11FREUNDE am Morgen

11FREUNDE am Morgen ist unser neuer News­letter. Pünkt­lich um 7 Uhr mor­gens ver­sorgt euch Chef­re­dak­teur Philipp Köster an jedem Werktag mit den wich­tigsten Nach­richten des Fuß­ball­tages. Hier könnt ihr abon­nieren.

Fuß­ball ver­bindet. So sah es aus, wenn man ges­tern Abend bei mir aus dem Fenster blickte. Eine klei­nere Men­schen­menge, die sich vor dem Fern­seher einer Kneipe ver­sam­melt hatte und bis kurz vor Mit­ter­nacht aus­harrte, obwohl es zwi­schen­durch anfing, zu regnen. Spa­nier, Ita­liener, Anwohner und Pas­santen, die eigent­lich nur kurz ein Bier hatten holen wollen, dann aber von der Über­tra­gung aus Wem­bley ein­ge­fangen wurden. Und als schließ­lich alles vorbei war und Ita­lien nach Elf­me­ter­schießen ins EM-Finale ein­ge­zogen war, jubelten die Ita­liener aus­giebig , wäh­rend die spa­ni­sche Abord­nung trübe in ihr Bier starrte. Was jedoch beide Gruppen und alle anderen und auch mich oben auf dem Balkon einte, war die Fas­zi­na­tion, die dieses Spiel nach wie vor auf uns ausübt, unge­achtet des ganzen Irsinns, der inzwi­schen drum­herum insze­niert wird. Und das ist, nach den ganzen UEFA-Schur­ke­reien, Spielen in Baku, dem Streit um eine harm­lose Regen­bogen-Illu­mi­na­tion und vollen Sta­dien trotz Pan­demie, eine tröst­liche Erkenntnis.

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Ita­lien – Spa­nien

Lass dich umarmen! Was für ein groß­ar­tiger Typ ist bitte Giorgio Chiel­lini? Der 36-jäh­rige Mann­schafts­ka­pitän von Juventus Turin hat uns im Laufe des Tur­niers schon so oft begeis­tert, mit seinem Kampf­geist und seiner Begeis­te­rung. Selten aber kam der Sport­geist, der Chiel­lini durch seine Kar­riere getragen hat, so schön zum Aus­druck wie kurz vor dem Elf­me­ter­schießen bei der gemein­samen Bespre­chung mit dem Schieds­rich­ter­trio und Spa­niens Mann­schafts­ka­pitän Jordi Alba. Chiel­lini war offen­kundig so begeis­tert von der Dra­matik, der Klasse des Spiels und der Tat­sache, dass es nun zum Elf­me­ter­schießen kommen würde, dass er seinen spa­ni­schen Kon­tra­henten herzte, anlachte, stupste und knuffte, dass es eine helle Freude war. Am Ende konnte sich Jordi Alba, der der über­bor­denden Herz­lich­keit zunächst nur bedingt etwas abge­winnen konnte, auch einer Umar­mung nicht ent­ziehen. Ein Moment großer Sport­lich­keit von einem, der begriffen hat, worauf es ankommt.

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Ewige Kon­kur­renz

Musste klar­ge­stellt werden. Ita­lien und Spa­nien begegnen sich ja nicht nur auf dem Fuß­ball­platz als Kon­kur­renten. Auch auf kuli­na­ri­schem Gebiet besteht durchaus ein ange­spanntes Ver­hältnis, weil die beiden Nationen jede für sich beson­dere Errun­gen­schaften für sich rekla­mieren. Fragen wie Pasta oder Paella?“ konnten ges­tern Abend nicht geklärt werden, ein ita­lie­ni­scher Anhänger ver­suchte aber zumin­dest eine andere Grund­satz­frage anzu­spre­chen: Pros­cuttio crudo ist besser als Jamón“ ver­kün­dete er auf seinem Plakat. Doch so gewin­nend der Fan auch grinste, so wenig ent­schied Moratas Fehl­schuss ges­tern abend den ewigen Kampf zwi­schen ita­lie­ni­schem und ibe­ri­schem Schinken.

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Köpke weg

Stühle rücken bei der Natio­nal­mann­schaft. Nun demis­sio­niert wahr­schein­lich auch Andreas Köpke. Hatte es bisher so aus­ge­sehen, als werde der lang­jäh­rige Bun­des­tor­wart­trainer auch unter dem neuen Chef Hansi Flick die deut­schen Keeper trai­nieren, ver­meldet nun die Frank­furter Rund­schau den bal­digen Abgang des Bier­hoff-Ver­trauten. Ob dieser nun von Hansi Flick erzwungen oder von Andreas Köpke frei ent­schieden wurde, ist fast neben­säch­lich, ange­sichts des grund­sätz­li­chen Signals, das die Per­so­nalie gibt: dass näm­lich ein wirk­li­cher Neu­an­fang statt­findet, mit neuen Ideen und neuen Köpfen. Ange­sichts des Ver­bleibs von Oliver Bier­hoff als frei schwe­bender Gene­ral­ma­nager und des Wei­ter­ma­chens von Co-Trainer Marcus Sorg wäre sonst schnell der Ein­drck ent­standen, hier über­nehme Flick den kom­pletten Löw´schen Haus­stand mit allen ein­ge­schlif­fenen Gewohn­heiten und Abläufen. Und nichts wäre fataler als das.

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Kno­bel­lauch­presse

Wer wird´s? Heute wagen wir eine Pro­gnose, die am späten Abend schon deut­lich wahr­schein­li­cher geworden sein könnte. Lösungen schickt ihr bitte an philipp@​11freunde.​de. Ges­tern suchten wir das obli­ga­to­ri­sche Som­mer­trai­nings­lager“ (zusam­men­ge­setzt aus Somme-RT-Rain-Ing-S-Lager). Diesmal war es der Zisch­laut, der manch einen Quizzer nach­haltig ver­wirrte. Das tut mir auch leid.

Zweites Halb­fi­nale.Vor­ges­tern inter­viewte ein eng­li­scher Reporter zwei däni­sche Fans in Kopen­hagen und merkte im Gespräch an, der letzte däni­sche Titel­ge­winn sei nun auch schon fast dreißig Jahre her. Da lachten die beiden Anhänger hämisch und ent­geg­neten, Eng­land habe die EM nach ihrem Wissen noch gar nicht gewonnen. Das war fach­lich kor­rekt und das Inter­view dann auch rasch zu Ende. Heute Abend (21 Uhr, Tipp: knapper 1:0 Sieg für Eng­land) können die Männer von Gareth Sou­th­gate einen wei­teren Schritt tun, um derlei depri­mie­rende Inter­views künftig zu ver­meiden. 


Viel Spaß beim zweiten Halb­fi­nale und einen guten Mitt­woch wünscht euch

Philipp Köster