Seite 2: Die Protokolle

Moggi & Baldas, 08.11.2004

Fabio Baldas: Mach dir keine Sorgen, ich küm­mere mich um alles. Dann ist da noch dieser Lini­en­richter in Rom, dieser Mag­giani.

Moggi ver­sucht, die öffent­liche Mei­nung zu steuern. Dafür hat er mit Fabio Baldas einen Ver­trauten beim Fern­sehen. Der ehe­ma­lige Schieds­richter sitzt nach jedem Spieltag in der Sen­dung Il Pro­cesso di Bis­cardi“ („Bis­cardis Pro­zess“) und ana­ly­siert kniff­lige Ent­schei­dungen. Moggi sagt ihm vor jeder Auf­zeich­nung, welche Schieds­richter er wie bewerten soll.

Luciano Moggi: Mag­giani ist ein Freund.

Luca Mag­giani ist Lini­en­richter beim Spiel Lazio Rom gegen den FC Bologna, das am 14. November 2004 statt­findet.


Baldas: Na bitte, va bene, dann lassen wir Mag­giani in Ruhe. Und Grilli?
Moggi:
Grilli heißt der?
Baldas:
Ja, ist er dir egal?
Moggi:
Ja, ja, den kenne ich nicht.
Baldas:
Ach ja, wegen dieser Sache mit Cagliari, da ist dieses Abseits, 80 Zen­ti­meter, ich muss mal gucken, ob es Mitro oder Rosso­mando war.
Moggi:
Aber nein, wir müssen den Schiri retten.
Baldas:
Klar … dann … dann laden wir die Schuld auf die Lini­en­richter.
Moggi:
Wer waren die Lini­en­richter?
Baldas:
Mitro und Rosso­mando.
Moggi:
Lad die Schuld auf Rosso­mando.
Baldas:
(Lacht.) Ja, und was hat der dann auf der anderen Seite gemacht? Ich weiß nicht, ob er es war oder ob er auf der anderen Seite war.
Moggi:
Wenn er es war, gut. Wenn nicht, gib Mitro die Schuld.
Baldas:
In Ord­nung, habe ver­standen, va bene!

Moggi & Baldas, 18.10.2005

Baldas: Wie geht es dir? Gut?
Moggi: Gut.
Baldas:
Hör zu, Luciano, heute haben wir nicht viel … da ist … nur Rodo­monti. Ist es okay, wenn wir ihn schlecht aus­sehen lassen? Wenn du damit ein­ver­standen bist, natür­lich …

Pas­quale Rodo­monti ist ein Schieds­richter, der zwei Tage zuvor das Spiel Cagliari gegen Milan pfeift. Milan, ein Kon­kur­rent von Juventus Turin, gewinnt 2:0. Die Schuld soll der Schieds­richter bekommen.

Moggi: Oh, klar.
Baldas: Und dann? Und dann? Da ist immer noch Siena gegen Flo­renz.
Moggi:
Aber gab es da einen Straf­stoß?
Baldas:
Er … ver­dammt, ja, da war ein Elf­meter! … Und da ist Rosetti. Du kennst den Typen. Sollen wir ihn schlecht aus­sehen lassen?
Moggi:
Nein, lass ihn in Ruhe. Ver­zichte ein­fach auf das Siena-Spiel.
Baldas:
Okay … könn­test du mir einen Gefallen tun?
Moggi:
Kein Pro­blem.
Baldas:
Kannst du mich gleich zurück­rufen?
Moggi:
Yup, mach ich.
Baldas:
Fein, ciao.

Moggi & Pai­retto, 11.08.2004

Moggi: Gigi, ver­dammt noch mal, was für einen Schieds­richter hast du uns geschickt?
Pier­luigi
Pai­retto: Fandel? Er ist die Nummer eins, ein Top-Schieds­richter.
Moggi:
Wie auch immer, aber Mic­colis Tor war regulär.

Pier­luigi Pai­retto, den Moggi auch manchmal lie­be­voll Pino­chet“ nennt, ist nicht nur Schieds­rich­te­r­ob­mann in Ita­lien, son­dern auch bei der Uefa zuständig für die Anset­zung der Schieds­richter. Das Tele­fonat findet einen Tag nach dem Hin­spiel in der Cham­pions-League-Qua­li­fi­ka­tion gegen Dju­r­gar­dens IF statt. Das Spiel endet 2:2, den Ita­lie­nern wird ein Tor von Fabrizio Mic­coli aberkannt.

Pai­retto: Nein.
Moggi:
Es war regulär, es war regulär!
Pai­retto:
Nein, es war direkt vor ihm (vor dem Schieds­richter, d. Red.).
Moggi:
Wor­über sprichst du … es war nicht vor ihm … das kom­plette Spiel war ein totales Desaster!
Pai­retto: Aber du weißt: Er ist einer der besten Schieds­richter.
Moggi:
Also, ich sage dir, er kann mich am Arsch lecken. Ich muss nun das Rück­spiel in Stock­holm absi­chern.
Pai­retto:
Ver­dammt … mamma mia …
Moggi:
Wir müssen gewinnen … aber mit einem anderen Schieds­richter wird es ein biss­chen schwierig. Ver­stehst du mich?
(…)
Moggi:
Für Mes­sina schick mir Con­solo und Bat­ta­glia … mit Cas­sara, eh?

Für kom­mende Test­spiele gegen ACR Mes­sina und AS Livorno trägt Moggi vor, wen er sich als Linien- und Schieds­richter wünscht.

Pai­retto: Habe ich schon gemacht.
Moggi:
Und wen hast du geschickt?
Pai­retto:
Ich glaube, Con­solo und Bat­ta­glia. Ich habe mich auch schon um das Freund­schafts­spiel in Livorno geküm­mert. Es ist alles fein.
Moggi:
In Livorno, Rocchi, eh?
Pai­retto:
Ja, es ist Rocchi in Livorno.
Moggi:
Und gegen Milan … da muss es Pieri sein.

Am 28. August 2004 gewinnt Juventus 1:0 gegen den AC Mai­land. Schieds­richter ist Tiziano Pieri.

Pai­retto: So weit sind wir noch nicht.
Moggi:
Okay, wir che­cken das später.

Moggi & Pai­retto, 01.09.2004

Moggi: Hallo?
Pai­retto:
Hey, hast du mich ver­gessen? Ich denke immer an dich!
Moggi:
Ach, komm schon.

In einem Inter­view mit 11 FREUNDE sagt Moggi vor seiner Ver­ur­tei­lung: Ich musste eine Welt voller Teufel kon­trol­lieren, aber Tele­fo­nieren ist doch wirk­lich kein Ver­bre­chen.“

Pai­retto: Ich habe einen tollen Schieds­richter für das Spiel gegen Ams­terdam.

Die beiden spre­chen über das erste Cham­pions-League-Grup­pen­spiel zwi­schen Juventus Turin und Ajax Ams­terdam, das zwei Wochen später statt­findet. Juventus gewinnt 1:0.

Moggi: Wen denn?
Pai­retto:
Es ist Meier.

Der Schweizer Urs Meier äußert sich nach Ver­öf­fent­li­chung der Abhör­pro­to­kolle im Blick“: Wer da einen Skandal hinein­interpretieren will, muss schon eine böse Phan­tasie haben. Es ist doch legitim, wenn sich ein großer Klub wie Juventus Turin vor einem wich­tigen Spiel bei der Uefa erkun­digt, wer nun pfeift.“

Moggi: Super!
Pai­retto: Ich habe dich nur ange­rufen, um dir das mit­zu­teilen. Siehst du, wie ich mich in diesen Tagen um dich küm­mere.

Moggi & Giraudo, 23.08.2004

Moggi: Was zur Hölle! Ich habe ihm doch gesagt, dass er schlecht spielen soll!

Antonio Giraudo: Ich habe es ihm auch gesagt. Wir hatten ver­ein­bart, dass er schlecht spielen wird. Danach sollte er zum Trainer gehen und sagen, dass er nie wieder für sie spielt und an uns ver­kauft wird.
Moggi: Er hat drei Tore gemacht, er hat eine Show gezeigt.

Aber Zlatan Ibra­hi­movic hält sich an keine Abspra­chen. Am 22. August 2004 macht er gegen NAC Breda eines seiner besten Spiele für Ajax Ams­terdam. Moggi irrt aber, beim 6:2 gegen Breda schießt Ibra­hi­movic nur zwei Tore und bereitet vier wei­tere Treffer vor. Am nächsten Tag unter­schreibt er bei Juventus, die Ablöse beträgt 16 Mil­lionen Euro.

Antonio Giraudo war zwi­schen 1994 und 2006 Juventus Turins Geschäfts-führer. Er wird im Cal­cio­poli-Pro­zess zu einer Haft­strafe von 36 Monaten ver­ur­teilt.

Pai­retto & Don­da­rini, 21.09.2004

Paolo Don­da­rini: Gigi, hier ist Donda.
Pai­retto:
Hallo Donda, wie geht es dir?
(…)
Pai­retto:
Und denk daran, halte 50 Augen auf! Um auch Dinge zu sehen, die man gar nicht sehen kann!
Don­da­rini:
Du wirst sehen, dass ich dich nicht ent­täu­sche.

Schieds­richter-Obmann Pai­retto stimmt Referee Paolo Don­da­rini auf das Spiel Sam­pdoria Genua gegen Juventus ein. Juventus gewinnt 3:0 – auch dank eines groß­zü­gigen Elf­me­ter­pfiffs und eines nicht gege­benen Straf­stoßes.

Moggi & Damas­celli, 05.12.2004

Tony Damas­celli: Oh, also, De Santis hat den per­fekten Mord begangen, eh?

Tony Damas­celli ist ein ita­lie­ni­scher Jour­na­list der rechts­po­pu­lis­ti­schen Zei­tung Il Giornale“. Wegen seiner Betei­li­gung am System Moggi“ wurde er im Oktober 2006 für vier Monate sus­pen­diert.

Moggi: Was hat er denn gemacht?
Damas­celli:
Eh … naja … wir haben die drei Ver­tei­diger von Bologna draußen … alle drei gesperrt.

Moggi und Damas­celli unter­halten sich über das Spiel Flo­renz gegen Bologna am 14. Spieltag der Saison 2004/05. Schieds­richter Mas­simo De Santis hat – offenbar auf Anwei­sung – drei wich­tige Spieler von Bologna mit Gelben Karten bedacht. Im nächsten Spiel gegen Juventus sind sie gesperrt.

Moggi: Ah. Wer war denn vor­be­lastet?
Damas­celli:
Alle drei … ehm … wie heißen sie? Petruzzi, Nastase und Gam­be­rini!
Moggi:
Uhhh.
Damas­celli:
Nicht schlecht, oder?
Moggi:
Eh … ja … was soll ich sagen?

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