Es gibt einen Witz über die ame­ri­ka­ni­sche Psy­che­delic-Band Gra­teful Dead, die vor allem unter kif­fenden Rock­fans eine große und treue Anhän­ger­schaft hatte. Der Witz geht so: Was sagt ein Gra­teful-Dead-Fan, wenn er die Drogen absetzt? Mein Gott! Die Band ist ja kacke!“

Der Witz war böse gemeint. Die aus­ge­dehnten, selbst­ver­liebten Gitar­ren­soli der Gruppe, drückte er aus, ließen sich nur zuge­dröhnt ertragen. Aber echte Deadheads (wie die Anhänger der Band heißen) juckte diese Kritik nicht. Sie erwi­derten, dass es eine bestimmte Art von Genia­lität und Größe gibt, die man erst dann erkennt, wenn man sein Bewusst­sein gründ­lich erwei­tert hat.

Dagegen war Waldis Club“ eine Art Lite­ra­ri­sches Quar­tett“

Womit wir bei Rein­hold Beck­mann wären. Wie alle anderen Fern­seh­zu­schauer auch, so saß der Autor dieser Zeilen am Sonntag kopf­schüt­telnd vor der ersten Folge von Beck­manns Sport­schule“, der Fort­set­zung von Late-Night-Fuß­ball-For­maten wie Waldis Club“ mit anderen Mit­teln. Schon nach wenigen Minuten der Sen­dung wurde offenbar, dass hier nichts stimmt.

Die völ­lige Abwe­sen­heit eines erkenn­baren Kon­zeptes in Ver­bin­dung mit unpas­senden Gästen, die durch eine selt­same Kulisse irr­lich­tern, hin­ter­ließ im besten Fall Rat­lo­sig­keit, sorgte bei vielen Zuschauern sogar für kalte Wut. 

Ein biss­chen Ditt­sche“, ein wenig Zimmer frei“

Ein Gremlin-Talk, der selbst den fadesten Grot­ten­kick locker unter­bietet“, schrieb ein Autor von Der Westen mit vor Empö­rung zit­ternder Unter­lippe. Der Kölner Express urteilte: Gegen das wüste Spek­takel, das Rein­hold Beck­mann in der alt­ehr­wür­digen, unschul­digen Sport­schule Malente ver­an­staltet, war jede ein­zelne Aus­gabe von ›Waldis Club‹ eine Art ›Lite­ra­ri­sches Quar­tett‹, mit Ten­denz zum Nobel­preis­ver­dacht.“

Die har­sche Kritik schien auch mir zunächst ange­bracht, klaubt Beck­manns Sen­dung doch Ver­satz­stücke der Abend­un­ter­hal­tung zusammen, ohne dass sie ein stim­miges Ganzes ergeben. Ein biss­chen Ditt­sche“ (Uwe Seeler, der sich eine Fla­sche Bier aus dem Kühl­schrank holt), ein wenig Zimmer frei!“ (früher stand dort Jürgen Drews vor der Tür und bet­telte um Ein­lass, heute lun­gert Tim Wiese im hol­stei­ni­schen Regen herum).

Oben­drauf gibt es noch einen Schuss Schmidtein­ander“, einer ver­stö­renden Talk­show mit Harald Schmidt und Her­bert Feu­er­stein aus den frühen 1990ern, und natür­lich das anar­chis­ti­sche Chaos namens Off-Show“, das Beck­mann selbst einst zusammen mit Helge Schneider mode­rierte.