ball einem begabten Spieler wie ihm bietet. Wie er im Allein­gang Abwehr­reihen aus­tanzt, Gegner täuscht und tun­nelt, wie er schlenzt, lupft, lacht und lebt, zu seinen Fans rennt und sich und seinen Bart gebüh­rend feiern lässt. Das Video wurde sechs Mil­lionen Mal geklickt und vom Kanal aus unge­klärten Gründen ent­fernt, was den Ruhm des Bär­tigen aber eher noch ver­grö­ßert hat. Dabei spielt Mos­car­delli in der Serie B, bei der AC Pisa. Doch Unter­klasse hin oder her, in Ita­lien ist er schon länger beliebt.

Im Grunde näm­lich, seit er sich seinen Bart wachsen ließ. In der Saison 2012/13 spielte Mos­car­delli in der Serie A für Chievo Verona, kam dort aber nur selten zum Ein­satz und wollte des­halb den Verein wech­seln. Er beschloss, sich nicht mehr zu rasieren, bis er zum Liga­kon­kur­renten Bologna durfte. So kam es dann auch. Als er dort frisch rasiert zum Trai­ning erschien, schauten seine neuen Mit­spieler ihn an und meinten, der Bart habe ihm gar nicht so schlecht gestanden. Mos­car­delli ahnte, dass sie Recht hatten, und ließ wieder wachsen.

Ein echter Bomber

Es reicht doch wenig aus, um im Internet bekannt zu werden“, sagte er. Bei Mos­cagol“, wie er sich bei Twitter und Insta­gram nennt, waren es ein paar schöne Tore und ein Bart. Der wurde in den Sozialen Netz­werken wie wild kom­men­tiert. Mos­car­delli wusste zunächst nicht warum, ließ ihn aber weiter sprießen und gibt seinen Fol­lo­wern seitdem Futter. So öffnet er auf Insta­gram Fla­schen mit seinem Bart, hängt sich Lich­ter­kette hinein und schaut so nach­denk­lich in die Ferne, wie es wohl nur ein Mann mit einer sol­chen Bart­tracht hin­be­kommen kann.

Mos­car­delli ist das, was die Ita­liener einen Bomber nennen. In Ita­lien werden auch mit­tel­mä­ßige Stürmer als Super­stars gehan­delt, wenn sie sich zu insze­nieren wissen. Der Bomber Mos­car­delli hat sich diesen spe­zi­ellen, sich selbst über­hö­henden Witz der Ibra­hi­movic-Schule ange­lernt, er wird in Fern­seh­sen­dungen ein­ge­laden, mag Deutsch­land, weil er Bier und Autos und das Okto­ber­fest liebt, wird von seinen Anhän­gern ver­ehrt und schießt am Wochen­ende immer noch eini­ger­maßen regel­mäßig traum­hafte Tore. Was kann man eigent­lich mehr ver­langen vom Leben? Eben. Mos­car­delli weiß das und genießt.