Als wir uns am Mün­chener Flug­hafen treffen, strahlt die Sonne vom weiß­blauen Himmel, der Schnee glit­zert, der Atem dampft – abge­sehen vom Flug­hafen ist es ein Post­kar­ten­idyll. Ludwig Kögl ist gerne gekommen, er hat sofort zuge­sagt, als wir um ein Inter­view für die Reihe Der Fuß­ball, mein Leben und ich“ baten, aber noch lieber, das wird nach dem Gespräch deut­lich, als Kögl wäh­rend des Foto-Shoo­tings ein biss­chen sehn­süchtig nach draußen in den Son­nen­schein blickt, wäre er doch lieber woan­ders: in den Bergen, auf einer Ski­tour wie am Tag zuvor, auf seiner Hütte in den Alpen, die er im Sommer zu Fuß oder mit dem Moun­tain­bike und im Winter nur auf Skiern errei­chen kann. Ludwig Kögl wäre lieber in einem echten Post­kar­ten­idyll ohne Flug­hafen.



Das Hotel Kem­pinski, in dem wir uns treffen, ist son­nen­durch­flutet und doch kein Ort der Idylle, zumin­dest sonn­tags nicht. Dann wird hier der Sport1 Dop­pel­pass“ pro­du­ziert, und Jörg Won­torra, Udo Lattek und ihre Gäste unter­ziehen den deut­schen Fuß­ball einer zwei­stün­digen Wur­zel­be­hand­lung ohne Betäu­bung. Dazu spielt eine Band Fahr­stuhl-Jazz, und am Ende gibt es Bier. Früher war Udo Lattek Kögls erster Trainer in der Bun­des­liga, beim FC Bayern.

Zwi­schen diesen zwei Welten spielte sich das Leben des Fuß­bal­lers Ludwig Kögl ab, den alle immer nur Wig­gerl genannt haben, und zwi­schen diesen beiden Welten bewegt er sich noch immer, heute, da er Spie­ler­be­rater ist und Thomas Müller zu seinen Kli­enten zählt. Man inter­pre­tiert nicht zu viel in ihn hinein, wenn man behauptet, dass ihm die erste Welt lieber ist.

Jeden Samstag ging es ins Le Visage“

Ludwig Kögl erzählt, dass er 1984 vor allem des­wegen beim FC Bayern unter­schrieb, weil er so bei seinen Eltern in Pen­zberg wohnen bleiben konnte, zwi­schen Mün­chen und Gar­misch, unweit des Starn­berger Sees. Und dass er des­wegen auch wei­terhin jeden Sams­tag­abend mit seinen Freunden im Le Visage“ ein­laufen konnte, der ört­li­chen Dis­ko­thek. Dass er mit diesen Freunden noch heute befreundet ist. Und dass er das nur für Glad­bach auf­ge­geben hätte, seiner Lieb­lings­mann­schaft als Jugend­li­cher. Doch aus Glad­bach kam kein Angebot.

Von 13 anderen Bun­des­li­gisten kamen Ange­bote, die Manager gaben sich im Kögel­schen Haus die Klinke in die Hand, aßen Weiß­wurst und erklärten Vater und Sohn, warum der Wig­gerl gerade zu ihnen kommen müsse. Die Kögls fanden, dass der Wig­gerl daheim am besten auf­ge­hoben sei, des­wegen machte am Ende Bayern das Rennen.

Vom Por­sche riet ihm Hoeneß ab

Bayern Mün­chen, das war die andere Welt. Plötz­lich musste er, der andert­halb Jahre zuvor noch in der untersten Jugend­klasse für den FC Pen­zberg gekickt hat, zum Bravo Star Treff“, machte Wer­be­ver­träge aus, gab Inter­views und träumte von einem Por­sche. Doch Uli Hoeneß fand, das mache bei einem Acht­zehn­jäh­rigen keinen guten Ein­druck, also ließ er es bleiben und besorgte sich ein Käfer Cabrio.

Er erzählt vom Weiß­bier mit den Bayern-Stars und wie es ihm manchmal auch zu viel wurde, etwa als er ins Sport­studio musste, statt mit der Mann­schaft die Meis­ter­schaft zu feiern, die erste von ins­ge­samt sechs.

Am Ende fragen wir, ob er sich denn seinen alten Trainer Lattek manchmal im Dop­pel­pass“ ansehe. Schon“, sagt Kögl und erhebt sich aus seinem roten Sessel. Dann schaut er noch einmal nach draußen in die Sonne und lächelt: Meis­tens habe ich aber was Bes­seres zu tun.“