Nach seiner Hel­dentat suchte Alisson Becker den Augen­kon­takt zur Familie. Alle waren ins Gremio-Sta­dion nach Porto Alegre gekommen. Mutter Magali, Vater Jose, Ehe­frau Natalia und Bruder Muriel, der bei Belenenses Lis­sabon in Por­tugal zwi­schen den Pfosten steht. Kurz zuvor hatte Becker den ersten Schuss vom Punkt in der Elf­me­ter­lot­terie gegen Para­guay gehalten. Aus­ge­rechnet hier, in seiner Heimat, vor den Augen der Freunde und der Familie unter den knapp 45.000 Zuschauern. Porto Alegre liegt im Süden Bra­si­liens, genauer gesagt im Bun­des­staat Rio Grande do Sul. Hier ist Alisson Becker in Novo Ham­burgo (Neu-Ham­burg) geboren. Vor hier sind es nicht einmal 60 Auto­mi­nuten bis nach Porto Alegre.

Der bär­tige Hüne strahlte. Und wer genau hinsah, der erkannte sogar ein wenig Feuch­tig­keit in seinen Augen, als Becker die Ange­hö­rigen auf der Tri­büne ent­deckte und freudig die Arme hoch­riss. Das ist alles sehr emo­tional. Die ganze Familie ver­eint in Porto Alegre“, sagte der spiel­ent­schei­dende Akteur danach den bra­si­lia­ni­schen Jour­na­listen.

Bisher über­zeugt vor allem Bra­si­liens Defen­sive

Para­guays Gus­tavo Gomez war der Pech­vogel, der gleich beim ersten Elf­meter im Vier­tel­fi­nale an Alisson Becker schei­terte. Da Derlis Gon­zales den letzten Elf­meter von Para­guay neben das Tor setzte, fiel der ver­ge­bene Elf­meter von Beckers Ver­eins­kol­lege Roberto Fir­mino nicht mehr ins Gewicht. Die ein­zige Tor­wart­pa­rade dieses Elf­me­ter­schie­ßens ent­schied das Spiel und machte das Traum­halb­fi­nale zwi­schen Bra­si­lien und Argen­ti­nien mög­lich. Ganz nebenbei besiegte Bra­si­lien damit ein Trauma: Zuletzt schei­terte die Selecao zweimal in Folge an Para­guay in einem Elf­me­ter­schießen. In Argen­ti­nien 2011 und vier Jahre später in Chile. Bei der Copa-Jahr­hun­dert­auf­lage in den USA 2016 reichte es für Bra­si­lien nicht einmal für die Runde der letzten Acht.

Alisson Becker ist die Kon­stante im Team der Haus­herren. Bra­si­lien glänzt bei dieser Copa Ame­rica nur gele­gent­lich. Tor­fes­ti­vals wie beim 3:0 zum Auf­takt gegen Boli­vien oder beim 5:0 gegen Peru wech­seln sich mit müh­samen tor­losen Remis gegen Vene­zuela in der Vor­runde und Para­guay im Vier­tel­fi­nale (4:3 im anschlie­ßenden Elf­me­ter­schießen) ab. Eines aber bleibt: Bra­si­liens Defen­sive mit den alten Schlacht­rös­sern Filipe Luís (33), Dani Alves (36) und Thiago Silva (34). Nur Mar­quinhos (25) und Alisson Becker (26) sind in einem Alter, das eine WM-Teil­nahme 2022 in Katar rea­lis­tisch erscheinen lässt. Auch wenn die bis­he­rigen Gegner nicht zur Welt­spitze zählen, ist die Defen­siv­leis­tung der bra­si­lia­ni­schen Abwehr zumin­dest bisher über­zeu­gend.