Am Mitt­woch fand sich eine Dele­ga­tion aus Spie­lern und Funk­tio­nären von Mac­cabi Haifa am Holo­caust-Denkmal in Berlin Mitte ein, um in Gedenken an die ermor­deten Juden Europas einen Kranz nie­der­zu­legen. Das ist kein nor­males Spiel für uns. Hier sind Grau­sam­keiten pas­siert“, sagte Mac­cabi-Trainer Barak Bakhar auf der Pres­se­kon­fe­renz vor dem anste­henden Spiel mit Union Berlin. Ein State­ment, das bei den Gast­ge­bern ankam. Dirk Zingler, Prä­si­dent der Köpe­ni­cker, sagte am Tag des Spiels gegen­über der Jüdi­schen All­ge­meinen“, sich der ganz beson­deren Bedeu­tung“ bewusst zu sein.

Schatten über dem Olym­pia­sta­dion

Damit hatte Zingler aber offen­sicht­lich nicht für alle Fans von Union gespro­chen, die sich wenige Stunden später im Olym­pia­sta­dion, der Unioner Heim­spiel­stätte auf inter­na­tio­naler Bühne, ein­fanden. Einige unter den ins­ge­samt 23.000 anwe­senden Zuschauern bewiesen statt­dessen ihre Rück­stän­dig­keit. So twit­terte das Junge Forum der Deutsch-Israe­li­schen Gesell­schaft (JuFo) noch wäh­rend der ersten Halb­zeit: Im gemischten Block wurden wir von Union-Fans bedroht, mit Bier beworfen und u.a. als scheiß Juden‘ belei­digt.“ Obwohl es durchaus FCU-Anhänger gegeben habe, die sich gegen die Atta­cken stellten, habe nach dem 1:0 der Ber­liner in der 33. Minute ein Groß­teil der 20- bis 30-köp­figen Gruppe deut­scher Mac­cabi-Fans in den Gäs­te­block über­sie­deln müssen. Einer der auf­fäl­ligen Ber­liner Fans habe dar­aufhin ver­sucht, die auf Papier gedruckte Israel­flagge einer im gemischten Block ver­blie­benen Mac­cabi-Anhän­gerin anzu­zünden. Das sei von ein­grei­fenden Zivil­po­li­zisten ver­hin­dert worden.

Fol­ge­richtig war auch tags­darauf nicht der 3:0‑Erfolg der Ber­liner, son­dern die besagten Angriffe das Haupt­thema. Einer der betroffen JuFo-Ver­treter äußerte sich in der Jüdi­schen All­ge­meinen“, ohne dabei seinen Namen nennen zu wollen. Dem­nach seien die Aggres­sionen zwar nur von einer kleinen Gruppe aus­ge­gangen, doch haben auch nicht genug andere ein­ge­griffen, als dass wir gesagt hätten, wir könnten dort bleiben.“ Zudem hätten die Ordner nicht recht­zeitig inter­ve­niert. Die Zei­tung selbst schreibt von einem Spiel mit Schatten“.

Erwarten, dass gegen Anti­se­mi­tismus im Sta­dion vor­ge­gangen wird“

Bei Union Berlin stand der­weil die Auf­ar­bei­tung auf dem Pro­gramm. Schon wäh­rend der Partie hatten sich die Gast­geber auf Twitter an die Betrof­fenen gewendet und darum gebeten, sich mit Block und Sitz­platz­nummer“ zu melden. Am Freitag ver­öf­fent­lichte der Klub dann eine Mit­tei­lung, in der sich unter anderem Dirk Zingler zu Wort mel­dete: Dieses Ver­halten ist beschä­mend und nicht tole­rierbar. Wir bitten die Betrof­fenen um Ent­schul­di­gung. Anti­se­mi­tismus ist leider in unserer Gesell­schaft nach wie vor vor­handen.“ Wei­terhin kün­digte der FCU-Prä­si­dent an, die Ermitt­lungen der Polizei mit allen uns zur Ver­fü­gung ste­henden Infor­ma­ti­ons­quellen“ zu unter­stützen.

Union schloss die Mit­tei­lung mit einem State­ment des JuFo, das sich bei den Fans bedankte, die sich im Sta­dion mit uns soli­da­ri­siert haben. Der Groß­teil der Unioner hat Mac­cabi freund­schaft­lich emp­fangen und mit ihnen den Fuß­ball gefeiert. Wir erwarten aber auch, dass gegen Anti­se­mi­tismus im Sta­dion kon­se­quent vor­ge­gangen wird, damit dies auch wei­terhin mög­lich ist.“ Mac­cabi ist die bisher ein­zige israe­li­sche Mann­schaft, die je ein Pflicht­spiel im von den Nazis erbauten Olym­pia­sta­dion absol­viert hat.