David Beckham ist ein Meister der Geheim­hal­tung. Als Ende 2011 das Gerücht aufkam, dass er zu Paris Saint-Ger­main wech­seln würde, schrieben sich einige fran­zö­si­sche Bou­le­vard­re­porter die Finger wund. Beckham werde im Hotel Bristol in der Nähe der Place de la Made­leine wohnen. Er würde den Ver­trag im Rat­haus unter­schreiben und dann eine Auto­gramm­stunde in der Gale­ries Lafay­ette geben. Er werde in einem Cabrio win­kend über die Champs Ely­sees fahren und die Massen grüßen. Wie die Queen. Wie ein Pop­star. Es sollte ein großes Geheim­dos­sier exis­tieren. Name der Akte: Becks Ankunft“.

Beckham sagte nichts, blieb noch über ein wei­teres Jahr bei seinem dama­ligen Verein Los Angeles Galaxy und wech­selte erst Anfang 2013 nach Paris. Ohne viel Bohei.

Auto­bahn­dicke Ver­bin­dungen nach Katar

Mitt­ler­weile hat Beckham seine aktive Kar­riere beendet. Er lebt in Miami und ist Mit­be­sitzer und Sport­di­rektor des neuen MLS-Fran­chise Inter Miami. Heute ist der erste Spieltag der ame­ri­ka­ni­schen Pro­fi­liga, es geht los mit einem Aus­wärts­spiel beim Los Angeles FC. Wie gut sein Team ist? Der Kader hat laut trans​fer​markt​.de den dritt­höchsten Markt­wert der Liga, die Stars – Chicharito (Galaxy), Cris­tian Pavon (Galaxy), Ignacio Piatti (Mont­real) oder Carlos Vela (LAFC)– spielen aber bei anderen Teams.

In den ver­gan­genen Wochen war das Sport­liche, same old Beckham story, aber eher neben­säch­lich. Inter Miami soll näm­lich, so gerüchtet es seit Mitte Januar, einen 180-Mil­lionen-Pfund-Spon­so­ren­ver­trag mit Qatar Air­ways abge­schlossen haben. Wirk­lich erstaun­lich ist das nicht. David Beckham hat dicke Ver­bin­dungen nach Katar. Die alten Kon­takte aus Paris. Auf Insta­gram zeigt er sich mit WM-Chef Hassan Al Tha­wadi, Daumen hoch, Perl­weiß-Grinsen, Hashtag seeyouin2022. Auf einem anderen Bild ist er mit my friend Nasser“ Al-Khe­laifi zu sehen, dem Klub­chef von PSG.

Viele Fans – oder besser: Fans ins spe – finden das gar nicht gut. Im Netz äußern sie ihren Unmut. Ich schmeiß meine Dau­er­karte gleich wieder in den Müll“, droht ein Fan auf Inter Miamis Subreddit. Ein anderer schreibt: Ich werde das Logo von Qatar Air­ways auf jeden Fall über­kleben.“

Beckham ist ein Symbol

Viele hatten offenbar etwas anderes von David Beckham erwartet, der immer auch für Werte wie Tole­ranz und Respekt stand. Einigen gilt er bis heute als metro­se­xu­eller Prot­ago­nist, anderen als Gay Icon“. Er gab, im Gegen­satz zu vielen anderen Fuß­ball­profis, gerne auch Inter­views in queeren Maga­zinen.

Und dann ist da dieser neue Verein, der mit vollem Namen Club Inter­na­cional de Futbol Miami heißt. Dazu ein Wappen wie aus einer Art-deco-Aus­stel­lung der Zwan­zi­ger­jahre. Zwei Reiher mit ver­schlun­genen Beinen und eine Son­nen­fins­ternis mit sieben Strahlen, weil Beckham in der Natio­nalelf und bei Man­chester United die Nummer 7 trug.

Wir wollen alle Kul­turen und Com­mu­nities umarmen.“

David Beckham

Das Wappen und der Name seien eine Ver­nei­gung vor Miamis Inter­na­tio­na­lität, Diver­sität, Krea­ti­vität und Spirit“, heißt es in einer Klub­mit­tei­lung, und das Ver­eins­motto wird direkt hin­ter­her­ge­schoben: Libertas, Unitas, For­tuna.“

Im Ohr hat man ständig den Song Miami“ von Will Smith: Can y’all feel me, all ages and races. Real sweet faces. Every dif­fe­rent nation, Spa­nish, Hatian, Indian, Jamaican, Black, White, Cuban, and Asian.“ Und auch David Beckham sagt, sein Klub wolle alle Kul­turen und Com­mu­nities umarmen.“

Aber tut er das?

Es ist traurig, dass Inter Miami einen Deal mit Katar ein­geht“, schreibt ein Blogger auf The Flo­rida Squeeze“. Ein neuer Klub mit einer weißen und unbe­schrie­benen His­torie sollte doch die gesamte Com­mu­nity umarmen und nicht einige schon aus­schließen, bevor der erste Ball gespielt wurde.“

Barca, Bayern, Katar

Qatar Air­ways ist die Staats­linie von Katar, und drängt nicht nur im Rahmen der WM 2022 seit einigen Jahren in das Fuß­ball­ge­schäft. Von 2013 bis 2017 zierte das Logo die Brust des FC Bar­ce­lona. Seit 2018 ist das Unter­nehmen Pla­tin­partner des FC Bayern. Und gerade dort, im Sta­dion des deut­schen Rekord­meis­ters, mussten sich Karl-Heinz Rum­me­nigge („Wei­terer Schritt in unserer Inter­na­tio­na­li­sie­rungs­stra­tegie“) und Uli Hoeneß („Her­vor­ra­gende Trai­nings­be­din­gungen“) in den ver­gan­genen Jahren immer wieder Kritik der eigenen Fans anhören.

Denn in Katar sterben jedes Jahr hun­derte aus­län­di­sche Arbeits­mi­granten auf den WM-Bau­stellen. Die Lebens­be­din­gungen sind kata­stro­phal. Die meisten Arbeiter – die meisten kommen aus Nepal, Ban­gla­desch und Indien – sind Teil des soge­nannten Kafala-Sys­tems und müssen ihre Pässe beim Arbeit­geber abgeben. Sie können das Land nicht ver­lassen und sind im Grunde Leib­ei­gene.