Wir Fuß­ball­leute sind ja schon ein komi­sches Volk. Wo andere eher im Rhythmus der Jahre leben, denken wir von Saison zu Saison. Des­halb darf DFL-Boss Chris­tian Sei­fert even­tuell mil­dernde Umstände für sich rekla­mieren, wenn er sagt, die lau­fende Spiel­zeit müsse unbe­dingt bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden; schließ­lich müsse man dann ja wissen, wer auf- und abge­stiegen sei, und über­haupt.

Weil Sei­fert mit dieser Ansicht nicht allein ist, gibt es im Fuß­ball jetzt also hau­fen­weise soge­nannte Geis­ter­spiele. Mit Spie­lern, Funk­ti­ons­teams, maximal ein paar Jour­na­listen, fertig. Statt dem Raunen, Schreien und Jubel der Massen hört man nur die ver­ein­zelten Rufe der Betei­ligten und das stete Ploppen mal­trä­tierter Bälle. Und schon nach wenigen Tagen lässt sich sagen: Dieses Vor­gehen mag ja – wenn auch bloß ganz viel­leicht – geeignet sein, die Saison zu einem tabel­la­risch geord­neten Abschluss zu bringen. Mit Fuß­ball hat das aber leider nichts zu tun.

Eine viel­leicht nur auf den ersten Blick über­ra­schende Erkenntnis: Ohne Zuschauer auf den Rängen ist selbst ein Cham­pions-League-Spiel zwi­schen Paris Saint-Ger­main und Borussia Dort­mund kaum auf­re­gender als ein Kick der Alt­liga Bux­te­hude. Tat­säch­lich alles, was den Pro­fi­fuß­ball zu einem Spek­takel macht, ver­dankt sich offen­kundig der Reso­nanz von außer­halb des Spiel­felds. Und wenn am Wochen­ende der BVB zum sonst extrem hit­zigen Revier­derby gegen Schalke antritt, dann ist das ohne Zuschauer nicht span­nender als es auch ein Spiel gegen, sagen wir mal, Mainz 05 wäre.

Anschau­li­cher als jeder Fan­pro­test

So hat die Corona-Epi­demie per­ver­ser­weise in Rekord­zeit etwas geschafft, was zuvor kein Fan­pro­test der Welt ver­mochte: näm­lich dem Fuß­ball-Estab­lish­ment zu zeigen, dass man ohne laute, begeis­te­rungs­fä­hige und, ja, manchmal sicher auch unge­zo­gene Men­schen auf den Tri­bünen den Laden im Grunde gleich dicht machen kann.

Aus dem Grund sollte die DFL, bevor sich die Leute aus Lan­ge­weile vom Fuß­ball abwenden, diese Farce schleu­nigst beenden und die lau­fende Saison der beiden Bun­des­ligen bis auf wei­teres aus­setzen. Glei­ches gilt auch für die UEFA und ihre Wett­be­werbe, wobei ange­sichts der über die Spieler von Real Madrid ver­hängten Qua­ran­täne hier ohnehin wahr­schein­lich die nor­ma­tive Kraft des Fak­ti­schen wirksam werden wird.

Ob und wann das Ganze dann zu Ende gespielt wird, wer auf- und absteigt oder auch nicht, wer Pokale und Schalen in die Höhe stemmt oder es bleiben lässt, ob die Spiel­zeit im Sommer zu Ende gespielt wird oder gar nicht, ob die EM ver­legt wird oder ganz flach­fällt, das wird und muss sich in diesem Jahr nicht not­wen­di­ger­weise bis zu jenem Zeit­punkt ent­scheiden, den der Rah­men­ter­min­ka­lender dafür vor­sieht.

Jetzt gerade erscheint es tat­säch­lich ziem­lich unwichtig.